Ansichten eines Informatikers

Der Honk und das Abitur

Hadmut
25.4.2026 19:13

Lehrer wollen Sitzenbleiben am Gymnasium abschaffen.

Quality is a myth.

In NRW geben sie Deutsch als Sprache auf, in Bayern das Sitzenbleiben.

FOCUS: Lehrer wollen Sitzenbleiben am Gymnasium abschaffen

Sozialforscher Andreas Herteux analysiert einen streitbaren bildungspolitischen Reformvorschlag, nachdem Sitzenbleiben an Gymnasien abgeschafft werden könnte.

Das Sitzenbleiben am Gymnasium sollte abgeschafft, das fordert im Kern der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV). Zwar ist Schule Ländersache, aber gerade im Bildungsbereich wandern Ideen schnell: Erst als Modellversuch, dann als Reformimpuls, schließlich als angeblich alternativlose Modernisierung. Schon aus diesem Grund lohnt sich wohl ein tiefergehender Blick.
Module nachholen statt Sitzenbleiben

Die Grundidee ist dabei sehr schnell umrissen: Am Gymnasium sollen Schüler, die scheitern, nicht mehr klassisch eine ganze Jahrgangsstufe wiederholen. Stattdessen würden nur einzelne nicht bestandene Module noch einmal bespielt.

Ab der siebten Klasse wäre das Gymnasium modular organisiert – mit Fachmodulen, Fördermodulen, Plusmodulen, Brückenmodulen und Projektmodulen.

Der feste Klassenverband der Jahrgangsstufen 7 bis 11 würde weitgehend entfallen, stattdessen bekäme jeder Schüler eine Lehrkraft als dauerhaften „Coach“, der den Lernweg, die Belastung und den Förderbedarf begleitet. Das klingt modern, flexibel und fürsorglich, doch ist es das auch?

Individualunterricht statt inklusivem Klassenverband. Hört sich an, als gebe man gerade linke Ideale in die Tonne.

Im Prinzip ist es aber nichts anderes, als das Gymnasium aufzugeben und zur Sonder- oder Hilfsschule umzumünzen. Im Prinzip stellt man damit das gesamte Schulsystem auf Lernbehinderte um. Und vor allen: Man verdunkelt damit Lernversagen. Es geht dabei auch nicht um die Haupt- oder Realschule, sondern um das Gymnasium. Das offenbar nicht mehr funktioniert.

Der tiefere Irrtum des ganzen Vorstoßes liegt jedoch noch woanders. Hinter ihm steht auch die Vorstellung, junge Menschen müssten immer stärker vor den Zumutungen von Leistung, Scheitern und Begrenzung geschützt werden.

Natürlich soll Schule fördern und nicht demütigen. Aber wer jedes Hindernis sofort in ein Fördergespräch, ein Brückenmodul oder eine Coachingschleife übersetzen will, erzieht nicht automatisch zu Stärke. Er kann auch das Gegenteil bewirken: die Gewöhnung daran, dass Systeme sich immer weiter an subjektive Überforderung anpassen. Das verschiebt die Kollision mit der Realität nicht nur, es verschärft sie womöglich, denn ein ähnliches Erwartungslevel gibt es dann später eben auch.

Es ist das linke Prinzip: Wenn ich was nicht kann, weil ich zu doof oder zu faul bin, dann liegt das nicht an mir, sondern ich kann mich darauf verlassen, dass der Staat einen Kümmerer schickt, der dann die Verantwortung übernimmt und sich darum kümmert. Als ob der Staat für Gleichheit zuständig wäre. Kennt man aber von der Forderung, bei Gewalttaten nicht mehr die Polizei, sondern Sozialarbeiter zu schicken, die dem Täter helfen, seine Probleme zu überwinden.

Künftig wird man dann das Abitur beantragen und zugesprochen kommen wie Sozialhilfe.

Das ist alles nur noch ein Witz.

Warum eigentlich jeder Honk, der damit nicht klarkommt, trotzdem Abitur machen und auf die Uni gehen sollte, erschließt sich mir nicht. Früher sagte man den Leuten, „Junge, das ist nichts für Dich. Lerne einen praktischen Beruf, werde Handwerker, Gärtner oder etwas in der Art!“. Geht natürlich nicht mehr, weil Handwerksberufe heute anspruchsvoller als die meisten akademischen Berufe sind.