Togo und die Landkarten
Warum Philosophen zu blöd für Politik und letztlich Flatearther sind.
Das Thema Landkarten und Gerechtigkeit habe ich vor einigen Jahren im Blog auch schon ausgewalzt wie Teig unter dem Nudelholz. Das war ja mal so ein wokes Ding mathematikunfähiger Gerechtigkeitskriegerinnen, sich über die Mercator-Projektion aufzuregen. Dann wurden Ersatzkarten vorgeschlagen, eine blöder als die andere. Vor allem: Angeblich gerecht, aber nutzlos, wie ein Gender Studies Studiengang. Als ob Landkarten keinen anderen Zweck hätten, als Gerechtigkeit auszustrahlen. Entworfen von Leuten, die noch nie etwas mit Landkarten gemacht haben. Quality is a myth.
Jetzt kommt der Außenminister von Togo um die Ecke, und der SPIEGEL berichtet: Korrektur gefordert – Warum Togo die Weltkarte ändern lassen will
Wie bringt man ein kugelförmiges Gebilde auf eine flache Unterlage? Dabei hilft die Mercator-Projektion, eine spezielle Kartenprojektion, bei der die Erde, ihre Kontinente und Ozeane auf 2D-Karten übertragen werden. Sie prägt bis heute unser Verständnis der Länder auf der Welt, obwohl sie aus dem 16. Jahrhundert stammt. Der afrikanische Staat Togo will die Uno nun auffordern, statt der Mercator-Projektion eine Weltkarte zu verwenden, die die tatsächliche Größe Afrikas genauer widerspiegelt.
»Die Größe des afrikanischen Kontinents, wie wir sie auf dem Globus sehen, ist geografisch ungenau«, sagte Togos Außenminister Robert Dussey zur Nachrichtenagentur Reuters. Er fordert von der Uno »wissenschaftliche Wahrheit«. Kritiker bemängeln schon länger, dass die Mercator-Projektion fehlerhaft sei, sie lasse etwa Grönland so groß wie Afrika erscheinen, obwohl der Kontinent in Wirklichkeit etwa 14-mal größer ist. Das verstärke die Wahrnehmung von Afrikas Marginalität trotz seiner enormen Größe und Bevölkerungszahl und präge Narrative in Medien, Bildung und Politik, so die Überzeugung.
„Wissenschaftliche Wahrheit“ will er haben.
Die wissenschaftliche Wahrheit ist, dass es gar keine Methode gibt, um eine Kugeloberfläche (die Erde ist ja nicht mal exakt eine Kugel, nur näherungsweise) auf eine Ebene zu projizieren. Jede Projektion hat Fehler, mal ist sie nicht winkel-, nicht geraden-, nicht größentreu. Wenn man eine korrekte Darstellung will, bleibt einem nichts anderes übrig, als sich einen Globus auf den Tisch zu stellen. Und genau so war das früher auch üblich.
Nur geht das natürlich in Zeiten von Bildschirmen und iPhones nicht mehr, weil die Leute die Gerechtigkeit immer auf das iPhone runterladen wollen. Deshalb frage ich solche Landkartenidioten immer gerne, warum sie keinen Globus besitzen, der die – einzig mögliche – Antwort auf ihre Forderung wäre. Was sie aber nicht einsehen, weil sie alles downloaden wollen, und geistig nur noch flach denken können.
Im Prinzip sind diese Leute damit „Flatearther“ – Leute, die im Prinzip behaupten, die Erde sei flach, indem sie glauben, dass man da wissenschaftlich korrekte planare Landkarten fertigen könne. All diese Landkartenritter haben nicht wirklich verstanden, dass die Erde eine Kugel ist – und was es heißt, eine Kugel zu sein. Mir konnte auch noch keiner sagen, warum er sich nicht einfach einen Globus kauft, und dann zufrieden ist. Im Chinaladen gibt es kleine Exemplare schon für ein, zwei Euro, und als Gummiball zum Knautschen oder aufblasbar für den Swimmingpool gibt es die auch.
Was also wollen die Leute?
Den Globus kennen sie nicht. Und dass man es für den Flachbildschirm nicht fordern kann, kapieren sie nicht.
Was ist dieser Robert Dussey für einer? Robert Dussey (* 4. Januar 1972 in Bangui, Zentralafrikanische Republik) ist ein togoischer Philosoph, Hochschullehrer und Politiker. Seit 2013 ist er Außenminister seines Landes.
Dussey schloss seine Schulausbildung mit dem Baccalauréat am Séminaire Saint Paul in Bangui ab und ging anschließend für theologische Studien in das Kloster der Gemeinschaft der Seligpreisungen in Brazzaville und in einen Franziskanerkonvent. Nach dem Erwerb von Diplomen in Literaturwissenschaft schloss er 1995 ein Studium der Philosophie mit der Licence (entspricht dem Bachelor) ab. Es folgte im Jahr darauf der Maîtrise (Master) in Philosophie und ein Jahr später das Diplôme d’études approfondies.
Theologie. Literaturwissenschaft. Philosophie.
Aber über Landkarten will er bestimmen. Hätte er mal Mathematik, Geographie oder Geodäsie studiert. Dann wüsste er, dass seine Forderung unerfüllbar ist.
Letztlich aber ist das eine Verblödung durch Digitalisierung, mit der der Glaube einhergeht, dass sich alles auf Computerbildschirmen darstellen ließe. Zu meiner Schulzeit hatten wir für solche Dinge noch einen Schulglobus (und damals waren die noch richtig teuer), und mein Vater legte von je her Wert darauf, dass ein ordentlicher Globus im Haus ist.
Am Globus meines Vaters habe ich damals auch etwas anderes beobachtet und ablesen können, den Lauf der Sonne. Mein Vater hatte ihn nämlich durch einen dummen Fehler versehentlich beschädigt. Er hatte ihn mal einige Monate (Sommer) auf der Fensterbank stehen. Bei diesem Globus war an dem Haltebügen, der einen Meridian darstellt, eine kleine, verschiebbare Plastiklupe angebracht. Und er hatte ihn mit dieser Lupe nach außen auf das Fensterbrett gestellt, und das auch noch ungefähr nach Süden. Was dazu führte, dass durch die Sonneneinstrahlung und die scharf gestellte Lupe die Sonne knackscharf den Globus (Plastik) verbrannte. Und weil die Sonne den Tag über von Ost nach West schwenkt, und sich das Jahr über die Laufbahn in Nord-Süd-Richtung ändert, war über den Sommer fast genau ein Rechteck (etwas trapezig) in den Globus gebrannt, bei dem man genau die einzelnen „Tageszeilen“ und im Prinzip das Wetter ablesen konnte, ob es an diesem Tag bewölkt oder sonnig war. Im Prinzip eine Sonnenuhr mit Aufzeichnung, quasi ein Wolkenschreiber.
Geht durch die Digitalisierung und die Darstellung von allem auf flachen Computerbildschirmen die Wahrnehmung fürs Dreidimensionale verloren?