Ansichten eines Informatikers

Wichtige Nachrichten!

Hadmut
15.4.2026 3:42

Ich suche seit Tagen nach wichtigen Nachrichten.

Ich finde keine mehr.

Lärm. Rauschen. Clickbait. Geschrei. Wer-meldet-zuerst-Wettbewerbe. KI-Fakes in enormen Mengen. Belanglosigkeiten. Empörungen. Beschimpfungen. Denkfehler. Emotionalien. Ulk- und Tiervideos. Alte Videos. Besserwissereien. Misslungen Kochrezepte. Leute, die sich über misslungene Kochrezepte lustig machen. Ein paar Meldungen zu Angeboten aus dem Fotobereich. Wüste Meinungen zu Ungarn, dafür und dagegen. Männerbeschimpfungen. Noch immer sind Männer an allem schuld. Ach ja, und Männer sind das Demokratieproblem. Nur Frauen sind demokratisch. Wir werden alle sterben. Trump ist orange.

Und so weiter und so fort.

Ich finde nichts mehr, was wichtig, was relevant wäre.

Ich glaube, ich hatte neulich schon mal etwas dazu geschrieben. Hatte ich nicht geschrieben, dass ich mir inzwischen bei der Nachrichtelage vorkomme, als würde ich mit einem Stock und in Gummistiefeln durch eine Mülldeponie waten und nach Verwertbarem suchen?

Selbst die Tagesschau bringt in ihren 15 Minuten einen 5-Minuten-Trailer zu einer belanglosen Sendung am späten Abend. Die wissen nicht mehr, wie sie ihre 15 Minuten vollbekommen sollen.

Online-Zeitungen bringen den Reservekram, der keinen oder keinen engen Zeitbezug hat, und den sie als Füllmaterial horten, wenn die Nachrichtenlage zu dünn ist.

Die Social Media sind voll von KI-Fake-News und leeren Provokationen.

Leute pöbeln einen an, um einen in Diskussionen zu verstricken.

Nur Seilschaften sind noch freundlich zueinander, ansonsten gilt jeder gegen jeden.

Talkshows fallen auch keine wichtigen Themen mehr ein.

Gibt es keine wichtigen Nachrichten mehr?

Werden sie nicht mehr gemeldet?

Oder findet man sie nicht mehr in all dem Müll?

Oder werde ich alt? Werde ich nachrichtentaub? Medientaub?

Ist das vielleicht einfach so, wenn man das zu lange macht?

Ich kann mich noch erinnern, was meine allererste Musik-CD war, die ich gekauft habe. Weil sie neu war. Seither habe ich lange Zeit viele Musik-CDs gekauft, aber könnte mich spontan jetzt an kaum eine erinnern. Weil die erste CD noch ein Ereignis war, das Gehirn sich aber Wiederholungen dann nicht mehr merkt. Könnte es also sein, dass man nur eine gewisse Zahl von Nachrichten aufnehmen kann, weil irgendwann das Hirn voll ist und sie nicht mehr als Nachrichten wahrnimmt?

Ähnlich wie mit dem Zeitgefühl? Ist man an einem neuen Ort, im Urlaub, erlebt man die Zeit viel gedehnter, hat ein Zeitgefühl. Betreibt man aber die tägliche Routine, verliert man die Zeit. Dann sind Monate, Jahre weg, ohne dass man sich erinnern könnte, wo sie hin sind. Geht einem das mit Nachrichten genauso?

Oder leben wir einfach in einer Zeit der Informationsvermüllung, der Nachrichteninflation? Geht es uns mit den Nachrichten gerade so wie damals mit der großen Geldentwertung, als man plötzlich Milliarden-Mark-Scheine brauchte, um noch bezahlen zu können?

Ist es vielleicht einfach nur eine Eskalationsspirale eines Überangebots?

Ich weiß es nicht … noch nicht. Aber ich denke darüber nach.