Ansichten eines Informatikers

Ein gegoogleter Widerspruch zu Mecklenburg-Vorpommern

Hadmut
11.4.2026 20:18

Eine liebe Leserin schreibt mir:

Artikel über MV

Sehr geehrter Herr Danisch,

auch wenn ich ihre Artikel sehr gern verfolge und ihrem großen Sachverstand Respekt zolle, aber in dem Artikel über MV hätte ein wenig Recherche die Aussagen ihres Gewährsmannes ad absurdum geführt.

Im Anhang ein Screenshot von Google.

Hochachtungsvoll
s.O.

Das war nicht „mein“ Gewährsmann, das war ein Zitat von Fleischhauer aus dem FOCUS.

Diese bunten Kästen, die ich manchmal um Texte mache, das sind Zitatkästen (in HTML: <blockquote>), und die bedeuten, dass das nicht von mir stammt, sondern jemand anderes das gesagt hat.

Was mich daran jetzt aber auch ein bisschen stört, ist diese Google- und KI-Gläubigkeit. Wenn es die Presse schreibt, ist es falsch (gut, die Annahme ist gerechtfertigt), aber was Google oder die KI sagen, ist immer richtig. Ich habe in letzter Zeit von KI, und seit die KI Einzug in Suchmaschinen hält, auch von Suchmaschinen enorm viele falsche Antworten bekommen, oft auch Urteilsaktenzeichen, die es nicht gibt, oder Quellenangaben zu Aussagen, in denen die Aussage nicht steht, weshalb ich das immer etwas gefährlich finde, eine Google-Antwort als Beweis oder gar Gegenbeweis anzuführen, noch dazu, wenn es eine von der Google-KI selbst formulierte Antwort ist.

Bekanntlich haben wir seit 2024 eine erhebliche „Deindustrialisierung“ und eine Pleitewelle. Medien berichten von sinkenden Beschäftigtenzahlen.

Zwar ist das immer noch weit von der Zahl entfernt, mit der Fleischhauer seinen Gewährsmann zitierte, aber Fleischhauer hat das ja auch nicht als absolute Zahl angegeben, sondern als den subjektiven Eindruck, den jemand hatte. Und nur, weil MV im Landesdurchschnitt noch mehr Beschäftigte hat, heißt das noch lange nicht, dass das überall gleichmäßig so ist. Das kann auf dem Land ganz anders aussehen, zumal MV dünn besiedelt ist. Und die Aussage bezog sich auch nur auf einen bestimmten Altersbereich – 30 bis 60, unterhalb der Boomer. Die müsste man auch erst einmal rausrechnen.

So sagt beispielsweise das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung:

Zu den Regionen, in denen diese Lebensbedingungen sich als ungünstig erweisen und deutlich vom Durchschnitt abweichen, gehören viele Regionen in Sachsen-Anhalt, im östlichen Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg abseits des Einzugsbereichs von Berlin. Hinzu kommen einige wenige Regionen in Sachsen und Thüringen sowie Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Das ist nämlich der Punkt: Viele der Beschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern sind Pendler und arbeiten in Berlin, Hamburg oder Brandenburg. Im östlichen Teil des Bundeslandes ist wenig los.

Deshalb ist die von Fleischhauer zitierte Aussage sicherlich quantitativ, zahlenmäßig übertrieben, aber in ihrer qualitativen Wertung östlicher Landstriche von MV vermutlich doch näher an der Wahrheit als so eine Google-Statistik-Antwort. Die Statistik von Google sagt nämlich nichts darüber, in welchem Bundesland die Leute beschäftigt sind.

Und sie sagt auch nichts darüber, ob Mecklenburg-Vorpommern wirtschaftlich einen Überschuss erwirtschaftet, oder auf Gaben anderer Länder angewiesen ist.

Sie sagt auch nichts darüber aus, ob die Leute, die nicht „im öffentlichen Dienst“ sind, trotzdem vom Staat bezahlt werden, etwa als Auftragnehmer der öffentlichen Hand.

Und sie sagt nichts darüber aus, ob die Leute gut verdienen, oder nur halbtags zum Mickriglohn arbeiten.

Insofern wäre es interessant gewesen, wenn die Leserin den von Google angegebenen Link zu moz.de gesandt hätte. Der ist aber aus einem Screenshot nicht mehr herauszulesen.

Außerdem sollte man sich immer in Erinnerung rufen, dass diese KI-Systeme immer das antworten, wonach man fragt, und einem das erzählen, was man hören will. Frage ich nämlich die Google-KI nach „Verhältnis von öffentlichem Dienst zu Privatwirtschaft bei Beschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern“ bekomme ich diese Antwort, die die Aussage von Fleischhauer durchaus stützt:

Und die kleinen und mittleren Unternehmen gehen bekanntlich gerade reihenweise den Bach runter.