Ansichten eines Informatikers

Was passiert gerade?

Hadmut
10.4.2026 20:35

Ich habe da ein ganz ungutes Gefühl.

Ich habe seit Tagen, eigentlich seit Wochen, aber zunehmend, das Gefühl, dass gerade einfach gar nichts stimmt. Als ob irgendwie alles faul wäre und wir ständig in die falsche Richtung schauen.

Ich hatte das schon angesprochen, dass ich auf Twitter plötzlich spanische Tweets mit guter Musik bekomme. Aber irgendwie keine Nachrichten mehr.

Leser beklagen, dass sie mir folgen, mich aber in der Timeline nicht mehr sehen.

Wenn ich versuche, in den Nachrichten, auf den Pressewebseiten, in den Social Media Nachrichten zu lesen, bekomme ich eigentlich nur noch irrelevanten Quatsch zu sehen.

Mir ist heute etwas zum ersten Mal in 20 Jahren Bloggen passiert: Ich wollte schreiben und mir ist nichts eingefallen, worüber. Dieses Gefühl kenne ich eigentlich gar nicht, das ist mir noch nie passiert. Aber als ich so drüber nachdachte, kam ich mir wieder und noch viel stärker vor, als würde mich jemand systematisch von der Nachrichtenlage abschneiden. Ich weiß zwar nicht, ob ich das jetzt gut oder schlecht finden soll, aber ich habe außerdem den starken Eindruck, dass das nicht nur mir so geht, sondern allen anderen auch, sonst würden nicht so viele Leute gerade so viel belanglose Mist schreiben. Selbst die großen Medien haben gerade solche Reservethemen ohne Zeitbezug, die man aus der Vorratskiste holt, wenn einem gerade nichts einfällt.

Passiert gerade nichts? Kann ja eigentlich nicht sein.

Oder sind wir irgendwie vorgangs- und nachrichtenerschöpft? Werden wir taub, weil wir eine immer stärkere Erregungs, eine Eskalationsspirale brauchen, in der jede Nachricht derber als die letzte sein muss, aber gerade nichts mehr nach oben geht?

Oder haben wir die Schnauze voll nach all dem Quatsch mit den Deep-Fake-Pornos?

Liegt es vielleicht an der Flut der KI- und Fake-News?

Ich hatte erwähnt, dass ich den Eindruck habe, dass man auf Twitter/X mit belanglosen Pseudonews ersäuft wird. Musik, blöde Witzchen, endlos viele KI-Videos, Geblubber. Die Zahl der Tweets, die wirklich relevante Information enthalten, liegt längst im unteren einstelligen Prozentbereich, und das auch nur noch mit Glück.

Ich hatte neulich schon geschrieben, dass ich medientaub werde. Ein paar Leser bestätigten, dass es ihnen ähnlich gehe.

Es fühlt sich so an, als stürze unsere Informationsgesellschaft gerade in sich zu sammen. Als hätte die Informationsflut überdreht, wäre zu sehr vermüllt, und jetzt ist die Wahrnehmung weg.

Ich schreibe in solchen Fällen gerne, woran mich das erinnert. Auch das erinnert mich an etwas, aber nichts Gutes. Ich habe mal irgendwo gehört, gelesen oder gesehen, wo, das weiß ich nicht mehr, dass es ein bekanntes Phänomen sei, dass bei Gerichtsmedizinern, die jahrelang faulende und verwesende Leichen untersuchen mussten, irgendwann der Geruchssinn aufgibt und sie gar nichts mehr riechen können, weil das anders nicht mehr auszuhalten ist. Um ihre Arbeit weiter machen zu können. Es heißt ja, dass Leute, die Traumatisches erlebt haben, zu einer Abspaltung der Persönlichkeit kommen können, zu multiplen Persönlichkeiten, um ohne das Trauma leben zu können, als würden sie alles Üble, was sie erlebt haben, in einer Art „bad bank“-Persönlichkeit auslagern. Jekyll and Hyde. Könnte das bei Gerichtsmedizinern so etwas ähnliches sein, dass sich da eben nur der Geruchssinn abspaltet, um die Hauptpersönlichkeit vom Geruch zu befreien?

Kann man medien- und politiktaub werden, damit man sich den Mist künftig erspart wie den Geruch einer faulenden oder verwesenden Leiche auf dem Tisch?

Oder steckt etwas ganz anderes dahinter, ist das kein subjektiver, sondern ein objektiver Befund, und wird von jemandem im Hintergrund absichtlich betrieben, um das Volk mit Belanglosigkeiten zu berieseln und dumm zu halten? Schließlich geht es nicht nur mir so, andere haben den Eindruck bestätigt.

Ist das kein Zufall?

Ist das eine neue Kampagne? Eine neue Methode?

Vor ein paar Tagen fragte irgendwer auf Twitter, ob schon jemand aufgefallen sei, dass nirgends in den Medien noch die Rede davon sei, dass die AfD „gesichert rechtsextrem“ sei. Als hätte man den früheren Dauerbegriff völlig aus den Medien gewischt. Ja, durchaus.

Könnte es aber sein, dass da gerade weit mehr stattfindet, als nur die AfD nicht mehr „gesichert rechtsextrem“ zu nennen? Dass da gerade ein Strategiewechsel stattfindet, und man jetzt einfach alles, was irgendwie wichtig wäre, aus der öffentlichen Diskussion heraushält?