Die dummen 60%
Warum wir am Ende sind.
„Wir mussten ein ganzes Buch lesen!!!“, beschwert sich der Student https://t.co/kXKxusOBld pic.twitter.com/6p62PornKh
— WELT (@welt) April 8, 2026
Ein Professor für Alte Geschichte, Michael Sommer, beschreibt die Verblödung der Studenten.
- Es gebe die oberen 20% Überflieger, die das alles können und kapieren und gut sind, die es schon immer gegeben habe.
Talente und Begabungen verteilen sich in den Hochschulen, wie überall, entlang einer Gauß‘schen Glockenkurve. Rund 20 Prozent bilden die Spitze. Sie kommen an die Universität, finden sich spielend zurecht und bewältigen ohne Schwierigkeiten alle Aufgaben, die man ihnen stellt.
[…]
Kurz: Nach wenigen Semestern zeigt sich, dass die 20-Prozent-Elite dazu befähigt ist, die Wissenschaft in die nächste Generation weiterzugeben. Viele von ihnen werden an der Universität Karriere machen.
- Es gebe die unteren 20% derer, die nichts können und an der Universität völlig falsch sind, und die niemals das Abitur hätten bekommen dürfen. Der Diskussion nicht wert.
Der Spitzengruppe, die in jedem System reüssieren würde, entsprechen spiegelbildlich rund 20 Prozent, die so schwach sind, dass man sich fragt, wie sie überhaupt zum Abitur zugelassen werden konnten. Sie haben an keiner Hochschule etwas zu suchen und verschwinden meist auch rasch auf Nimmerwiedersehen. Die Schlussgruppe der Gauß‘schen Kurve stört eigentlich niemanden. Allenfalls ruiniert sie ehrgeizigen Hochschulleitungen die Statistik.
- Aber die 60% dazwischen, die „Mitte“, die verblöde. Früher seien die zwar nicht herausragend, aber fähig gewesen, hätten das gekonnt, was man von ihnen erwartet habe. Und heute eben nicht mehr.
Das Problem ist die Mitte der 60 Prozent. Auch sie gab es schon immer. Allerdings ist sie jetzt eine gänzlich andere als vor zwanzig, dreißig Jahren. Damals war die Mitte grundsolide. Keine Überflieger, aber Leute, die man problemlos in sechs oder acht Jahren Studium dorthin bringen konnte, wo sie später in der Gesellschaft zu funktionieren hatten. Im Lehramt oder auch in anderen Rollen, in denen ein Geschichtsstudium irgendwie nützlich sein konnte.
[…]
Diese Mitte gab es, aber es gibt sie nicht mehr. Die neue Mitte ist eine andere. Es beginnt beim Elementaren. In Klausuren schreiben Studenten „warnehmen“ und „erklähren“. Du kriegst die Kriese, denke ich mir beim Korrigieren. Sind denn alle Opfer von „Schreiben nach Gehör“? Die neue Mitte kapituliert vor mittelschweren Texten. Schon so mancher hier veröffentlichte Artikel würde ihre Aufmerksamkeitsspanne überfordern. Dass sie den Zugang zu ideengeschichtlicher oder wissenschaftlicher Literatur finden, ist von diesen Studenten nicht zu erwarten. „Wir mussten ein ganzes Buch lesen“, drei Ausrufezeichen, hat vor drei Semestern ein Namenloser empört in die Kommentarspalte zu meiner Vorlesung geschrieben. Es handelte sich, wohlgemerkt, um eine Einführung ins Studium der Alten Geschichte auf Oberstufenniveau.
Wer wenig oder nicht liest, dessen Sprache verarmt – oder besser: Dessen Sprache ist ein Armutszeugnis, denn sie war ja nie reich. Allerweltswörter wie „allenthalben“ oder „ehedem“ kennen von zwanzig Studenten in einem Seminar vielleicht drei. Dafür kommt ihnen der gendersensible Glottisschlag unfallfrei über die Lippen. Die Sprache von Hausarbeiten ist normalerweise hölzern, bürokratisch, unidiomatisch. Eigentlich wünscht man sich, die Verfasser würden sich bei Gemini oder ChatGPT Hilfe holen. Dafür bräuchte es aber erst einmal das Bewusstsein, dass man sprachlich defizitär unterwegs ist.
Wohlgemerkt: Wir sprechen hier nicht über die 20 Prozent Schwächsten, sondern über die neue Mitte. Weil Texte sie überfordern, drückt sie sich um Lektürearbeit, wo immer möglich. Texte werden selbst dann nicht gelesen, wenn sie auf der unieigenen Online-Plattform zum Download angeboten werden. Wenn im Seminar der peinliche Moment kommt, wird die aus dem Nichtlesen erwachsende Ahnungslosigkeit mit einem Achselzucken quittiert. Drei, vier Fleißige tragen die Diskussion, der Rest schweigt. Beschämt? Oder nur gleichgültig?
Natürlich gibt es nicht nur die neue Mitte. Es gibt auch die starken, ehrgeizigen, leistungsbereiten Studenten. Und sie tun mir leid, denn diese jungen Leute werden an der Universität um das betrogen, was ein geisteswissenschaftliches Studium verspricht: Ausbildung kritischen Denkens, komplexer Analysefähigkeit und kultureller Kompetenz. Diese Studenten werden an geisteswissenschaftlichen Fakultäten systematisch unterfordert, weil die breite Masse völlig überfordert ist.
Und warum ist das so? Weil in der deutschen Bildungslandschaft flächendeckend eine Kultur der Leistungsaversion herrscht. Weil Underperformer als Vorbilder und Gewissenhafte als Streber gelten. Weil wir uns abgewöhnt haben, Nichtleistung als solche zu benennen und mit der Note „ungenügend“ zu sanktionieren. Wenn wir in der Leistungsfrage keine 180-Grad-Wende hinbekommen, taumelt die Bildungsrepublik in eine Abwärtsspirale, aus der es kein Entrinnen mehr gibt.
Die Politik von SPD, Grünen und Merkel eben. Marxismus, Gleichheit und nur auf dem untersten Niveau können wir gleich sein.
Ich kann die Beobachtungen des Professors aus der IT-Industrie bestätigen. Das wird immer mehr zum Kindergarten.
Alles wird auf dumm getrimmt, alles dummengängig gemacht, und die, die noch etwas können, sind die Gelackmeierten, oder wie man sagt „die Dummen“, weil sie darin verbrennen. Wir haben eine dominante Mehrheit der Dummen. Deshalb beschreibe ich ja auch, dass die Demokratie am Ende ist, weil jede Demokratie zerfällt, wenn die, die auf Kosten anderer leben, eine absolute, relative oder auch nur effektive Mehrheit erreichen.
Und ein zentraler Hebel, mit dem man das durchgesetzt hat, war die Frauenquote. Nicht durch Frauen an sich, aber durch den Trick, die Frauenquote höher anzusetzen als die Zahl verfügbarer fähiger Frauen musste man die Anforderungen nicht nur bis auf Null senken, sondern sogar ins Negative – Dumme bevorzugt. Denkt nur an die Forderung, die Informatik zu „enttechnisieren“, und Sozialthemen reinzubringen, um sie frauengängig zu machen.
Widerspruch
In einem Punkt muss ich diesem Professor aber entschieden widersprechen.
Er tut nämlich so, als sei das ein Phänomen der Studenten, während „die Universitäten“ noch immer Hort der Bildung und Wissenschaft seien.
Ich habe das schon vor 30 Jahren erlebt und beschrieben, dass ganze Fakultäten der Informatik – darunter die angeblich beste deutsche Fakultät in Karlsruhe – mit Untermittelmäßigen aus dem unteren Bereich dieser 60% besetzt und dann per Frauenförderung mit Leuten aus den unteren 20% geflutet wurden.
Die Verblödung findet nicht, wie der Professor das beschreibt, von unten her statt.
Die Verblödung fand, jedenfalls in Informatik, von oben her statt. Im Gegensatz zur Geschichte war die Informatik ein neues Fach, bei dem man das Henne-Ei-Problem hatte: Woher Informatikprofessoren nehmen, als es noch keine Informatiker gab? Nahezu alle Professoren der Informatik in Karlsruhe und anderswo waren im Prinzip nur die Versager anderer Fächer, die in ihrem Fach keine Posten bekommen haben und schnell genug darin waren, mit IT-Begriffen um sich zu werfen. Was zu dem Effekt führte, den ich in den 80er und 90er Jahren erlebt habe, nämlich dass die Studenten und die Mitarbeiter in Informatik weit besser waren als die Professoren. Und so, wie sich der Professor mit dummen Studenten konfrontiert fühlt, fühlten wir uns mit unfähigen Professoren konfrontiert.
Und ebenso, wie der Professor hier eine Aversion gegenüber Bildung diagnostiziert, haben wir damals eine Aversion der Professoren gegenüber Leuten beobachtet, die Ahnung von Informatik haben.
Und das war dann auch ein wesentlicher Grund dafür, warum die Informatik so bereitwillig Frauenquote und Frauenförderung übernommen haben: Man hatte eine legitime Quelle und einen Vorwand, um hinreichend unfähige und dumme Leute auf Professuren zu setzen, gegenüber denen man selbst gut und nicht dumm aussieht. Man hat damit vermeiden können, fähige Konkurrenten zu bekommen, gegenüber denen man schlecht dasteht.
Ich bin nicht der Einzige, der das so sieht.
Ein zentrales Problem an den Universitäten ist, dass die Fakultäten ihre Professoren selbst aussuchen. Und der Drang, selbst gut dazustehen und Konkurrenz zu vermeiden, ist weit stärker, als die Fakultät an sich voranzubringen, weshalb es zu einer Abwärtsspirale der Qualität kam.
Und da merkt man dann auch etwas, dass der Professor gut in alter Geschichte ist, aber nicht in neuerer. Dann nämlich würde er merken, dass die Verblödung kein Betriebsunfall, kein Versehen, keine unerwünschte Entwicklung ist, sondern dass das, was er da beobachtet, eben der Marxismus, die Frankfurter Schule, die 68er sind.
Die Ideologie, dass alle gleich seien und keine Anforderungen so sein darf (Gender Studies: „Quality is a myth“), dass sie irgendwen, nicht mal die dümmste Nuss, diskriminiere oder benachteilige, erzwingt diese Verblödung, denn Gleichheit findet immer auf dem untersten gemeinsamen Niveau statt.
Es nutzt uns jetzt nur nichts mehr, das zu erkennen. Das ist 30 Jahre zu spät.
Aus der Nummer kommen wir nicht mehr raus. Und es hilft uns auch nichts, es aufzuschreiben, denn es wird ja bald keiner mehr lesen können.