Mehr zu Polonium 210
Weitere Leserzuschriften.
Hadmut,
zum Artikel über Polonium-210:
Die Annahme, dass man die Aktivität eines Alpha-Strahlers durch eine hinreichend dicke Schicht nicht mehr ohne weiteres messen kann weil der überwiegende Teil der Strahlung absorbiert wurde, ist soweit erstmal korrekt.
Wie nachfolgend im Teil über die Halbwertszeit spielt allerdings dabei eine Differentialgleichung erster Ordnung die Hauptrolle. Die Abschwächung der Aktivität entlang der Normalen eines Materials konstanter Dichte ist proportional zur Massenbelegung, zum spezifischen Absorptionskoeffizienten (Wechselwirkungsquerschnitt, abhängig von der Energie der Strahlung) und der infinitesimalen Schichtdicke. Das ergibt eine homogene Differentialgleichung erster Ordnung, und die Lösung einer derartigen Differentialgleichung ist zwangsläufig ein Exponentialgesetz (mit der Raumkoordinate entlang der Normalen als unabhängiger Variable). Strahlung wird exponentiell mit der Schichtdicke abgeschwächt. Bei einer ausreichend hohen spezifischen Aktivität tritt aber immer noch messbare Strahlung aus.
Entsprechend zur Halbwertszeit – das exponentielle Zeitgesetz ergibt sich aus der (konstanten) Zerfallswahrscheinlichkeit der 210Po – Kerne. Um eine Abweichung vom exponentiellen Zeitgesetz zu anzunehmen, müsste man die Konstanz der Zerfallsrate aufgeben (etwa Zerfall kleiner Mengen schneller). Dazu gibt es nach allen tatsächlichen Beobachtungen keinen Grund. Damit bleibt es beim strikt exponentiellen Zerfall.
Die Regel ‘nach 10 Halbwertszeiten ist alles weg’ findet ausschliesslich im praktischen Strahlenschutz Verwendung, wo man von vornherein nur von verschwindend geringen Aktivitäten ausgeht, die dann nach Zerfall auf 1/1000 nur noch selten zu messen sind (bzw. auf das Niveau der natürlichen Hintergrundstrahlung abgeklungen sind). Bei hoher Ausgansgsaktivität muss man leider mehr als 10 Halbwertszeiten warten, bis die Restaktivität nicht mehr vom Hintergrund zu unterscheiden ist.
Polonium 210 produziert Wärme, wegen seiner Radioaktivität, Und zwar ziemlich viel, 140 Watt pro Gramm Polonium.
Das reicht, um Polonium so weit zu erhitzen, dass es flüssig wird.
Schon 50 g Polonium produzieren 7000 Watt.
Das trägt man nicht in einer Plastikflasche herum.
— Martin Ahlemeyer (@Huck_Fi) April 6, 2026
Das ist ein Aprilscherz gewesen, und zwar ein teurer, denn sollten die den Urheber finden, dann muß der den Einsatz bezahlen…
Irgendwo wies noch jemand darauf hin, dass die Weltjahresproduktion an Polonium 210 nur 75g betrage. Laut Wikipedia beträgt die Weltjahresproduktion 100g – also so viel, wie angeblich in dieser Flasche gewesen sein soll – was aber eine Information aus dem Jahr 2006 ist. Das könnte heute anders aussehen.