Eingebildete Deep-Fakes?
Noch ein Detail.
Ein Leser weist darauf hin, dass die ganze Deep-Fake-Nummer ein totaler Schwindel sein könnte. Im besagten SPIEGEL-Artikel heißt es nämlich
Im Dezember 2024, wenige Tage nach seiner mutmaßlichen Beichte, war Ulmen offenbar auf der Suche nach rechtlichem Rat. In einer E-Mail an einen Berliner Strafverteidiger, die der SPIEGEL einsehen konnte, schilderte er den »höchstvertraulichen Sachverhalt«.
Er habe, schrieb er, in den vergangenen zehn Jahren »leider einen sexuellen Fetisch« entwickelt: Immer wieder habe er auf den Namen seiner Frau Fakeprofile auf sozialen Medien angemeldet, über die Accounts habe er mit Männern gechattet, geflirtet, »bis hin zum Sex-Talk«.
Er habe den Gesprächspartnern Videos geschickt, die auf frei zugänglichen Pornoseiten erhältlich gewesen seien und deren Protagonistinnen seiner Frau ähnlich gesehen hätten. Man muss das wohl so verstehen, dass er solche Videos aber nicht selbst erstellt habe.
Ulmen erklärte in der E-Mail an den Anwalt, es sei ihm darum gegangen, den Eindruck zu erwecken, als handele es sich bei dem Material um »private Sextapes« von Fernandes. Ungefähr 30-mal habe er »diesen Vorgang« wiederholt, »mit jeweils unterschiedlichen Männern«.
Es ist bemerkenswert, wie einsichtig sich Ulmen in der E-Mail gibt. Er schreibt von einem »kaum zu kontrollierenden Drang« bei sich, von »abnormalem Verhalten«. Er bereue, was er getan habe.
Abgesehen von der Frage, wie der SPIEGEL an Mails gekommen sein will, die Ulmen „höchstvertraulich“ mit einem Strafverteidiger ausgetauscht habe:
Demnach gibt es womöglich gar keine Deep-Fakes, zumindest keine, die Ulmen selbst erstellt habe.
Demnach hat der sich von Pornoseiten Pornos von Darstellerinnen gesucht, die seiner Frau ähnlich sahen. Was ja bei deren Latina-Look nicht allzu schwer zu finden sein dürfte. Vielleicht war es auch wirklich Deep-Fake-Pornos, die aber längst in Umlauf und von anderen Leuten erstellt worden waren?
Was machen die eigentlich, wenn es am Ende gar keine Deep-Fake-Pornos gibt?
Jedenfalls dürfte sich die Frage stellen, wie schwer dann – falls es denn überhaupt so war – wiegt, dass Ulmen solche Videos an 30 Männer weitergegeben hat, während sie auf den Pornoplattformen ohne sein Zutun vielleicht 30 Millionen Leute gesehen haben.
Selbst wenn das alles so stimmte, würde das die Sache strafrechtlich ungemein schrumpfen lassen.