Ansichten eines Informatikers

Natürliche Intelligenz aus der Petrischale

Hadmut
13.3.2026 18:01

Aktuelles vom Gehirn

Laut FOCUS behaupten australische Wissenschaftler, sie hätte es geschafft, menschliche Gehirnzellen in der Petrischale (bzw. einem Behälter) so weit zu züchten, dass sie a) ihre Umgebung wahrnehmen und b) DOOM spielen können.

Es wirkt wie eine Szene aus einem düsterem Science-Fiction-Film. Eine Petrischale mit menschlichen Zellen ist an einen Bildschirm angeschlossen. Auf diesem Bildschirm läuft der Videospiel-Klassiker “Doom”. Doch ein Spieler ist nicht zu sehen. Denn: Es sind die Zellen in der Petri-Schale, die selbst das Spiel spielen. Die Zellen treffen Entscheidungen, bewegen die Spielfigur und schießen auf Gegner.

Forschende des australischen Startups Cortical Labs haben 200.000 lebende menschliche Neuronen auf einem Mikrochip trainiert, den Ego-Shooter Doom zu spielen. Im Jahr 2021 zeigten Forscher erstmals, wie ein Chip mit über 800.000 lebenden menschlichen Nervenzellen das simple Ballspiel Pong steuern konnte. Ein erstes kleines Wunder der Wissenschaft. Damals brauchte das System viele Zellen und längeres Training. Neu ist: Mit nur einem Viertel der Neuronen und in nur einer Woche schaffte ein unabhängiger Programmierer namens Sean Cole etwas viel Komplexeres, nämlich den Action-Shooter Doom zu spielen. Der Trick? Eine smarte Software-Schnittstelle in der Porgrammier-Sprache Python, die die Zellen blitzschnell mit dem Spiel verbindet – wie ein Übersetzer zwischen Gehirnzellen und Spiel. Das Spielbild wird in elektrische Impulse übersetzt, auf die die Neuronen mit Spikes (eigenen Signalen) reagieren; diese werden zu Steuerbefehlen wie “feuern” oder “drehen” umgewandelt. Die Leistung der Zellen ist noch nicht ausgereift, denn Sie entspricht einem Gaming-Anfänger. Aber es ist ja auch nur der Anfang.

Ich glaube, dass sich das Gehirn von Säuglingen ähnlich entwickelt.

Auch wenn noch nicht klar ist, ob das praktisch etwas bringt (oder überhaupt wahr ist, das könnte ja auch mal wieder Schwindel sein), hilft so etwas sicherlich dabei, endlich mal auseinanderzuklamüsern, was angeboren und was erlernt ist.

Wobei ich natürlich ein spezifisches Problem sehe: In der Petrischale gezüchtete Zellen sind möglicherweise nicht strukturiert. Das könnte sein, dass das einfach nur eine homogene Pampe aus Nervenzellen ist, die nur die Eigenschaften von Nervenzellen als solche, aber nicht die Struktur des Gehirns zeigt. Wie der Unterschied zwischen Gummimasse und einem Autoreifen. Vermutlich fehlen da der genetisch gesteuerte Wachstumsprozess des Fötus und die weitere Entwicklung bis ins Erwachsenenalter, denn die Kultur wird wohl kein Groß- und Stammhirn, keinen Cortex und keine Amygdala usw. ausbilden. Aber vielleicht kommt das noch.

Allerdings kommen wir dann auch schon an Science Fiction Filme wie Matrix. Denn wenn da eine Schale aus Nervenzellen ist, die an Doom angeschlossen ist und dann Doom spielt – woher weiß man eigentlich, ob die Nervenzellen „spielen“ oder „leben“? Ob also die Welt im Ballerspiel von den Zellen für die Realität gehalten wird, in der sie leben, weil sie ja nichts anderes kennen? Falls die überhaupt bis zu der Frage nach Spiel und Realität kommen?

Es könnte durchaus sein, dass diese Nervenzellen dann einfach gar nichts anderes kennen als ballern zu gehen – wie auch immer sie das interpretieren, denn Schmerz und Tod werden sie nicht kennen – und gar nicht anders können, als in dieser Welt zu leben.

Ist das bei uns dann anders? Oder sind wir auch nur Petri-Schalen?

Vielleicht werden sie dann irgendwann ein komplettes Gehirn züchten, oder zumindest wesentliche Teile davon.

Erinnert mich an „Professor Simon Wright“ aus „Captain Future“, der nur aus einem Gehirn in einem fliegenden Apparat bestand.