Nikon gegen Sirui und Viltrox
Geht mir jetzt auf die Nüsse.
Mir fehlt leider die Zeit. Ich habe das Zeug, aber ich komme vor lauter Rechtskram nicht dazu, Fotografieren zu gehen. Obwohl ich mir das ja für dieses Jahr fest vorgenommen habe.
Wie schon oft im Blog erwähnt, hatte ich da mal einen Durchhänger, weil mir das Kamerangebot lange Zeit nicht zusagte, und ich sogar von Nikon einige Kameras hatte, die, man muss es leider sagen, nicht viel taugten und einem den Spaß verdarben. Das hat zwischendurch einfach keinen Spaß mehr gemacht.
Eines der Ärgerstücke war die D800, die ich mir so um 2013 für eine Australienreise gekauft hatte. Und unterwegs leider nur auf einem Mini-Notebook geprüft hatte. Eigentlich eine tolle Kamera. Erst später habe ich nämlich gemerkt, und das passiert wohl gar nicht so selten, dass ich winzige Ölflecke auf dem Sensor hatte, weil die Spiegelmechanik ab Werk zu stark geölt war, und bei den frühen Auslösern auf den Sensor spritzt. Ich hatte die Kamera vor der Abreise genau geprüft, war alles in Ordnung. Und dann auf allen Bildern ab dem dritten Tag Flecken, die man auf dem Kameramonitor oder dem kleinen Notebook, das ich dabei hatte, kaum sehen konnte. Könnte man entflecken, aber ich habe nie die Zeit gefunden, zumal die Software, die ich damals verwendet habe, das nicht konnte, gleichbleibende Muster auf allen Fotos zu entflecken. Da war ich sauer.
Ich hatte eine P7000 als Taschenkamera, die zwar lausig in Video war, aber verdammt gute Bilder gemacht hat. Irgendwann war die CMOS-Batterie in der Kamera leer. Die Kamera konnte sich nichts mehr merken. Weil die Batterie aber irgendwo ganz tief drinnen auf das Mainboard eingelötet war, kann man die nicht tauschen. Der Nikon-Service sagte, die einzige Methode, das zu reparieren, wäre ein neues Mainboard zu bestellen und zu tauschen. Das aber machen sie nicht, weil es teurer als eine neue Kamera ist. Also war die Kamera, egal wie gut sie war, nach ein paar Jahren einfach für den Müll.
Ich hatte eine Nikon-360°-Kamera, die nie richtig funktioniert hat.
Und ich hatte mir damals als Ersatz für die P7000, weil es das gerade im Sonderangebot gab, die Tauchkamera aus dem Nikon-1-System und dann noch einige Objektive und eine Nikon 1 J5 gekauft. Auch alles Mist. Hat alles nichts getaugt, alles nicht ausgereift, alles nur so geringwertig.
Ich war sauer auf Nikon. Und die hatten ihre Qualitätskrise.
Und dann kam das Z-System, und ich habe mir, weil ich eben alte Objektive habe, doch noch mal die Z50 gekauft, die es damals billig gab, und auf einmal haben die mir wieder richtig Spaß gemacht. Die hatte zwar auch noch ein paar kleine Macken, aber die hat die Z50II ausgebügelt. Und die Z6-Reihe ist auch gut.
Ich dachte dann, endlich bauen die wieder gute Kameras. Die wieder Spaß machen.
Dann hatte ich ein anderes Problem. Das Objektivangebot für Nikon-Z, besonders für den kleinen Sensor der Z50, war dürftig bis nicht existent. Was taugt die Kamera, wenn man keine Objektive bekommt?
Und dann passierte etwas Wunderbares.
Anfangs wenige, dann immer mehr asiatische, vor allem chinesische Firmen warfen in unfassbarem Tempo Objektive auf den Markt. Festbrennweiten. Lange Zeit ohne Elektronik und Autofokus, inzwischen auch mit. Einfache Objektive, manchmal eben nur mechanisch, nur Festbrennweiten, aber
- oft preisgünstig, oder sogar billig, manchmal spottbillig,
- mechanisch sehr stabil und wertig gemacht, je nach Hersteller oft sogar aus Metall, fühlt sich so nach Leica oder 50er Jahre an,
- oft verblüffend lichtstark
- und optisch zwar nicht so gut wie ein teures Markenobjektiv, aber oft (nicht immer) erstaunlich gut und tolles Preis-Leistungsverhältnis
- mit hemmungsloser Fülle an Brennweiten und Lichtstärken
Und auf einmal hat das Fotografieren wieder Spaß gemacht, nicht nur mir, haben sich die Leute darauf gestürzt. Fototechnik als Mischung des Stils der 1950er Jahre, gemischt mit moderner Elektronik. Und das zum – vergleichsweise – kleinen Preis. Hurra.
Firmen wie 7Artisans, TTArtisans, und inzwischen noch viele andere mehr kamen auf den Markt. Mir fallen die jetzt gar nicht mehr alle ein. Ursprünglich kannte ich nur Samyang (koreanisch?), die nur einfache, aber sehr gute und preisgünstige Fisheye-Objektive machten, aber auf einmal kam eine Flut von Objektiven.
Allen gemeinsam: Die waren neu gerechnet, und zwar für spiegellose Kameras (kleineres Auflagemaß als Spiegelreflexkameras). Die passen nicht an die alten Kameras, nur an die neuen.
Und: Viele der Objektive für den kleinen (APS-C-großen) Sensor gerechnet, weil sowohl Sony mit der 7000er Reihe, als auch Fuji viele Kameras mit diesen Sensoren im Angebot haben.
Und plötzlich waren die Nikon-Systeme, auch die mit kleinem Sensor, ganz toll. Vor allem die Retro-Kameras von Nikon im Stil alter Kameras mit mechanischen Einstellrädern gingen weg wie warme Semmeln, und die Chinesen lieferten ihre Objektive sogar farbig passend. Moderne, spiegellose Kameras, mit denen man die Annehmlichkeiten der Digitalfotografie wie Bildschirm und elektronischen Sucher hat, aber trotzdem fotografiert, wie 1960. Nämlich ganz einfach, mit direkten mechanischen Einstellrädern.
Wunderbar.
Und Nikon hat davon sehr profitiert. Denn nach ihrem auch wirtschaftlichen Durchhänger und der Digitalkamerakrise (alle fotografierten nur noch mit dem Handy, iPhone) ging es denen mit ihrem neuen System plötzlich wieder gut.
Und das lag auch daran, dass es so viele günstige Objektive aus China gab. Denn Nikon selbst konnte lange kein modernes Objektivprogramm liefern, das breit genug war, schon gar nicht für den kleinen Sensor – und das alles sehr teuer.
Man könnte das durchaus so sehen, dass die Chinesen Nikon den Arsch gerettet haben. Naja, es ist vielleicht übertrieben, aber Nikon hat das Z-System auch deshalb an den Markt bringen können, weil es mehr Objektive zu kaufen gab, als sie selbst angeboten haben. Anfangs hatten sie nämlich außer dem popeligen Kit-Objektiv (das allerdings auch schon sehr gut ist) gar nichts außer einem Adapter für alte Objektive.
Und jetzt, wo sie ihr System so richtig hochbekommen haben und mehr Objektive anbieten (auch, weil das alte Spiegelreflex-System mit F-Bajonett ausstirbt und viele Objektive abgekündigt sind), jetzt fangen sie plötzlich an, die Konkurrenz wegen Patentverletzung zu verklagen.
Viltrox stellt ziemlich gute und preisgünstige Objektive her, mit Autofokus, in verschiedenen Qualitäts- und Preisklassen. Darunter auch sehr günstige und vor allem leichte Reiseobjektive. Ich habe einige Viltrox und bin mit denen sehr zufrieden. Nicht so gut wie Nikon – aber deutlich billiger. Und in der Regel völlig ausreichend gut.
Jetzt verklagt Nikon angeblich Viltrox.
Und angeblich deshalb sollen in China alle Händler und Distributoren Sirui-Objektive mit Nikon-Bajonett aus dem Angebot genommen haben.
Was mich wiederum enorm ärgert. Denn Nikon hat weder ein so breites Angebot, noch irdische Preise. Die rufen Preise auf, da wird einem schwindlig.
Und schon vergeht einem wieder der Spaß.
Dabei gehört Nikon selbst nicht zu denen, die andere Patente so sorgsam respektieren.
Kennt Ihr den Hersteller von Filmkameras in Kinoqualität, RED?
Die waren gerade so ein bisschen abgetakelt und kamen gegen Arri, Canon und Sony nicht mehr an. Nikon hat sie aufgekauft.
Aber wisst Ihr, wie es dazu kam?
Nikon hatte angeblich irgendein Patent von RED verletzt. Also versuchte RED, sich wirtschaftlich zu retten, indem sie Nikon auf irgendeinen Monster-Schadensersatz wegen Patentverletzung verklagten. Die Anwälte von Nikon fanden angeblich heraus, dass die Klage begründet ist, sie deren Patente verletzt hatten und der Schadensersatzklage kaum zu entkommen war. Sie fanden dann aber heraus, dass RED selbst viel weniger wert war als deren Schadensersatzforderung, und dass es viel billiger war, RED einfach zu kaufen und damit selbst Eigentümer der verletzte Patente zu werden, als den Prozess zu verlieren. Also kauften sie RED, schon um nicht weiter verklagt zu werden. Und bauen nun bessere Kameras, weil sie damit noch mehr Patente bekommen haben, die sie nun nutzen können.
Es zeigt aber, dass Nikon es selbst nicht so genau mit den Patenten andere nimmt.
Und wenn Nikon jetzt so dumm ist, gegen Dritthersteller derart vorzugehen, dann schaden sie sich damit gewaltig selbst. Denn die waren eher Ergänzung als Konkurrenz und öffneten ihnen neue Kundenkreise.
Canon ist der größte Hersteller und wohl auch sehr übel in dieser Hinsicht, denn es gibt auffallend wenige Angebote von Drittherstellern mit Canon-Bajonett.
Weitaus besser sind da Sony und Fuji. Die haben zwar auch Patente auf ihre Bajonette, aber die dulden das angeblich, dass Dritthersteller Objektive anbieten, weshalb es die meisten dieser Objektive mit Sony- und Fuji-Bajonett gibt.
Das ist zwar wohl rechtswidrig – aber Sony und Fuji profitieren anscheinend mehr, als dass es ihnen schadet, weshalb sie das tolerieren. Und ein triftiger Grund, Sony oder Fuji zu kaufen, wenn Nikon das wirklich durchzieht. Obwohl ich Nikon-Kameras deutlich besser finde.
Zumindest, was Fotos angeht, halte ich Nikon-Kameras für deutlich besser als Sony. Aber wenn Sony Dritthersteller toleriert (oder, ich weiß es nicht genau, günstiger an ihre Patente lässt), dann spricht das für Sony statt für Nikon.