Ansichten eines Informatikers

Der Bitcoin-Glaube von der wundersamen Geldvermehrung

Hadmut
25.2.2026 11:44

Wie Perpetuum Mobile. Nur mit Geld.

Ich hatte gewagt, Bitcoins zu kritisieren. Ich sagte, Bitcoins können keine Wert produzieren, sondern nur vom Käufer auf den Verkäufer umverlagern. Jeder Gewinn, den man mit Bitcoins macht, ist das Geld, das jemand anderes dabei verloren hat. Dazu kommt, dass Bitcoins ja noch nicht einmal ein Nullsummenspiel sind, weil das Mining, der Betrieb, auch die Aufbewahrung ja enorme Hardware-, Strom- und sonstige Betriebskosten verursachen und auch darauf beruhen, dass Leute bereit sind, diese Blockchain weiter zu betreiben.

Und bekam Leserzuschriften dafür:

Nullsummenspiel? Wo ist mein Gewinner?

Hallo,

eine kurze Frage zu deinem Nullsummen-Argument:

Ich kaufe Bitcoin für 100€ und verkaufe später für 50€. Wer hat die anderen 50€ gewonnen?

Bei einem echten Nullsummenspiel müsste es ja einen Gewinner geben, der exakt meinen Verlust als Gewinn verbucht. Aber da ist niemand.

Das zeigt: Bitcoin ist kein Nullsummenspiel, sondern ein Markt mit schwankenden Bewertungen – wie Immobilien, Aktien oder Kunst auch.

Der Denkfehler liegt darin, Preisschwankungen mit Wertumverteilung zu verwechseln.

Eigentlich ist die Antwort ganz einfach: Er kauft Bitcoin für 100€ und verkauft sie später für 50€. Wer hat die anderen 50€ gewonnen? Na, der andere. Der hatte vorher jene Bitcoin, hat dafür 100€ bekommen, sie später für 50€ zurückgekauft. Heißt:

  • Der Leser hat genau so viele Bitcoin wie vorher, aber 50€ weniger in der Tasche.
  • Der Verkäufer hat genau so viele Bitcoin wie vorher, aber 50€ mehr in der Tasche.

Selbst wenn es nicht derselbe war, der ihm die erst verkauft und später wieder abgekauft hat, in der Bilanz ist es so. Und wenn man alle Bitcoins betrachtet und alle Personen, die daran teilgenommen haben, dann haben Leute ganz am Anfang für Bitcoins gar nichts oder Pfennige ausgegeben, und dafür Millionen, es ist auch die Rede von Milliarden, kassiert. Wo aber soll dieses Geld herkommen? Bitcoins produzieren nichts, sie zahlen keine Dividende, sie verursachen nur Kosten.

Das Gerede von einem Markt mit schwankenden Kosten und Preisschwankungen ist Unfug. Denn Immobilien und Aktien haben einen eigenen Wert, man will sie per se, materiell haben. Eine Immobilie kann ich bewohnen oder vermieten. Die hat ein konkreten Nutzen, und bringt von sich aus Einkünfte oder geldwerten Vorteil. Eine Immobilie besetzt man nicht, indem man sie auf der Festplatte speichert und hofft, dass irgendwann einer kommt und einem für Wertloses mehr Geld gibt als man selbst ausgegeben hat. Der Besitz einer Immobilie an sich ist ein Vorteil, der sich durch Wohn-/Nutzwerk oder Mieteinnahmen „auszahlt“. Und: Immobilien sind wertbeständig, weil man irgendwo wohnen muss. Bitcoins muss man nicht haben.

Ähnlich mit Aktien: Es gibt zwar auch Schrott-Aktien, aber die meisten Aktien sind Anteile an Firmen, die reale Substanz wie Know How, Kundenstamm, Mitarbeiter, Patente, Assets, Immobilien, Waren, einen Namen haben. Die Dividende zahlen und/oder selbst von Wert sind, etwa wenn eine andere Firma sie aufkaufen will. Mit einer Aktie hat man einen kleinen Anteil an einem realen Wert.

Man kann davon leben, Immobilien zu besitzen.

Man kann auch davon leben, Aktien zu besitzen.

Aber man kann nicht davon leben, Bitcoins zu besitzen. Sie verursachen nur Kosten. Erst wenn man sie verkauft, kann man – möglicherweise – Gewinn machen. Wenn man einen findet, der sie, warum auch immer, haben will.

Zum Bitcoin

Ich habe einem Bekannten Ihre Position zu Bitcoin geschrieben. Das war seine Antwort:

1. Schafft keine Werte: Gilt genauso für Gold; es geht um Wertspeicher.
2. Fehler: nicht jeder Bitcoin-Gewinn ist Geld, das jemand anderes verloren hat; Unsinn: solange die Zahl der Bitcoin-Anleger steigt (Nachfrage), steigt der Preis. Dabei verliert keiner.
3. Fehler: Bitcoin kann man auch verzinslich anlegen, oder beleihen und das geliehene Geld dann verzinslich anlegen.
4. Fälschungssicherheit, langfristiger Wertspeicher kosten im traditionellen Bankensystem Geld. Bei Bitcoin nicht. Es kommt aber zusätzlich die einfache Transportierbarkeit und Dezentralität dazu; der Staat kann die Blockchain nicht einfrieren wie die Bankkonten.

Danke Ihnen für Ihre Arbeit. Sie ist sehr wichtig.

Stimmt auch nicht.

Es gibt zwar Leute, die Gold als Wertspeicher verwenden, Gold ist aber eben nicht einfach nur ein Wertspeicher. Gold hat nämlich nicht nur einen fiktiven, zugeschriebenen Wert, Gold ist selbst ein Wert, weil es ein konkret existierendes Material, eine Substanz ist, die man dringend braucht: Nicht nur für Schmuck, sondern auch in der Technik. Allein schon die IT braucht ganz viel Gold. Die kaufen es nicht, um es teurer wieder zu verkaufen, sondern die brauchen es, um es zu verarbeiten. Mit Gold kann man tatsächlich etwas produzieren. Notfalls eine Goldkette, die ich mir um den Hals hänge. Oder Handys bauen. Oder irgendwas vergolden, damit es eine chemisch stabile Oberfläche bekommt. Objektive vergüten. Goldzähne machen. Ich bekomme für das Geld einen tatsächlich greifbaren Gegenstand mit eigenem Wert. Der Wert von Gold ist nicht davon abhängig, dass irgendwer per Konsens dafür Geld ausgeben will, Gold an sich wird gebraucht.

Bitcoins dagegen sind über den Verkauf hinaus völlig nutzlos. Kein Mensch kann mit einem Bitcoin selbst irgendetwas anfangen. Ich kann keine Goldzähne und keine Handys damit machen.

Im Ergebnis sind Bitcoins heiße Luft, ein Schneeballsystem: Alle Gewinne werden nur erzielt, indem man immer mehr Dumme findet, die daran mitspielen. Tatsächlich kann es aber nicht funktionieren, weil an keiner Stelle Geld verdient wird, aber laufende Kosten entstehen, die dem theoretischen Nullsummenspiel permanent Wert entziehen.

Anders gesagt: Die Summe der Werte aller Immobilien, Aktien, Goldbarren ist jeweils weit größer als Null, weil die einen eigenen Wert haben.

Die Summe der Werte aller Bitcoins über die Zeit ist theoretisch Null, weil alles Geld, das jemand dafür zahlt, sofort in jemand anderes Tasche landet, sofort entnommen wird. Wo soll bei Bitcoins ein Wertspeicher sein? Zur Bilanznull, oder besser gesagt, davon abgehend, kommen noch die laufenden Kosten. Wer Bitcoins kauft, zahlt damit also effektiv auch, dass weltweit teure Computer völlig nutzslos sehr viel Strom verbraten.

Nocheinmal anders gesagt:

Immobilien, Akten (=Firmenanteile), Gold haben per se einen Wert. Wenn ich sie kaufe, bin ich zwar das Geld los, haben aber sofort einen Gegenwert, ein Asset, das ich benutzen kann, das ich besitze. Ich kann es nicht nur verkaufen, ich kann es auch anderweitig nutzen, in dem ich drin wohne, es vermiete, Dividende beziehe, es mir (bei Firmen) einverleibe oder Schmuck draus mache. Der Werttausch findet schon mit dem Kauf statt.

Kaufe ich aber Bitcoins, ist mein Geld erst einmal weg und ich bekomme dafür etwas, was völlig nutzlos ist und nur Kosten verursacht. Es ist kein „Wertspeicher“, weil ich keinen Wert bekommen habe. Genaugenommen habe ich gar nichts für mein Geld bekommen, nur eben eine besondere Sorte von gar nichts, nämlich eine Art nur begrenzt verfügbaren Gar nichts.

Und dann sitze ich damit da und hoffe, dass irgendwann einer vorbei kommt und noch dümmer ist als ich selbst, und mir für mein „Gar nichts“ noch mehr Geld gibt als ich dafür ausgegeben habe.

Bitcoin ist ein Schneeballsystem. Alle Gewinne werden nur aus den Einzahlungen eines nachwachsenden Kundenstammes gezahlt, ohne dass etwas produziert wird.

Und damit hat es die Eigenschaften eines Schneeballsystems:

  • Man wird stinkreich, aber nur, wenn man früh genug eingestiegen ist, am Anfang der Dummenkette steht.
  • Irgendwann kommen nicht mehr genug Dumme nach, und dann fällt es zusammen bis zum Totalverlust.
  • Es reicht auch nicht, wenn die Zahl der Dummen konstant bleibt und die sich das im Kreis herum verkaufen, weil – wie gesagt – an keiner Stelle Wert produziert wird, aber durch die hohen laufenden Kosten permanent Wert entnommen wird.

Das hat so lange funktioniert, wie wir einen Wirtschaftsboom hatten und die Leute überschüssiges Geld hatten, weil man nach 2008 auch viel Liquidität in den Markt gepumpt hat, und genug Leute Geld in Bitcoin gossen, das Schneeballsystem also aufrecht erhalten wurde.

Nun haben wir aber Wirtschaftskrise. Und sobald Leute anfangen, Geld abheben zu wollen, das Zeug also zu verkaufen, wird das sehr schnell abstürzen und in sich zusammenfallen.

Bitcoins waren großartig – für die, die früh genug eingestiegen sind und dann Millionen damit gemacht haben. Ich ärgere mich sehr, dass ich das damals nicht gemerkt habe, weil es mich nicht interessiert hat, als die noch billig waren und man die im Wert einer Pizza bekam.

Aber alle, die seither einsteigen sind die Dummen, die denen, die damit Millionen verdient haben, eben diese Millionen zahlen, indem sie ihre Einzahlungen verlieren.

Sie bilden sich ein, sie hätten einen „Wertspeicher“. Aber sie haben nur ein paar Zahlen auf der Festplatte.

Bitcoin ist die Kunst, Dummen Zahlen zu verkaufen, und sie glauben zu lassen, das hätte einen Wert.