„Fakt oder Fake“
Leser fragen – Danisch weiß es auch nicht.
Ein Leser fragt an:
Der ORF hat die Sendung “Fakt oder Fake” in der sich die öffentlich-rechtlichen wieder mal als unfehlbarer Faktenchecker präsentiert.
Was allerdings in der vorigen Folge gelaufen ist war zumindest in den letzten 20 Minuten totaler Pfusch:
Als Beleg dafür dass Männchen bei Säugetieren nicht generell größer sind als Weibchen wird eine komplett kaputte Grafik geliefert (in der Männchen natürlich rot und Weibchen blau eingefärbt wurden – wie könnte es auch anders politisch korrekt sein).
Für den abschließenden Lacher rollt sich eine Parkourläuferin über eine Matte auf 1 Meter Höhe um damit zu bestätigen, dass es möglich ist sich so über den Boden zu rollen dass man sich mit der Schulter wieder in eine Standposition bringt.
Hier sind alle weiterführenden Infos und die Diskussion darüber:
https://www.reddit.com/r/Austria/comments/1qtiah3/comment/o34mwh1/
Weiß ich nicht.
Ich habe noch nie von dieser Sendung gehört. Laut Beschreibung dürfte es sich um diese Folge handeln, die man aber nur mit einer österreichischen IP-Adresse ansehen kann. Ist wohl auch besser so.
Dabei geht es um Fragen, wie: Kann man Menschen ohne Stimme zum Klingen bringen? Sind männliche Tiere immer größer? Und färbt Poolwasser sich wirklich, wenn man nicht aufs Klo will? Prominente Gäste prüfen mit Expertinnen und Experten, was Fake ist – und was Fakt.
Ich habe die Graphik auch nicht verstanden. An der linken, y-Achse steht „Anzahl der Geschlechter“ bis über 2000, und die Balken unterscheiden nur nach Männchen, Weibchen, gleich groß. Die Auflösung ist schon so schlecht, dass man die Beschriftung unten nicht gut lesen kann. Ich habe einige Such-Versuche gebraucht um herauszufinden, dass das erste Wort „Afrosoricida“ heißt.
Nachprüfbar ist da gar nichts.
Man weiß auch nicht, was sie mit „Größe“ meinen – Höhe, Länge, Gewicht?
Und was wurde da überhaupt verglichen? Wann ist ein Weibchen „größer“? Größer als wer? Irgendein willkürlich ausgesuchtes Männchen? Oder der Durchschnitt? Der größte? Der kleinste?
Und wenn ein Weibchen 1cm „größer“ (als wer oder was auch immer) ist, zählt es genauso, wie wenn ein Männchen 1m „größer“ ist?
Mir fällt jetzt auf Anhieb keine einzige Säugetierart ein, bei der Weibchen größer als Männchen sind. Mir fallen welche ein, bei denen sie gleich groß wirken (aber genau gemessen selten sind), und solche bei denen Männchen sichtlich oder deutlich größer sind.
Mir fällt auch kein Grund ein, warum Weibchen größer sein sollten, was ihnen das evolutionär nutzen würde. Bei Insekten, Spinnen, Fischen kann das gut sein, weil da die Weibchen viele Eier produzieren und in sich tragen müssen oder besondere Aufgaben bei der Brutpflege haben, während Männchen da nur Samenspender und sonst gar nichts sind, bei manchen Spezies nach der Samenspende vom Weibchen verspeist werden. Oder bei denen – etwa bei Termiten – eine „Königin“ für den ganzen Nachwuchs zuständig ist. Das hat aber immer alles sachliche, nachvollziehbare, evolutionär entwickelte Gründe.
Ich könnte mich jetzt nicht erinnern, dass mir bei Säugetieren schon eine Spezies untergekommen wäre, bei denen die Weibchen im Mittel größer wären als die Männchen. Individuen natürlich schon. Es gibt eine Menge Frauen, die größer sind als ich. Und es gibt erstaunlich viele Frauen, die auch schwerer sind als ich. Trotzdem sind auch beim Menschen die Männchen im Mittel größer als die Weibchen.
Selbst bei Elefanten, jener Säugetierspezies, bei denen die Weibchen nach dem, was mir jetzt spontan einfällt, die wichtigste und tragendste Rolle spielen, nämlich die Leitkuh stellen, sind die Männchen größer. Andere Spezies mit Leitkuh sind angeblich manche Wale (insbesondere Orcas), Pferde/Wildpferde, Zebras, Rinder, Hyänen, Erdmännchen, Lemuren, Löwen, Schafe, Ziegen, Bonobos.
Bei allen diesen Spezies stellen die Weibchen aber nicht deshalb das Leittier, weil es größer oder stärker wäre, sondern weil die Weibchen älter werden und es auf Wissen und Gedächtnis (z. B. wo man Wasser findet) ankommt. Der zentrale Punkt ist nämlich, dass Männchen im Wettbewerb stehen, deshalb größer und stärker als andere sein müssen, auch als Einzeltier leben müssen, und das der Lebensdauer und Tauglichkeit zum Leittier abträglich ist. Deshalb ergibt es evolutionär keinen Vorteil, keinen Sinn, Weibchen auf maximale Größe hin zu optimieren, aber bringt Nachteile mit sich. Bei Löwen sieht man das sehr gut, wo die Hetzjagd vor allem und fast nur von den Weibchen betrieben wird, weil die Männchen viel zu groß und zu schwer sind, um lange Strecken oder schnell zu laufen. Geht es aber darum, große, starke, gesunde Tiere zu erlegen und dazu auf deren Rücken zu springen, müssen dann, sobald die Weibchen das eingekreist und zur Erschöpfung gebracht haben, die Männchen ran, die dann aber auch nicht mehr als ein oder zweimal springen und angreifen können. Evolutionär ergäbe das keinen Sinn, keinen Vorteil, wenn Weibchen größer wären.
Aber, hey. Es ist der ORF. Da geht alles. Und die wissen schon, warum man den Käse nur in Österreich schauen kann. Ist besser so.