Vom Unterschied zwischen dem Anspruch der Philosophen und dem Meinigen
Ein Philosoph schreibt mir.
Oder zumindest einer ihrer Sekundanten.
Über Geisteswissenschaften
Hallo Herr Danisch,
als was würden Sie Ihre Ausführungen bezeichnen? Wissenschaft, und wenn ja, welche? Informatik ist es nicht und auch sonst keine MINT-Wissenschaft. Wissenschaftstheorie? Die gehört aber als Denken über Wissenschaft der Sache nach am ehesten zur Philosophie, auch wenn versucht werden könnte, sie als Wissenschaftstheorie der Philosophie entgegenzusetzen. Aber die Phänomene des Denkens, systematisch wie historisch, sind der originäre Gegenstand der Philosophie. Auch was Geschwätz ist und was nicht. So bereits am Anfang der Philosophie Kritik der Sophisten, der Schwätzer. Kritik der Schwätzer und Schwätzerinnen nötig zu allen Zeiten.
Freundliche Grüße
Als was ich meine Ausführungen bezeichnen würde?
Das ist eine verdammt leichte Frage. Als Blog-Artikel.
Der Begriff Blog ist die Verkürzung, manche nennen es „Kofferwort“, von Web-Log. Ein im Weg geführtes Log-Buch, ein Tagebuch. Es ist ein Tagebucheintrag eines Gedanken, den ich geführt habe, den ich – nur so aus Spaß an der Freude – öffentlich lesbar führe.
Es ist nicht Informatik. Es ist nicht Wissenschaft. Es ist gar nicht kategorisiert, gar nicht irgendwas zugeordnet.
Es ist schlicht und einfach die Niederschrift dessen, was mir durch den Kopf ging. Fertig. Das war es schon. Ganz einfach. Kein Journal. Kein Peer-Review. Einfach Danisch Raw-Outlet. Danisch unplugged. Unfiltered.
Auch wenn sich die, die Aussagen anderer dadurch verarbeiten, dass sie sie kategorisieren, und das ist die Denkweise der Geisteswissenschaftler, Aussagen nicht inhaltlich zu verarbeiten, sondern äußerlich zu kategorisieren, auch die Zähne daran ausbeißen. Es ist ein Protokoll, ein Tagebucheintrag über das, was mir durch den Kopf ging.
Ich gehöre nicht zu den Leuten, die krampfhaft versuchen, jetzt wissenschaftlich zu sein. Die vorher in Schnappatmung verfallen, um jetzt irgendetwas Wissenschaftliches hervorzubringen, als müssten sie ein Ei legen.
Das ginge nach meinem Wissenschaftsverständnis auch gar nicht.
Denn anderes als die Geisteswissenschaftler betrachte ich Wissenschaft nicht als eine Kategorie, nicht als etwas, was dadurch „wissenschaftlich“ wird, indem ich etwas in eine Kategorie huste, über die man einen Konsens getroffen hat, sie Wissenschaft zu nennen.
Ich gehöre nicht zu den Leuten, die etwas für „wissenschaftlich“ halten, indem sie es einer der Kategorien „anerkannter“ Wissenschaften zuordnen. Nach dem Schema „Er schwafelt von Informatik, und Informatik ist eine Wissenschaft, denn es gibt Fakultäten, also ist das, was er sagt, Wissenschaft“. So denken sehr viele, aber mir ist das zu dumm.
Mein Verständnis von Wissenschaft ist
- vereinfacht gesagt, eine Arbeitsweise, eine Herangehensmethode, und dabei ist es egal, ob es Informatik oder eine andere „Wissenschaft“ handelt, denn es geht nicht um das Thema, sondern um die Arbeits- und Herangehensweise, die Methode.
- präziser gesagt, verstehe ich unter Wissenschaft die organisierte und sorgfältige Kenntnis und Vermeidung von Denk- und anderen Hirnfehlern, die Kunst, Fehler nur einmal oder zumindest sie zu erkennen und dann nicht mehr zu machen.
Das heißt, dass es nach meinem Verständnis kein positives Wissenschaftskriterium gibt, sondern negative Unwissenschaftskriterien, deren Katalog sich ständig erweitert. Wozu die Denkfehler gehören, das Wissen über die Beschränktheit und die Tücken unseres Gehirns, Messfehler, Rechenfehler und so weiter und so fort.
Wissenschaftliches Arbeiten ist nach meinem Verständnis das geplante und sorgfältige Vermeiden dieser Denkfehler, also das Vermeiden von bekannten Fehlern, die zur Unwissenschaftlichkeit führen. Was auch dazu führt, dass was gestern noch wissenschaftlich war, es heute nicht mehr ist. Nämlich dann, wenn Fehler drin waren, die man gestern noch nicht kannte, heute aber schon kennt. Deshalb halte ich die Alchemisten des Mittelalters, so albern und absurd sie uns heute erscheinen mögen, für Wissenschaftler, weil sie sich durchaus im Rahmen dessen bewegt und sich dabei Mühe gegeben haben, was damals an Wissen und Fehlerkenntnis vorhanden war. Würde man heute dasselbe tun, würde ich es nicht mehr für wissenschaftlich halten.
Darauf beruht meine tiefe Verachtung der Geisteswissenschaften, denn die suhlen sich geradezu in Denkfehlern, verwenden sie als Rhetorik und Rabulistik.
Und deshalb habe ich eine völlig andere Auffassung von Wissenschaft als Geisteswissenschaftler. Für mich ist das keine Sammlung von Kategorien, von Fakultäten, die man per Konsens oder „sozialem Konstrukt“ für wissenschaftlich erklärt, und dann „wissenschaftlich“ wird, wenn man irgendwas zu einer solchen Themenkategorie blubbert. Oder, um es mit der Dummheit der Journalisten auszudrücken, „jemand forscht zu …“. Blödsinn. Man könnte höchstens sagen, dass sich jemand mit … beschäftigt. Ob er „forscht“ kann man erst sagen, wenn man sich die Arbeitsweise angesehen hat.
Deshalb habe ich auch gar nicht die Absicht, das Ziel, wissenschaftliche Artikel in meinem Blog zu schreiben. Weil das keine positive, gezielt erreichbare Eigenschaft ist. Ich versuche aber, sie nicht unwissenschaftlich zu schreiben, indem ich mir Mühe gebe, die mir bekannten Denk- und andere Fehler dabei weitestmöglich zu vermeiden. Was nicht immer gelingt, weil ich für Blogartikel eben auch nur ein paar Minuten und selten mal ein paar Stunden Zeit habe, aber nicht auf Steuerzahlerkosten monatelang im Labor herumforschen und rumschreiben kann.
Mein Ziel ist, nicht unwissenschaftlich zu schreiben. Denkfehler zu vermeiden. Wozu auch die Nachvollziehbarkeit der Gedanken gehört.
Und daran scheitern meines Erachtens die Geisteswissenschaftlich nicht nur reihenweise, sie wollen es auch gar nicht.
Wissenschaftstheorie? Die gehört aber als Denken über Wissenschaft der Sache nach am ehesten zur Philosophie, auch wenn versucht werden könnte, sie als Wissenschaftstheorie der Philosophie entgegenzusetzen. Aber die Phänomene des Denkens, systematisch wie historisch, sind der originäre Gegenstand der Philosophie. Auch was Geschwätz ist und was nicht.
Buah, nee.
Diesen Besitz-, diesen Monopolanspruch habe ich nie leiden können, dieses eifersüchtige Suchen nach irgendeiner Zuständigkeit, nach einem Inhalt dieser Fakultät ohne Thema, die sich für alles zuständig fühlt und zu nichts zu gebrauchen ist.
Man kann natürlich versuchen, umgekehrt so einen Besitzanspruch anzumelden, zu sagen, wenn es Wissenschaftstheorie ist, dann gehört es der „Philosophie“. Dann ist man wieder bei diesen Kategorien.
Es mag sein, dass die Philosophie – nein, die Philosophen – das für den „originären Gegenstand der Philosophie“ halten. Darin haben sie aber in den letzten 200 Jahren ganz massiv versagt. Nur weil man etwas für seinen „originären Gegenstand“ hält oder erklärt, heißt das noch lange nicht, dass man das auch richtig macht oder gut darin ist.
Die Geisteswissenschaften, die Philosophen, haben in den letzten Jahrzehnten jeden Deppen aufgenommen, der nicht bei drei auf dem Baum war, und wenn er auf dem Baum war, ihm noch einen Bachelor hochgeworfen.
Wenn aber ein Heer von Deppen sich mit Wissenschaftstheorie befasst, dann ist das Ergebnis immer noch Blödsinn, auch wenn man es zu ihrem „originären Gegenstand“ erklärt, denn auch seinen „originären Gegenstand“ kann man kaputt machen, wenn man zu blöd dazu ist, und einfach drauflosschwätzt, weil man meint, es reiche, in die Kategorie zu husten. Und da hilft es kein Stück, sie „Philosophen“ zu nennen. Einen dummen Menschen kann man hundertmal „Philosoph“ nennen, er wird nicht schlauer. Es ist aber ein unwissenschaftskriterienerfüllender Irrglaube der Geisteswissenschaftler, genau das zu glauben, weil sie Wissenschaft für ein soziales Konstrukt, für einen Konsens halten.
Insofern ist die Philosophie ein Paradoxon – allerdings nur ein ganz billiges. Denn sich für einen Philosophen zu halten, diese Kategorisierung vorzunehmen, ist bereits ein solcher Denkfehler, der die Unwissenschaftskriterien in Form von Denkfehlern erfüllt und einen als Wissenschaftler disqualifiziert.
Anders gesagt: Philosophie schließt sich aus. Wenn man die Philosophie für eine Wissenschaft halten will.
Sie kann nur als Unterhaltungsprogramm oder als Beamtenstellenbetrug am Steuerzahler existieren.
Sie könnte allerdings, in gewisser Weise, als eine Art Bundesrechnungshof der Wissenschaften auftreten und sich daran machen, Denk- und ähnliche Fehler und deren Vermeidung zu katalogisieren. Aber erstens sind sie an so etwas längst gescheitert. Zweitens verfügen Philosophen gar nicht über das dazu nötige Wisssen. Drittens sind sie viel zu korrupt. Viertens Geisteswissenschaftler. Und fünftens wollen sie das gar nicht, weil das Arbeit und qualitätsfordernd wäre, sondern sie wollen anspruchslose Beamtenstellen.
Hätten wir nämlich Philosophen, die diese Aufgabe erfüllen könnten und wollten, gäbe es Soziologie, Politologie und Gender Studies schon lange nicht mehr, und Kultur- und Theaterwissenschaftler könnten auf dem Floh- oder Weihnachtsmarkt auftreten. All diese Leute, die Denkfehler für ihr Geschwätz nutzen, statt sie zu vermeiden. Diese Rabulistikkategorien, die aus nichts anderem als der Anwendung eben der Denkfehler beruhen, die ein Wissenschaftler vermeiden würde.
Was auch immer die Philosophen unserer Zeit für sich beanspruchen – sie haben darin versagt. Sie haben nichts vorzuweisen, keine Leistung, außer eben der ständigen Wiederholung der Behauptung, dass sie für irgendetwas ganz wichtig seien, und der verzweifelten Suche danach, was das sein könnte.
Damit treten die Nachteile der Existenz eines Philosophen zu Tage, was selbst im günstigsten Fall deren Kosten sind. Vorteile sind nicht erkennbar. Ich wüsste nicht, was uns die Philosophen in den letzten 57 Jahren Positives gebracht hätten. Aber ich sehe, was sie beanspruchen, obwohl sie darin versagt haben.
Informatiker stellen wenigstens Computer hin.