Ansichten eines Informatikers

Ignatz Nachher

Hadmut
9.10.2021 16:35

Wie konnte ich den übersehen oder übergehen.

Ich hatte die Normbrunnenflasche erwähnt, aber immer, wenn ich was erwähne, kommt noch einer um die Ecke und weiß einen besser:

Die Bierpfandflasche wurde bereits zu Kaiserszeiten von Ignatz Nachher erfunden. Das Flaschenpfand belief sich Anfang des 20. Jh. auf stolze 10 Pfennige. Der durchschnittliche Monatslohn eines Arbeiters belief sich damals auf ca. 70 Mark oder 700 Pfandflaschen!

Wie konnte ich das übersehen.

Folgerichtig müssten mir jetzt Archäologen, Historiker und sowas auf die Pelle rücken, und sagen, dass man im alten Rom, in Griechenland, irgendwo bei den Phöniziern oder Sumerern, in Ägypten oder dem Zweistromland schon Pfandamphoren aus der Zeit von 4000 vor Christus gefunden habe.

Und das meine ich jetzt nicht mal als Ulk. Sie haben doch neulich schon in Pompeji – verschüttet 79 n. Chr. – einen Schnellimbiss ausgebuddelt, der verblüffend nah dran an einem McDonalds unserer Zeit war. Aufbau, Theke, Werbegraphiken halt unten und nicht oben, ChickenMcCäsar, alles wie heute. Oder besser gesagt, heute noch so wie damals. Vermutlich auch mit einem Caesar Salad.

Kein Zweifel, dass es damals nicht nur einen Schnellimbiss, sondern auch sowas wie Getränkehändler gab, die Wein, Cervisia, womöglich Met oder vielleicht einfach halbwegs sauberes Wasser im Angebot hatten. Nicht unwahrscheinlich, dass die auch nach Hause lieferten. Es ist ja bekannt, dass es im alten Rom schon Eishändler gab, die das Eis gut verpackt mit Pferden oder Eseln mühsam von den Bergen runterbrachten, und die reichen Leute sich dann ein kühles Bier oder ein Fruchteis genehmigten.

Nachdem Rohstoffe damals sehr teuer und sehr wertvoll waren und die Fertigung von Amphoren und sonstigen Behältern aus Ton zwar schon gängige Praxis, mit Sicherheit aber sehr teuer war, gab es bei denen sicherlich keine Wegwerfamphoren, man wird sie wiederverwendet haben. Und nachdem wir ja heute bei uns noch das römische Recht haben, im anglikanischen Raum heißt der Jura-Abschluss ja immer noch LL. M. heißt, den Legum Magister (ich habe mich erst gewundert, wo da das zweite L herkommt, aber es soll den Plural symbolisieren), lateinisch, weil auf römischem Recht und damit auch dem damaligen Schuld- und Vertragsrecht beruhend, dürfte sehr davon auszugehen, dass die damals auch Pfand für ihre Gefäße genommen haben. Vermutlich haben sie sie erst ver- und wieder zurückgekauft, woraus dann wohl irgendwann das Pfandsystem entstand.

Kurz gesagt: Ich weiß es zwar nicht, aber ich habe keinerlei Zweifel daran, dass es nicht im alten Rom oder davor, also seit man Gefäße im größeren Maßstab insbesondere für Lebensmittel hergestellt und Geld eingeführt hat, irgendeine Art von Pfand gab, weil irgendwelche Idioten die kaputt gemacht, verschmutzt oder nicht zurückgebracht haben. Da ist ein Pfandsystem eigentlich geradezu zwingend.

Die hier meinen dazu:

Pfand n. ‘Gegenstand als Bürgschaft, Sicherheitsleistung für eine Forderung’, ahd. (8. Jh.), mhd. phant, asächs. afries. nl. pand, mnd. mnl. pant; Herkunft ungeklärt. Eine angenommene Entlehnung des nur im Kontinentalwestgerm. bezeugten Substantivs (anord. pantr aus dem Mnd.) aus afrz. pan ‘Stück Tuch’ (aus lat. pannus ‘Stück Tuch, Lappen’), auch (nordafrz.) ‘an einen Gläubiger zur Sicherheit übergebener Vorrat an Tuch’, daher ‘Sicherheit, Bürgschaft’ (woraus engl. pawn), ist insofern wenig wahrscheinlich, als die letztgenannte Bedeutung im Frz. erst im 13. Jh. auftritt und der auslautende Dental im Germ. unerklärt bleibt (nordmfrz. pand, pant dürfte vielmehr auf mnl. Einfluß zurückzuführen sein). Wenig befriedigend ist auch die Herleitung von lat. pactum ‘Vertrag, Vergleich, Abrede’ (s. Pakt), da dabei eine nicht nachzuweisende vlat. Entwicklung über *panctum zu *pantum vorausgesetzt werden müßte. Schließlich wird noch Herleitung (wie bei Pfennig, s. d.) aus lat. pondus ‘Gewicht’ erwogen unter Annahme einer Bedeutungsentwicklung zu ‘Münzsicherheit’ (beim Nachwiegen von Geldstücken unterschiedlichen Feingehalts), vgl. Knobloch in: Lingua 26 (1970/71) 311; die Entlehnung müßte dann sehr früh, im Unterschied zu Pfund (s. d.) schon vor dem Wandel von ie. o zu germ. a erfolgt sein und würde nur die auf dem Festland mit den Römern in Beziehung stehenden germanischen Stämme betroffen haben. Unterpfand n. ‘Gegenstand, Geldsumme als Sicherheit’, übertragen ‘Zeichen, Beweis’, zuvor (rechtssprachlich) ‘Gegenpfand, Sicherheit, die der Pfandempfänger dem Verpfänder hinterläßt’, spätmhd. underphant. pfänden Vb. ‘ein Pfand für eine geldliche Forderung einziehen’, mhd. phanten, phenden ‘jmdm. ein Pfand abnehmen’, ahd. phantōn ‘zum Pfande geben’ (9. Jh.). verpfänden Vb. mhd. verphenden. Pfändung f. mhd. phandunge, phendunge.

Schon rein etymologisch könnte das Wort also schon in die Römerzeit zurückgehen. Inhaltlich dürfte es auch eng mit der Bürgschaft verwandt sein, Pfand die Sache, Bürger die Person. Von Dionys, dem Getränkehändler, schlich Damon, die Flasche im Gewande. Ihn fragte der Verkäufer nach dem Pfande. Und so weiter.

Und schon Michael Kohlhaas legte ja los, weil er die Pferde nicht im Zustand zurückbekam, in dem er sie als Pfand hinterlassen hatte.

Grundsätzlich bin ich mir sicher, dass es Pfand, auch Menschen als Pfand, schon gibt, seit es Kriegereien gibt, und daraus abgeleitet das Pfand auch im Kleinen, seit es den Geschäftsverkehr gibt. Und damit auch Pfandgefäße, seit man Gefäße für Lebensmittel im größeren Maßstab oder quasi industriell herstellte.