Seltsames Prozessor-Temperatur-Problem
Komisch. Sehr komisch.
Ich hatte mir vor einigen Jahren einige Medion E3223 Notebooks gekauft, als es die gerade ab und zu billig als B-Ware zum sehr niedrigen Restposten-Rausschmeißer-Preis gab. An denen war gar nichts B-Ware, außer vielleicht Schäden an der Verpackung, die Rechner alle tadellos. Das war eher Vorwand, um den Preis noch weiter zu senken.
Die waren zwar eigentlich damals schon veraltet und sehr schwach, Inten N5030 CPU, 4 Kerne, 1.1GHz, zu 8GB RAM fest verlötet, und als SSD zwar M.2, aber nur SATA, immerhin austauschbar, mitgeliefert 256 GB. Die Kamera dämlicherweise am unteren Bildschirmrand.
Schwach, aber was soll’s, Bildschirm, Tastatur und Akku gut, und vor allem: Schön flach. Wie die damals sauteuren Ultrabooks, und das für knapp mehr als einen Hunni. Und für die Bibliothek oder unterwegs einen Browser und E-Mail reichen die allemal. Die Rechner haben mir bisher gute Dienste geleistet. Und: lüfterlos. Rein passiv über das Gehäuse gekühlt. Prima, wenn man in Konferenzen o.ä. sitzt, weil völlig geräuschlos. Auch die Tastatur hört man fast nicht oder nur aus allernächster Nähe.
Nun wollte ich zwei dieser Rechner aktualisieren, neues Betriebssystem drauf.
Erster: geht, ganz normal.
Zweiter, baugleich, selber Installations-Stick: geht nicht. Fährt mitten in der Installation wieder runter. Kubuntu 26.04 lässt sich nicht installieren.
Ich hatte noch einen Xubuntu 24.04 Stick rumliegen – geht auch nicht. splash und quiet abgedreht, nachschauen, was los ist: Notabschaltung, die CPU überhitzt beim Hochfahren das Betriebssystems und veranlasst den Not-Shutdown, damit der Rechner nicht zerstört wird.
Gegentest mit Kinoite 44: Selbes Problem. Keine Meldung, bricht aber auch mitten in der Installation schlagartig ab.
Verdammt, dachte ich, da stimmt etwas mit der Kühlung nicht mehr. Die CPU wird zu heiß. Wohl kaum reparabel, bei so einem super-flachen Ding. Obwohl nichts zu spüren. Google liefert als Hinweis, dass es solche Fälle gab, in denen die Wärmeleitpaste mit der Zeit ausgetrocknet ist und krümelte.
Was soll’s, das Ding war billig, ist ziemlich veraltet, und es hat seine Schuldigkeit getan. Die Frage ist nur:
- Gleich wegwerfen?
- Einfach aufheben als Ersatzteillager für die anderen?
- Oder mal aufschrauben, einen Blick reinwerfen, ob man es leicht reparieren kann?
Nun war das aber der Rechner mit der 1TB-SSD, und die sind ja inzwischen teuer, als dachte ich, die muss man nicht opfern, die tausche ich gegen die kleinere im anderen Notebook, auf dem ich ja gerade ein Betriebssystem neu installiert hatte. Kann man zum Ausschlachten und testen vielleicht verwenden, und vielleicht kommt das noch im kalten Zustand weit genug hoch, die Sensoren auszulesen.
Und nun passierte etwas sehr seltsames:
Wenn ich auf dem – scheinbar – defekten Rechner eine SSD mit bereits installiertem Betriebssystem einbaue, dann funktioniert er offenbar. Ich habe gerade über eine Stunde unter Volllast die Softwareinstallation laufen lassen, und die angezeigten Temperaturen bleiben durchweg zwischen 77 und 83°C. Spitzenwerte bei 93°C. Als Critical wird aber der Grenzwert 105°C angegeben.
Nun die Frage: Warum melden Ubuntu und Kinoite-Installationen schon nach wenigen Minuten den Not-Shutdown wegen CPU-Überhitzung, während ein bereits mit demselben Stick installiertes Ubuntu nun seit Stunden, auch unter Last, stabil und munter vor sich hinläuft?
Verwenden die beim Boot andere Grenzwerte?
Oder ist es einfach so, dass ich den Rechner mit einem bereits installierten Betriebssytem beim Hochfahren nicht genug auslaste, weil es im Gegensatz zum Installations-Stick nicht kompriminiert ist und deshab nicht dekomprimiert werden muss? Ich habe den Rechner zwar in der Installation unter Dauerlast laufen, aber die belegt nur 100% CPU – also nur einen Kern, während die Dekompression beim Booten von Installationsstick alle Kerne belegt und damit die bis zu vierfache Leistung zieht.
Wenn ich aber mit einem Kern Auslastung schon auf Spitzenwerte von 95°C komme – dann dürften mit vier Kernen die 105°C schnell erreicht sein.
Aber warum ist mir dieses Problem nur auf einem Rechner und noch nie zuvor aufgefallen? Ich habe gerade eben einen exakt baugleichen Rechner mit demselben Stick bespielt.
Es gibt tatsächlich Webseiten, die behaupten, dass dieser Prozessortyp, der eigentlich sehr stromsparend ist und 6W TDP hat, oft passiv verbaut wurde, und dabei nach einiger Zeit die Wärmeleitpaste austrocknete und an Wirkung verlor.
Das würde das Problem genau erklären.
Ein neuer Aspekt der Obsoleszenz? Rechner mit beschränkter Lebensdauer?