Ansichten eines Informatikers

KI-Fundstücke zur Kryptointrige

Hadmut
27.10.2026 0:25

Ein wesentlicher Vorteil der KI ist ja, dass sie Zusammenhänge findet, die der Mensch nicht ohne weiteres finden kann.

Früher haben mir die Leser viele Kommentare zu Blogartikeln geschrieben, aber das hat sich in der letzten Zeit deutlich verändert. Die Leser schreiben mir selbst weniger, dafür bekomme ich immer öfter Zuschriften mit Fundstücken und Hinweisen, die die KI den Lesern auf Anfragen geliefert hat. Früher habe ich die Phantasie und das Nachdenken der Leser selbst angeregt. Inzwischen ist es wohl zunehmend so, dass ich die Leser zu weiterführenden KI-Recherchen oder KI-Arbeiten anrege. Ich erinnere an die Zusammenfassungstafeln, die mir ein Leser zu manchen Blog-Artikeln von der KI hat machen lassen.

Obwohl ich ja grundsätzlich nicht so uneingeschränkt begeistert bin von KI-Ergebnissen, weil sie zwar oft eindrucksvoll, aber eben auch oft falsch und halluziniert sind, und man das alles immer nochmal nachprüfen muss, sind KI-Systeme auch erstaunlich leistungsfähige Suchmaschinen, die auch sehr gut mit Umschreibungen, Synonymen, anderen Sprachen, Zusammenhängen und Gedankenketten klar kommen und einem deshalb Erkenntnisse liefern können (nicht immer tun), auf die wir bisher so nicht gekommen wären.

Ein Leser schrieb mir diesen Tweet. Ich hatte ihn dann noch gefragt, was die gestellte Frage an Google Gemini war:

kam nicht mit den snowden veröffentlichungen heraus dass quasi alle deutschen Administratoren vom Geheimdienst überwacht werden?

Laaaanger Tweet:

Das ist teilweise etwas schräg. Denn wenn ich schreibe, was Beth zu uns Mitarbeitern gesagt hat, bin ich ja selbst die Primärquelle und kann nicht irgendeine nachvollziehbare Quelle angeben.

Richtig ist allerdings, das hat die KI richtig erkannt, dass die Sache mit den Nullen und Einsen tatsächlich nur meine einfache Erklärung für Laien und kein mathematischer Beweis ist. Der mathematische Beweis – informationstheoretisch, durch Widerspruch – steht in der Dissertation. Und einige andere mehr. Das hat die KI nicht erkannt.

Das war ja gerade der Witz daran, dass ich nach der Bundestagsanhörung zu Beth sagte, dass man Kryptographie nicht verbieten kann, dass das einfach nicht geht, und ich das informationstheoretisch beweisen kann. Beth wollte das ad hoc nicht glauben, aber wissen, uns sagte zu mir, das müsse ich in die Dissertation schreiben (obwohl das eigentlich gar nicht Thema der Dissertation war, aber das war typisch Beth, dass er ein themenfremdes Sonderkapitel verlangte, weil er auch Material zum Verwerten und Ausschlachten für sich haben wollte). So kam dieses Kapitel 5 in die Dissertation, für das ich dann abgesägt wurde.

Noch ein anderer, leichter zu verstehender Beweis aus der Diss: Angenommen, das Speichern verschlüsselter Daten sei verboten. Angenommen, wir haben eine Festplatte mit n Byte Kapazität, mithin 8·n Bit, womit diese Festplatte dann z=28·n Zustände annehmen kann. Nehmen wir hypothetisch an, wir legen der Staatsanwaltschaft alle z Zustände vor und schauen, welche e davon erlaubt sind und welche v verboten, aus auf e+v=z hinauslaufen sollte. Damit haben wir e Zustände, die erlaubt sind, und damit einfach nur die Speicherkapazität der Festplatte von 8·n Bit auf log2(e) reduziert. Selbiges mit der Kanalkapazität eines Kanals. Ein wie auch immer geartetes Kryptoverbot kann also niemals Kryptographie verbieten, sondern immer nur die Speicher- oder Übertragunskapazität reduzieren. Informationstheoretisch betrachtet unterscheidet sich ein Kryptoverbot im Prinzip nicht wesentlich von Rauschen, das bestimmte Zeichenfolgen stört. Letztlich sind Steganographie usw. nur eine Art fehlerkorrigierender Code, der die Störung auf dem Kanal durch die Staatsgewalt umgeht.

Während man es einem Menschen aber erklären kann, ist es schwierig, der KI in eine fremde Session hinein zu erklären, hör’ mal, das ist nicht so ganz richtig, was Du da schreibst.

Noch ein laaaaanger Text-tweet:

Ich hatte das Bundestagsprotokoll von 1997 mal irgendwo. Das war nicht frei zugänglich, aber diese Enquete-Kommission hat es mir mal geschickt. Muss irgendwo vergraben in meinem Terabyte-Haufen von Informationen liegen.

Ich brauche wirklich mal eine KI, um diesen riesigen Haufen von Informationen zu sortieren und zu katalogisieren.