Ansichten eines Informatikers

Realitätsverlust: Noch eine Firmeninsolvenz

Hadmut
22.10.2026 18:31

Aber eine, die ich jetzt wirklich nicht erwartet habe.

Man hätte zwar damit rechnen können, aber ich habe damit überhaupt nicht gerechnet.

DIE ZEIT: Bildagentur Getty Images meldet Insolvenz an

Die US-Bildagentur Getty Images hat Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen beantragte bei einem Gericht im Bundesstaat Delaware ein sogenanntes Chapter-11-Verfahren, wie Getty mitteilte. Damit kann die Agentur ihren Geschäftsbetrieb unter Gläubigerschutz fortführen und ihre Schulden neu ordnen. Die bereits geplante Restrukturierung soll nach Unternehmensangaben bis zum Jahresende abgeschlossen sein, sofern die zuständigen Behörden zustimmen.

Getty Images steht seit Längerem unter wirtschaftlichem Druck. Als eine Ursache gilt die zunehmende Verbreitung von Bildern, die mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt werden. Hinzu kommt die im Juni gescheiterte Fusion mit der Bilddatenbank Shutterstock, die Getty laut Medienberichten mehr als 100 Millionen US-Dollar kostete. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen einen Verlust von rund 206 Millionen Dollar verzeichnet. Nachdem der Aktienkurs unter einen Dollar gefallen war, wurde die Börsennotierung in New York in diesem Jahr eingestellt.

Obwohl sich das plausibel und folgerichtig anhört, überrascht es mich doch sehr, damit hätte ich nicht – oder nicht so schnell – gerechnet. Denn wie ich schon oft angesprochen habe, geht medial fast nichts mehr ohne Bilder oder Videos. Die ganze Medienwelt hat sich von Zeitungsartikeln hin zu Onlineartikeln und Social Media Posts hin entwickelt, und die Leute donnern Bilder raus wie bekloppt. Noch vor etwa 5 oder knapp mehr Jahren waren Tweets auf Twitter fast nur Textmeldungen, und Bilder eher die Ausnahme. Inzwischen gibt es praktisch keine gewerblichen oder medialen Posts mehr ohne irgendein Foto oder Video.

Nun hat zwar heute jeder ein Handy in der Tasche und die Flut an Bildern und Videos ist endlos, und die KI ist billiger. Trotzdem hätte ich immer noch mit einem steigenden Bedarf an Agenturfotos gerechnet. Gerade in Zeiten abnehmender Deutschkenntnisse und zunehmenden Analphabetismus hätte ich gedacht, dass entsprechende Bilder immer häufiger angefragt werden. Es gibt ja praktisch kein größeres Medium mehr, das nicht mindestens ein Aufmacherfoto hat, und dann so etwas wie „Agenturfoto“ oder „Archivfoto“ dranschreibt. Insofern hätte ich deren Geschäft für mindestens stabil gehalten, weil die KI-Fotos zwar mal große Mode waren, aber doch den meisten Leuten längst zum Hals raus hängen.

Anscheinend wird aber doch zunehmend der KI-Mist eingesetzt, und damit die Nachrichtenlage – so wir denn überhaupt noch eine hatten, die diesen Namen verdient – zunehmend durch eine Phantasielage ersetzt.

Und damit meine ich nicht nur die elektronische Phantasie, sondern auch die politische. Denn wenn Redakteure schon Bilder von der KI machen lassen, dann stellen sie die Anfragen ja nicht neutral, sondern wählen sich aus mehreren Bildern das, was politisch am besten passt oder lassen sich Änderungen machen. Der Täter muss weiß sein. Der Bäcker im Laden ein Migrant. Und so weiter.

Insofern ist das ein deutliches Warnsignal dafür, dass sich Medien zunehmend von der Realität entfernen und sie darstellen, wie sie sie wollen, nicht wie sie ist.

Ich hatte das schon einige Male im Blog beleuchtet, dass Linke, insbesondere linke „Journalisten“, nicht die Realität beschreiben, keine Wahrheit drucken, weil sie so etwas gar nicht kennen, sondern immer ihr Utopie, ihre Traumvorstellung darstellen, weil sie glauben, dass der „Diskurs“ zwangsläufig dazu führt. Sie beschreiben nicht, was ist, sondern was soll, weil sie glauben, dass der Diskurs die Realität schafft und der erzwungene Diskurs das Gewollte real macht.

Bisher war das eher eine sprachliche Erscheinung. Aber offenbar werden längst auch die Bilder dieser Utopie angepasst.