Das dümmste Sushi
Ich bin drauf reingefallen. Ein Warnhinweis.
Ich war gerade im Supermarkt. Bisschen Kleinkram für das Abendessen holen.
Nun ist die Sache ja die, dass ich dann und wann gerne ein Sushi verzehre. Und zwar selbst unter der Erkenntnis, dass das, was wir hier im Supermarkt als Sushi bekommen, nicht sehr viel mit dem zu tun hat, was ich in Osaka als Sushi bekommen habe. Das Sushi in Osaka ist wirklich göttlich gut, während das hier eher so eine Sättigungspampe ist, und hier – was ich früher auch nicht wusste – praktisch immer Zucker enthält.
Nun war ich also im Supermarkt am Kühlregal mit Sushi, nahm zur Kenntnis, dass es bei allgemein steigendem Preisniveau das vegane Gurkensushi auf 1,79 Euro gesenkt wurde, als ich ein neues Produkt gesehen habe, das ich noch nicht kannt: Sushi in der Röhre.
Weiße Pappröhre, ähnlich wie Pringels/Stapelchips, aber kleiner, 6cm im Durchmesser, 20cm hoch. weiß, sehr hübsch bedruckt, steht „SUSHI“ drauf, die Buchstaben vertikal übereinander, damit es japanisch aussieht. Die Deckel oben und unten aus Plastik, durchsichtig, man kann sehen, dass drinnen eine Sushi-Rolle und ein Fläschen Soja-Soße stecken. 3,99 Euro.
Außen ein dicker Papiertrinkhalm aufgeklebt
Das wirft Fragen auf.
- Wozu liegt einer Packung Sushi ein dicker Trinkhalm bei, wie man ihn für Milkshakes und Smoothies verwendet?
- Warum ist dieser Trinkhalm außen, offen, unverpackt mit einem Klebestreifen an die Rolle angeklebtund damit hygienisch zum Trinken oder sonstigen Lebensmittelgebrauch völlig ungeeignet? Man würde das ja nicht mehr in den Mund stecken oder etwas in den Mund nehmen, was da durchgelaufen ist.
Ich muss leider zugeben, dass ich das Ding aus Neugier gekauft habe, um herauszufinden, was es mit dem Trinkhalm auf sich hat. Naja, dachte ich, schlimmstenfalls habe ich Sushi für 3,99 und schmeiße den Halm weg, saubere Halme habe ich zuhause.
Anleistung gelesen:
Öffnen & Servieren: Den oberen Deckel abnehmen. Die Sojasauce herausnehmen. Das Röhrchen abziehen, von unten in die Öffnung stecken und die Sushi-Röllchen nach oben herausdrücken. Dabei die Röllchen mit Sojasauce beträufeln.
Ich fasse es nicht.
Kennt Ihr noch das Eis „Ed von Schleck“? In einem Plastikzylinder, aus dem man es mit einem Plastikstäbchen von unten nach oben herausschob und dann oben wegschleckte?
So soll man jetzt Sushi essen. Die Sushi-Rolle mit dem Pappröhrchen von unten – unten sind zwei Deckel, der untere ist fest und hat ein Loch zum Durchstecken, der obere ist beweglich und schiebt die Sushi-Rolle nach oben raus wie bei Ed von Schleck oder einer Injektionsspritze, und oben soll man dann Sojasoße drauftropfen und abbeißen.
- Keine Stäbchen – gemacht für Leute, die nicht mit Stäbchen essen können.
- Kein Wasabi
- Kein Ingwer
Das soll so eine Art Sushi-to-go sein.
Hat es wenigstens geschmeckt?
Nein, schrecklich.
Der Reis war sehr pappig-pampig. Obwohl die Sushi-Rolle tatsächlich in einzelne Sushi-Scheiben geschnitten worden war, pappten die so aneinander, dass ich die auf dem Teller mit Stäbchen nicht auseinander bekommen habe und das Zing in Fetzen abgerissen habe. Das Zeug kann man gar nicht mit Stäbchen essen, davon muss man abbeißen.
Gefüllt mit Frischkäse. Reis und Frischkäse passen nicht zusammen, und schmecken auch nicht nach Sushi. Die wesentliche Information: Haltbarkeitsdatum 27.10.2026. Ich weiß nicht, wie lange das da schon liegt, aber es ist noch eine ganze Woche haltbar, und damit länger als Sushi mit Fisch. (Was kurios ist, weil Sushi ja ursprünglich eine Methode war, um die eingewickelten Lebensmittel für schlechte Zeiten und den Winter im Boden vergraben und dort aufbewahren zu können, aber das moderne, frische Sushi hat damit sowieso nichts mehr zu tun, und ein echtes, Monate altes vergrabenes Sushi würden wir sowieso nicht mehr essen; es heißt, es stinke ganz fürchterlich.)