Kindheitserinnerungen aus der Babyzeit
Ein erstaunlicher Zeitungsfund.
Nur langjährige Leser werden sich erinnern, dass ich vor einigen Jahren mal darüber berichtet hatte, dass ich noch Erinnerungen aus meinen eigenen ersten Babytagen im Kopf habe, weil es irgendwo um die Frage ging, ab wann das Gedächtnis einsetzt. Irgendwo gab es Forschung dazu, weil man darauf gekommen war, dass das Gedächtnis doch länger zurückreicht als man bisher annahm.
Ich hatte mich vor Jahren mal mit meinem Vater – der bekanntlich sehr esoterisch orientiert war – über Träume und Erinnerungen und so weiter unterhalten, und dabei hatte ich erwähnt, dass zwei Erinnerungen im Kopf habe, die mir völlig real erscheinen, und ich mir einerseits völlig sicher bin, diese real erlebt zu haben und mir nicht einbilde, mich andererseits aber beim besten Willen nicht erinnern kann, wann und wo ich das erlebt haben, könnte. Obwohl ich mich daran erinnern kann und mir sicher bin, es erlebt zu haben, kann ich mich überhaupt nicht daran erinnern, es erlebt zu haben. Mein Vater – das so genau in seinem Interessengebiet – fragte natürlich, was für Erinnerungen das seien.
- Ich kann den Grundriss einer Wohnung maßstabs- und proportionengetreu aufzeichnen und genau sagen, welche Möbel wo standen, wie sie aussahen. Wo Fenster waren, wo der Eingang war. Nur mitten in dieser Wohnung gähnt ein schwarzes Loch, da fehlt mir etwas.
- Ich kann einen Vorgang beschreiben, der nur einige Sekunden umfasst, auch wie Menschen reagiert haben, aber ich habe diese Menschen nur als eine Art schwebender Kegel wahrgenommen, frei schwebend, ohne Beine, ohne Arme, aber mit Händen, und deren Gesicht bestand nur aus einer Andeutung einer Nase. Die Stimmen laut und singend, aber unverständlich, wie Walgesänge. Irgendwas war an der Situation nicht gut, das habe ich gemerkt, aber ich habe nicht verstanden, warum.
Mein Vater guckte mich an wie vom Schlag gerührt.
Das sei exakt und präzise die Wohnung, in der wir in den ersten Monaten meines Lebens gewohnt haben. Und das Erinnerungsloch in der Mitte war die Küche – in der sei ich nie gewesen. Deshalb hat mein Plan dieser Wohnung mittendrin ein Loch.
Und der beschriebene Vorgang sei exakt so passiert – am ersten Tag, als ich nach der Geburt aus dem Krankenhaus in diese Wohnung kam.
Ich habe damals einige Zuschriften bekommen. Einige meinten, das sei nicht möglich. Andere, darunter jemanden, der am Hirn forscht, meinte, das sei eine Fehlfunktion, denn eigentlich lösche das Gehirn diese Erinnerungsfetzen, und das Löschen klappe halt nicht immer so zuverlässig. Man solle aber nichts auf Erinnerungsfragmente geben, die diesen Löschvorgang überlebt hätten, die seien trotzdem kaputt.
Weil es anekdotisch ist, aber nicht wirklich und konkret hilft, habe ich mich damit auch nicht weiter befasst und das auch nicht mehr erwähnt, weil es mit meinen Themenschwerpunkten nichts zu tun hat.
Doch heute lese ich das im Fachblatt für Gedächtnis und Neurologie, der BILD: An das Klirren der Geburtszange und die Farbe der Klinik-Fliesen: Paul McCartney kann sich an seine Geburt erinnern
Davon erzählte er jetzt im Podcast „Good Hang“ von Schauspielerin Amy Poehler (55). Auslöser war seine zugeschaltete Tochter Stella McCartney (55). Die Designerin wollte von ihrem Papa wissen, was seine früheste Erinnerung sei. McCartneys verblüffende Antwort: „Ich habe irgendwie das Gefühl, dass ich mich daran erinnere, geboren worden zu sein.“
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„Ich erinnere mich irgendwie an weiße Fliesen, sehr hygienische weiße Fliesen, und an Instrumente aus Chrom und an ein Klirren, weil ich mit einer Geburtszange zur Welt kam. Sie mussten mich herausziehen“, erzählt der Musik-Star. Eine Prise Skepsis bezüglich seiner außergewöhnlich frühen Erinnerung bleibt, McCartney schiebt hinterher: „Ich weiß nicht, ob es wahr ist.“
Offenbar kommen ihm diese Erinnerungen genauso seltsam vor wie mir.
Der Vorgang, die optischen und akustischen Eindrücke haben Spuren im Gedächtnis hinterlassen, das Hirn hat die ersten neuronalen Verbindungen gebildet, aber man weiß nicht mehr, wie man dazu kam.
Und diese Priorität auf auffällige Dinge mit wichtiger Oberfläche und die Geräusche.