Ansichten eines Informatikers

Frisch vollgekackt

Hadmut
14.10.2026 18:05

Mehr zu Universitäten.

Die Vergeisteswissenschaftlichung der Universitäten ist offenbar schlimmer, als selbst ich angenommen hatte. Leserzuschrift:

Erstsemester in Münster

Hallo Hadmut,

zu Deinen Anmerkungen zu Erstsemester-Treffen in Karlsruhe gab es in den Tagesthemen kürzlich einen Beitrag aus Münster.
https://www.danisch.de/blog/2026/10/14/o-phasen-kodex-fuer-erstsemester/

https://www.tagesschau.de/tagesthemen/tt-12910.html
tagesthemen
Stand: 07.10.2026
#mittendrin in Münster: Semesterbeginn sorgt für Unmut

Anscheinend ziehen die Erstsemester da saufend durch die Stadt. Es gibt extra eine Beauftragte der Stadt, damit die da nicht alles vollpinkeln und vollkacken. Die Bevölkerung ist sauer.

Ich war auch mal Erstsemester, aber da gab es gar nichts. Anscheinend muß heute alles aus einem Besäufnis bestehen.

So etwas gab es bei uns damals (technische Uni) überhaupt nicht. Also … unter den Studenten. Die einzigen unzivilisierten Höhlenmenschen, die wir zu bieten hatten, waren alle Professor.

Wir hatten einen ganz anderen Anspruch, wir wollten möglichst schnell die Profis sein und alles können. Wir sind nicht saufen gegangen, wir haben die Nächte im Rechenzentrum am VAX-Terminal durchgemacht. Wer kann sich erinnern, wie oft ich das geschrieben habe, dass nach der Gender-Literatur („Quality is a myth“) Wissenschaft und Qualität frauenbenachteiligend sind, weil sich Männer so gerne die Nächte in Labors um die Ohren schlagen, während Frauen „work-life-balance“ bräuchten (vulgo: faul sind)? Dass Männer an der Labortür von sich abstrahieren und ihre Sexualität und so weiter draußen am Kleiderhaken hängen lassen? Genau diese Sorte Nerds waren wir.

Und wir waren stubenrein. Wir haben nicht geschmutzt, nicht gekackt, nicht gekotzt.

Wir sind nicht zum saufen an die Uni. Wir sind dahin, um die weltbesten Informatiker zu werden.

Ich muss dabei allerdings etwas einräumen. Das war nicht immer und überall so. Mein Vater war in einem Studentencorps, und der hatte mich dann auch später, als ich schon da und Kind war, bei Besuchen so zwei oder dreimal mitgenommen.

Ich hatte gefragt, warum die da so viele Dellen in der Decke haben. Sah aus wie die Oberfläche eines Golfballs. Antwort: Man lässt hier immer die Sektkorken an die Decke schießen.

Ich hatte gefragt, warum die Gesangbücher auf Vorder- und Rückseite je vier dicke Metallnägel wie Möbelfüße haben. Antwort: Beim Saufen wird der Tisch nass, und die Nägel sind da, damit das Gesangbuch nicht flach auf der Tischplatte aufliegt und nicht vom Bier auf dem Tisch nass wird.

Und da hatte mir das als Kind schon völlig gereicht, da hatte ich schon die Schnauze voll davon. Da stand für mich schon fest: „Ohne mich.“

Saufunis gab es also auch früher schon. Aber Karlsruhe war zu meiner Zeit keine. Die Leute sind zwar abends selten mal ein Bier trinken gegangen, und im Wohnheim hatten sie auch ein kühles Bier im Kühlschrank. Aber an ernstlich Besoffene kann ich mich nicht erinnern. Das war alles völlig friedlich, zivil, leistungsorientiert. Und statt saufen haben wir uns lieber getroffen, um zusammen etwas zu kochen und über alles mögliche zu diskutieren.

Ich kann mich noch erinnern, dass ich mal früh morgens, von Durlach kommend, noch drei Leute im Auto hatte, weil ich der mit Auto war und auch keinen Alkohol trinke. Die Polizei hat mich angehalten, weil sie es verdächtig fanden, dass der Beifahrersitz leer war (zwei waren schon ausgestiegen, weil ich an deren Wohnung vorbeikam), und einer hinten saß, der eben einfach hinten sitzen geblieben war. Ob der Beifahrersitz kaputt wäre. Nein, sagte ich, ich fahre die Leute nach Hause und der ist schon ausgestiegen. Ah, sagten die, Studententreffen. „Hauchen Sie mich mal an!“ (Knoblauch, aber kein Alkohol.) Testgerät. Die konnten sich partout nicht vorstellen, dass Studenten bis morgens um 3 zusammensitzen und dann nicht besoffen sind. Alles am Auto kontrolliert, Reifen, Verbandskasten, Dreieck,… alles in Ordnung.

Deshalb fand ich das auch so gruselig, als ich dann zum ersten Mal geisteswissenschaftliche Fakultäten von innen gesehen habe.