Pornographie als Export- und Ersatzwirtschaft
Ein Leser hatte den richtigen Blick.
Ein Leser hat mir etwas geschrieben, worauf ich eigentlich auch selbst hätte kommen können, aber nicht gekommen bin.
Ich hatte angezweifelt, ob Pornographie im Schema der Only Fans und der Cam-Girls, wie sie die Corona-Krise hervorgebracht hat, volkswirtschaftlich überhaupt sinnvoll sein können und ob sich die Darstellerinnen damit überhaupt in einem volkswirtschaftlich zuträglichen Sinne betätigen oder das Arbeiten einstellen und sich nur an das Einkommen anderer mit dran hängen.
Ein Leser schreibt mir aber nun, und auf den Gedanken bin ich beim Schreiben nicht gekommen, dass das selbstverständlich zuträglich sei, und zwar dann, wenn die Kundschaft im Ausland sitzt, Geld also nicht nur innerländisch im Kreis herumverteilt wird, sondern Geld aus dem Ausland dafür hereinkommt (und dann von den Damen wofür auch immer im Land ausgegeben wird). Dann ist das natürlich sogar sehr sinnvoll – für den Exporteur. Nicht dagegen für das Land der Kunden, denn da geht Geld und Kaufkraft raus und man bekommt volkswirtschaftlich nichts dafür.
Und hier sei die Hauptkundschaft fraglos im Ausland, außerhalb Australiens.
So gesehen hat Australien damit sogar eine große, florierende, digitale Exportwirtschaft: Online-Pornographie.
Die Frage wäre, ob die überhaupt quantitativ erfasst wird und in den Berichten auftaucht, und wieviel das im Vergleich zur restlichen Wirtschaft ist. Ich kann mich aber noch erinnern, dass ich bei meiner ersten oder zweiten Australienreise in der Zeitung (damals gab es noch diese großen, permanent veralteten unhandlichen komischen Dinger auf etwas, was man damals „Papier“ oder „Paper“ nannte, und worauf sich die Bilder nicht bewegten, und wofür man Geld bezahlen musste) gelesen zu haben, dass das größte Bordell Australiens Börsengang habe, und man da Aktien zeichnen könne. Irgendwo kam mal in den Social Media, die wären aber später pleite gegangen.
So gesehen, mit dem Auslandsgeschäft, an das ich so gar nicht gedacht hatte, ist das volkswirtschaftlich womöglich sogar eine sehr effektive Sache, weil man damit ruckzuck jede Menge Faule und Ungelernte dazu bringen kann, jede Menge Geld aus dem Ausland ins Land hereinzuholen.
Ich bin mal gespannt, ab wann das offiziell unterstützt wird. Es gibt ja schon Länder, Hotels, Bürobetreiber, die systematisch auf „digitale Nomaden“ setzen und diese unterstützen, passende Angebote machen, Hotelzimmer mit Schreibtisch und dick Internet monatsweise vermieten. Neulich kam zwar mal eine Doku im Fernsehen, dass viele dieser angeblich privat und von zuhause arbeitenden Cam-Girls in Wirklichkeit wie Sklaven in großen Fabriken mit Dutzenden, Hunderten wie Privatzimmern eingerichteten Studios arbeiten und die vermeintlichen Chats mit dem heißen, nackten Girl in Wirklichkeit irgendein fetter, hässlicher, männlicher Mitarbeiter macht. Es wäre aber eine durchaus interessante Frage, ob sich nicht irgendwann mal auch Hotels an diese Branche anpassen und dann die Räume entsprechend ausgestattet und Pornodrehs erlaubt sind.
Es gibt allerdings auch Leute, die der Ansicht sind, dass diese Branche in 5 Jahren komplett tot und weg sei, weil sie bis dahin komplett von KI ersetzt werde.
Und das wiederum ergäbe ebenfalls großen wirtschaftlichen Sinn. Wie ist die bekannte und wichtige Amazon-Cloud entstanden?
Amazon brauchte viele Server, um das wichtige Weihnachtsgeschäft zu stemmen, die den Rest des Jahres ungenutzt herumstanden und Geld kostete. Also überlegt man sich, was man damit den Rest des Jahres treiben könnte und kam auf Ideen, wie Animationsfilme zu rendern. Daraus entstand die Idee, Rechenleistung zu vermieten und letztlich das Cloud Computing. Es war also ein Weg, überschüssige Rechenleistung zu verkaufen.
Im Moment schießen nicht nur die KI-Rechenzentren aus dem Boden wie Pilze, sondern es gibt auch schon Überkapazitäten. Man merkt das an den Social Media. Ich werde auf X geradezu überflutet mit KI-Kurzfilmchen und Prompt-Anleitungen. Inzwischen bin ich dahinter gekommen, dass das nicht mehr social-media-Nutzer mit Aufmerksamkeitsdrang sind, die das posten, sondern das verkappte Werbung für KI-Anbieter ist.
Wenn die aber mit solchen Methoden werben, dann heißt das: Sie haben Überkapazitäten und suchen dringend nach Kunden.
Man wird also, genau wie Amazon damals, dringend nach Geschäftsmodellen suchen, in denen die teuren KI-Rechenzentren dann, wenn sie gerade nichts zu tun haben, Geld reinholen können. Und ich bin mir sicher, dass dann, wenn die sonst nichts besseres bekommen, die die KI Online-Pornographie und Camgirls erzeugen lassen wird. Sex sells und spätestens in der Not frisst der Teufel Fliegen.
Woran erinnert mich das?
An zwei Dinge.
Früher, so vor 30, 40 Jahren, als das Privatfernsehen aufkam, wunderte man sich, warum die nachts so viele Sexfilmchen zeigten. Der Grund war verblüffend einfach: Die hatten kein Geld und mussten schauen, dass jede Sendeminute werbefinanziert war. Nachts hat aber niemand Werbung geschaltet, also war besonders wenig Geld dafür da, nachts etwas zu senden. Man musste also zwangsläufig nachts das senden, was am wenigsten Kosten über Nutzungsrechte verursacht. Und das waren: schmudellige Softpornos und bemühte Sexfilmchen. Nicht, weil es um Sex ging. Sondern weil man damit in der Zeit, in der man kaum Werbung verkaufen konnte, möglichst billig Content bekam.
Erst später ist man dann auf Teleshopping umgestiegen, weil die keine Werbung brauchten, sondern selbst die Werbung waren und über die Beteiligung am Umsatz Geld reinkam.
Ich hatte im Laufe meiner beruflichen Tätigkeit mal mit einer sehr kuriosen Kundenbeschwerde zu tun, die keiner verstand und deshalb in meiner Abteilung landete.
Mehrere Kunden hatten sich beschwert, dass sie von einer äußert ordinär und unzivilisierten Frau angerufen worden seien, die barsch und unverschämt versucht habe, ihnen Staubsauger, Videorekorder und solches Zeug anzudrehen und offenbar wusste, dass sie Kunde von „uns“ seien. Nachdem die verärgerten Kunden der angezeigten Telefonnummer nachgespürt und gegogelt hatten, waren sie darauf gekommen, dass das eine Telefonnummer für Telefonsex war.
Großer Datenschutzalarm. Was ist da los?
Des Rätsels mühsam herausgefundene Lösung:
„Wir“ hatten (bis dahin, danach nicht mehr) einen Vertrag mit einem – eigentlich seriösen – Anbieter von Call-Center-Dienstleistungen. Das hatte der auch ordentlich gemacht, irgendwelche Kundendienste angeboten, Reklamationen annehmen und solche Dinge. Dann war der aber in Finanzprobleme geraten und auch noch von einer Krankheitswelle der Telefonisten erfasst worden, und kam ins Schlingern.
Außerdem hatte dieser Dienstleister verschiedene „Dienstleistungszweige“ und Call-Center unterschiedlicher Aufgaben. Eine seiner anderen, von außen nicht so ersichtlichen Call-Center-Dienstleistungen war Telefonsex. Nun lief das aber auch nicht mehr so gut, die Anrufe blieben aus, und bei den Damen vom telefonischen Gewerbe herrschte weitgehend Flaute.
Also erging an die – ungeschulten – Damen die Anweisung, in den anderen Bereichen des Unternehmens auszuhelfen, wenn sie gerade nichts zu tun haben, und dort Umsatz zu machen. Also musste die, die sonst Telefonsex-Domina war, nun Geräte wie Videorekorder und Staubsauger anbieten.
Nun war die Dame aber nicht nur nicht geschult, und konnte gar nicht freundlich, sondern sie vermochte es auch nicht, vom eben noch getätigten Domina-Telefonsex-Tonfall geistig auf freundliches Kundengespräch umzuschalten, und hatte obendrein noch vergessen, an ihrem Telefon die Telefonleitung umzuschalten, da gab es wohl mehrere Tastenfür die verschiedenen Leitungen, wie man das von Büro-Telefonen und SIP-Telefonen so kennt. Und die hatte vergessen zu drücken, oder das nicht richtig verstanden, und deshalb über die Telefonsex-Leitung raustelefoniert. Und so kam es dann dazu, dass – im Prinzip sogar legal, aber nicht erträglich – die Telefonsex-Domina irgendwelche Kunden anrief, „Knie nieder und kauf diesen Staubsauger!“, und die dabei eine Telefonsex-Nummer in der Anzeige sahen.
Sex war schon oft ein heimliches Ergänzungsgeschäft, wenn es finanziell nicht rund läuft und man offene Kapazitäten hat.
Und spätestens dann, wenn in der KI der Wettbewerb groß wird, und die sich nach Umsätzen umgucken müssen, um die hohen Anschaffungskosten reinzuholen, wird man in der (Finanz-)Not auch Pornodienstleistungen mit anbieten.
Neulich kam ein Bericht, dass in Asien viele Menschen schon mit KI-Agenten „befreundet“ sind, die als persönlichen (und teils sogar besten) Freund oder Freundin anerkannt haben. Bisher eher verbal, quatschen über alles. Die „Freundin“ sagt, in welchen Kinofilm man gehen soll, bucht die Karten, weiß, wo es heute Essen im Sonderangebot gibt. Und so weiter und so fort. Total ferngesteuert.
Dann zieht sich die „Freundin“ irgendwann eben auch aus. Gegen Aufpreis. Oder so: Wenn Du den Staubsauger im XYZ-Markt kaufst, bekommst Du 60 Minuten nackig-Zeit deiner „Freundin“ gratis obendrauf.
Und sobald man weiß, wer darauf anspringt und wem das gefällt, wird man Leuten dann auch Werbung – für Autos, Fernseher, Küchengeräten – von nackten Pornoqueens präsentieren lassen. Die KI-Überkapazitäten machen es nicht nur technisch möglich, sondern erzwingen es wirtschaftlich geradezu.
Mehrere Leser haben übrigens den Cartoon gefunden, den ich gesucht habe:
🤣🤣🤣🤣 pic.twitter.com/w75sTanRCw
— G.M. Kumar (@gmkhighness) September 8, 2026
Hier ist der Cartoon. pic.twitter.com/5QON5ASH8j
— BoganPhysicist (@PhysicistBogan) September 28, 2026
Stammt von einem gewissen Shay Kun, und das Original ist verkauft. Keine Ahnung, wo das jetzt hängt. Gab es bei Amazon auch als Kühlschrankmagnet, ist aber auch ausverkauft.