Ansichten eines Informatikers

„Wieso…?“

Hadmut
15.9.2026 16:35

Da regt mich doch inzwischen schon die Frage auf.

Weil es keine Frage (mehr) ist.

Mir geht etwas auf die Nerven.

So ähnlich, wie wenn ich „Ukraine“, „Mondlandung“ oder „Corona“ erwähne, und sofort zugeballert werde. Kümmern Sie sich um Ihren Dreck, äußern Sie sich zu Dingen, von denen Sie etwas verstehen. Da kommt man sofort in die Territorialkonflikte mit denen, die das für ihr Revier halten.

Am besten redet man nur über Dinge, die keiner versteht, und zwar auch so, dass es keiner versteht, nämlich damit jeder merkt, dass er es nicht versteht und keiner das als sein Territorium auffasst und man niemandem ins Gehege kommt. Allerdings hört einem dann auch keiner zu, und wenn ich so gestrickt wäre, wäre ich Geisteswissenschaftler geworden, denn die ticken so.

Viele stimmten mir auch zu und manche dankten, dass ich so etwas wie den Impuls mal zur Sprache bringe. Aber stimmten zwar inhaltlich zu, verweigerten aber Verständnis für das Thema, so im Tonfall der Art „Aber Herr Danisch, was soll denn das? Es stellt doch niemand in Abrede, dass die Flugzeuge da reingedonnert sind und das Gebäude die Energie aufgenommen habe.“ Doch. Genau das bestreiten verblüffend viele Leute. Es gibt die, die bestreiten, dass es überhaupt passiert sei, und die behaupten, die Videos seien nur CGI, alles Fake, die Flugzeuge habe es gar nicht gegeben. Und es gibt die, die zwar zustimmen, dass es die Flugzeuge gegeben habe, da aber einfach gar nichts passiere, weil das Flugzeug ja nur eine Aludose sei und gegen Stahl keine Chance habe, bei Alu gegen Stahl immer der Stahl gewinne, als bezöge sich Physik immer nur auf den Rangniedrigeren.

Gern genommen wird auch die Variante, dass es die Flugzeuge nicht gegeben haben könne, weil es sonst ja Trümmer geben müsse. Ein Flugzeug fliege ja nicht einfach so in ein Haus, das pralle ja ab und werde geschreddert. Impulserhaltung und Massenträgheit nicht verstanden. Masse ändert nicht einfach aus Respekt vor dem Härteren oder aus Angst vor dem Aufprall die Bewegungsrichtung.

Mir ist dabei aber noch etwas anderes aufgefallen: In den Social Media tauchten inzwischen Bilder auf, die die Umgebungsstraßen der Türme kurz nach dem Aufprall zeigen. Die Straßen sind nicht nur übersät mit Trümmerteilen, sondern auch mit Fragmenten der Flugzeuge, Außenhülle, Triebwerksteile, Partikel von Gepäck und Inneneinrichtung, sondern auch mit rosa bis roten Fetzen, von denen Leute behaupten, es sei Menschenfleisch. Und es gibt damit übereinstimmende Berichte von Leuten, die Augenzeuge gewesen sein wollen, die sagten, die Straßen seien voll auch mit Leichenstückchen gewesen. Die Echtheit der Fotos und was genau das war ist nach 25 Jahren schwer zu prüfen, dazu kommt die schlechte Bildqualität von Video- und Digitalkameras im Jahr 2001, das war ja alles noch PAL/NTSC, mit miserablen Sensoren und billigsten Objektiven. Könnte es vielleicht sein, dass die bekanntlich prüden Amerikaner, bei denen 2004 die Möpse von Janet Jackson („wardrobe malfunction“) zum Nationaldrama wurden, aus Gründen der Pietät und nach amerikanischen Sitten diese Bilder mit Leichenteilen einfach nicht gezeigt haben, und so die Legende entstand, es habe keine Trümmerteile und keine Leichenteile gegeben, die seien alle einfach im Nichts verschwunden? Obwohl es, zumindest nach Behauptungen einiger, Leichenfetzen und Flugzeugstückchen geradezu geregnet habe? Führten Medienfilter zu Informationslücken, die bei anderen Plausibilitätslücken verursachten? Als die German Wings-Maschine gegen die Alpen gedonnert ist, wurde am Rande erwähnt, dass man keine Nah-Fotos vom Unglücksort zeige, weil alles voller kleiner Flugzeug- und Leichenstückchen sei. Es wäre zumindest konsistent mit den Bildern und Aussagen, die jetzt zu 9/11 in den Medien auftauchen. Das ist wohl das typische Resultat, wenn ein Verkehrsflugzeug mit einigen hundert Stundenkilometern gegen ein festes Hindernis prallt.

Denn gefährlich sind die, die es auch nicht verstehen, aber sich einbilden, es zu verstehen. Die Kategorie der ehemaligen Wohnzimmer-Fernseher-Couch-Bundestrainer, inzwischen technisch und überheblich hocheskaliert zum Youtube-Gucker und Alles-Wisser. Aus der Generation Youtube ist eine Generation von Vom-Sofa-aus-Besserwissern geworden, die sich selbst für das Maß aller Dinge halten.

Nun hatte ich etwas zu 9/11 und Flugzeugeinschlägen, zu Physik geschrieben. Ich bin kein Physiker, aber hatte immerhin Physik Leistungskurs und zweimal als Nebenfach im Studium, und an der Schule durchgehend eine 1 oder 15 Punkte. Physik ist mir nicht grundsätzlich wesensfern. Im Gegenteil hat mich die Physik, der Physikunterricht, bei dem gar nichts geglaubt, kein Dogma verkündet, keiner Autorität gefolgt wird, sondern ausnahmslos alles experimentell probiert und empirisch beobachtet, geschlussfolgert, verifiziert, gemessen wurde, stark geprägt. Das ist mein Ding.

Insofern finde ich es frappierend, wenn ich etwas zum Impulserhaltungssatz schreibe (auch den im Unterricht experimentell untersucht, beobachtet, verifiziert und nicht einfach irgendwem auf Youtube geglaubt), und das Gebäude und dessen Teile, an denen das Flugzeug hängen geblieben ist, diesen Impuls aufgenommen haben müssen. Und es dabei völlig egal ist, ob das Flugzeug aus Granit, aus weichem Aluminium, oder aus Vanillepudding besteht. Denn die Substanz kommt in der Formel für den Impuls auch nicht vor. Es ist für viele unvorstellbar, aber 1kg Granit, 1kg Aluminium und 1kg Vanillepudding haben bei gleicher Geschwindigkeit tatsächlich den gleichen Impuls. Und das gilt sogar für 1kg Schokolade. Das können sich unheimlich (im Wortsinn) viele Leute nicht vorstellen, dass es bei Energie und Impuls nicht darauf ankommt, ob etwas hart oder weich ist, fest oder flüssig oder gasförmig (Raketen- und Flugzeugtriebwerke erzeugen ja auch Schub, nämlich durch Impulserhaltung, obwohl sie aus festem Metall bestehen und hinten nur Gas rauskommt). Sie verstehen das Argument nicht.

Viele verstehen gar nicht, was Physik überhaupt ist, sondern halten das nur für irgendeinen Erklärungsansatz, so als Gegenstück zur politischen Erklärung. Ein Wunder, dass mich noch keiner „physikalistisch“ geschimpft hat. So lehnt einer meine Ausführungen zur Impulserhaltung bei Flugzeugeinschlag damit ab, dass in meiner Erklärung nicht vorkommt, wieso dann WTC7 eingestürzt sei. Als ob ein Hinweis auf Physik erst dann legitim und beachtlich ist, wenn er alles und jedes erklärt, was an dem Tag passiert ist (und noch erklärt, wer Kennedy ermordet hat). Leute, Physik ist kein Erklärungsansatz, den man akzeptieren kann, wenn er alles erklärt und sagt, wer es war. Die Physik kümmert sich einen Scheiß darum, ob sie Euch gefällt oder Euch einleuchtet. Physik ist, wie diese Welt funktioniert, an der kann man nicht vorbei. Das ist kein alternativer Erklärungsansatz. Die Physik ist nicht wie die Straßenverkehrsordnung, die nur für Autofahrer, aber nicht für Radfahrer gelte.

Statt aber zu fragen „kannst Du das mal erklären“ oder einfach mal ein Physikbuch zu lesen, kommen gefährliche Gegenargumente, die sich in zwei Kategorien teilen lassen:

  • Wahl und Klag von Begriffen, mit Verve vorgetragen, also ob man Recht bekäme, wenn man die Sache nur richtig benennt: Man redet unglaublich gerne von „Schneiden“ bzw. „cut“, oder „Bohren“, um zu argumentieren, dass Alu nicht durch Stahl kann, weil es weicher sei und eher nachgebe, als ob jemand ein Flugzeug in eine Bohrmaschine gespannt und das WTC damit habe anbohren wollen. Dass diese Stahlträger aber nicht geschnitten und nicht gebohrt wurden, sondern gebrochen sind, und es dazu überhaupt nicht auf die Härte, sondern nur auf Kraft, Masse, Geschwindigkeit ankommt und selbst Vanillepudding Stahl brechen kann, wenn er schnell genug daherkommt, wollen die Leute nicht verstehen. Ich habe Beispiele gegeben, dass man mit einer Pistole ein Loch in ein Auto schießen kann, obwohl Blei weicher als Stahl ist, und dass einem ein Hase auf der Autobahn das gesamte Vorderauto kaputtschlagen kann, obwohl Hasen weicher sind als Stahl – es nutzt nichts. Den Unterschied zwischen Physik und Materialbearbeitung, der Molekularebene nicht verstanden. Stahl ist härter als Alu, also gibt Alu auf und der Stahl bleibt unbekümmert stehen. Begründung: Begriffswahl. Stahl ist hart wie Kruppstahl. „Bohren“. „Schneiden“. Heimwerkerwissen.
  • Analogien.

    Besonders beliebt: Eierschneider. Weil der Eierschneider das hartgekochte Ei schneidet (und das ist Schneiden und nicht Brechen), müsse sich ein World Trade Center gegenüber einem Verkehrsflugzeug genauso verhalten.

    Ich habe mal einem gesagt, er soll mal beim Eierschneider die dünnen Drähte durch Metallstreifen ersetzen, die wie beim WTC mehr als die Hälfte der Fläche abdecken, und damit mal sein Ei schneiden, und mir dann berichten, was dabei herauskommt. Keine Antwort.

    Halt mal so einen Eierschneider, während man ein hartgekochtes Ei mit 800km/h dagegen schießt. Schöne Grüße von der Physik auch.

    Oder auch die physikalische Frage nach dem Impulserhaltungssatz habe ich gestellt. Nehmen wir an, der Eierschneider funktioniere. Die Stahlträger hätten das Flugzeug ungerührt und standhaft unbeeindruckt in Scheiben geschnitten. Wo bleibt dann der Impuls? Weder der Impuls eines hartgekochten Eis, noch der eines Flugzeugs verschwinden einfach, wenn man sie in Scheiben schneidet, sondern sind dann immer noch da. Wenn das Gebäude den Impuls nicht aufgenommen hätte, worauf die Behauptung der Leute, dass der Stahl ungerührt und unbeschädigt stehen bleibt, zwingend hinausläuft, hätte auf der anderen Seite des Gebäudes das Flugzeug in schönen Scheiben herauskommen müssen. Im Prinzip tat es das sogar, aber eben nur das Kerosin und kleine Stückchen. Der Großteil blieb aber im Gebäude. Und wo die Masse bleibt, da bleibt auch der Impuls. Weil der Impuls an der Masse hängt.

    Andere kam mit panzerbrechender Uran- und Wolframmunition daher. Warum man die brauche, wenn man doch auch mit Schokolade schießen könne. Weil ein Uran- oder Wolframgeschoss keine 140 Tonnen wiegt, sondern etwa eine A-10 einen ganzen Munitionsbestand davon haben muss, das Ding also mit möglichst kleinem Volumen und kleiner Masse möglichst viel Impact erzeugen soll, das aber nicht über den Impuls tut. Denn hätte es diese Munition großen Impuls, würde es die A-10, die selbst nur 11 Tonnen wiegt, beim Schießen vom Rückstoß zerreißen oder zum Stehen bringen. Diese Munition funktioniert völlig anders, und das WTC war auch nicht gepanzert.

    Seltsamerweise aber folgern die Leute nicht aus den Bildern und Videos, dass man um in das WTC einzudringen keine Uran- oder Wolframmunition brauchte, sondern ein Flugzeug reichte, sondern sie postulieren einfach, dass man Uran- oder Wolframmmunition brauche, um Panzerungen zu durchbrechen, und ein Verkehrsflugzeug zum Brechen des WTC deshalb nicht reiche.

    Ganz abgesehen davon, dass die Achsen der Triebwerke sehr schwer und gehärtet und wegen ihrer hohen Drehgeschwindigkeit stabilisiert sind und wie Superbohrmaschinen wirken, und auch das Fahrwerk sehr hart und schwer und keineswegs aus Aluminium ist.

Hartnäckig war auch einer, der bestritt, dass die Flugzeuge überhaupt in das WTC eindringen konnten. Ein Flugzeug könne niemals durch Stahl.

Ich habe im Bilder gezeigt, von der Einschlagstelle, auf denen man deutlich sieht, dass es da die Streben nach innen gebrochen hatte (nicht gebohrt, nicht geschnitten – gebrochen. Zum Brechen braucht man weder Schneide noch Härte. Ich habe ja auch schon mit bloßen Händen Metall abgebrochen.).

Nein, meinte er, das sei ja nur die Fassade, nicht die tragenden Teile.

Die Fassade war beim WTC der tragende Teil. Die beiden Türme hatten außen die Gerippe, die zwar mit hellen, dünnen Panelen verkleidet waren, aber das, was man auf den Fotos und in den Trümmern sieht, diese Gerippe über mehrere Etagen, das sind die tragenden Teile. In der Mitte gab es noch einen tragenden Kern, und sonst nichts. An Kern und Fassade hat man die Etagen aufgehängt.

Das sei unwahr, beim WTC habe es keinen tragenden Kern gegeben.

Ei, sicher, so war das Ding gebaut. In der Mitte der Kern, in dem auch die Aufzüge waren, außen das Außengerippe, sonst nichts. (Ich kann mich noch erinnern, als ich 1999 auf der Aussichtsplattform auf dem Dach war. Ich kam da aus dem Keller aus der unterirdischen U-Bahn-Station per Rolltreppe in das Foyer und war erst einmal verblüfft, weil ich riesige Säulen erwartete hätte, und dieses Foyer völlig offen und leer war, und es wirkte, als würde das damals höchste Gebäude der Welt frei in der Luft über einem schweben. Was zum Teufel hält dieses Gebäude oben? Dann fuhr man in der Mitte mit dem Fahrzstuhl hoch und kam oben in eine Erklär- und Aussichtsetage mit Treppe zum Dach. Und da wurde das erklärt, wie dieses Gebäude funktioniert, nämlich durch einen Innenkern und die tragende Fassade, und sonst nichts. )

Der Mann aber bestreitet, dass es eine tragende Fasssade gab, und dass es einen tragenden Kern gab.

Ich fragte verblüfft, was denn sonst das Gebäude getragen haben soll, und schickte im Darstellungen und Baufotos, auf denen man diesen Innenkern sehen kann.

Ja, das sei ja Stahlbau und kein Beton, deshalb nicht „tragend“.

Mir gehen diese Leute, die ständig ihren Standpunkt wechseln und das alles zum Schießen auf den laufenden Keiler machen, so auf die Nerven. Der weiß gar nichts, aber alles besser. Keinen blassen Schimmer davon, wie dieses Gebäude aufgebaut war, aber will genau wissen, dass es so nicht eingestürzt sein kann, weil das Flugzeug niemals tragende Teile beschädigt haben kann (klar, wie auch, wenn es nach seiner Auffassung gar keine tragenden Teile gab und das damals höchste Gebäude einfach von selbst in der Luft kleben blieb – wie sollte ein Gebäude, das von selbst in der Luft bleibt, auch einstürzen können? Warum sollte es spontan damit aufhören, ohne tragende Teile in der Luft kleben zu bleiben?).

Er findet mich lächerlich und sagt, dass er bei einer deutschen Baufirma arbeite. Muss wohl irgendwas mit Tiefbau sein.

„Wieso?“

Was mir immer wieder auffällt, sowohl bei den Zuschriften, als auch auf social media, ist diese aggressiv vorgetragene Frage „Wieso?“

Schema: Du brauchst mir gar nicht erst mit Physik und Impulserhaltung zu kommen, wenn Du nicht erklärst, wieso WTC7 eingestürzt ist. Als ob die Anwendbarkeit von Physik davon abhänge, ob ich den Einsturz vo WTC7 erklären könne. Solange ich nicht sage, wer das war – keine Physik. Als ob die Physik nur das Musikstück wäre, was ich mir vom Wunschkonzert wünsche. Als ob ich deren Geltung aushandeln müsste.

Andere begründen ihre Verschwörungstheorien damit, dass die Regierung bis heute nicht erklären könne, warum die Türme oder WTC7 eingestürzt sind. Als ob es Pflicht und Aufgabe einer Regierung wäre, im Nachhinein zu erklären, warum ein Gebäude einstürzte.

Geschenkt.

Die Leute sind überzeugt, dass niemand erklären kann, warum die Türme oder WTC7 einstürzten.

Und genau das kann ja sogar sein, denn das Ding ist ja futsch. Das kann man nicht mehr so genau herausfinden, was da passiert ist. Das Ergebnis könnte ja durchaus sein „Wir wissen es nicht so genau, und wir werden es niemals wissen, weil das aus den Trümmern nicht mehr hervorging!“

Viele Menschen können sich aber nicht damit abfinden, dass man etwas nicht mehr klären kann, dass man etwas nicht weiß. Sie brauchen unbedingt eine Erklärung, die nicht physikalisch korrekt ist, sondern die mit ihrem Hirn kompatibel ist, die deren Bedrohungssituationsgefühl bestätigt. Amygdala-Futter. Es muss den Bösen geben. Teufelswerk, sagte man früher. Der Grund, warum es Kobolde, Klabautermänner und so etwas gibt, weil man Schuldige brauchte. Es ist für manche Teile des Gehirns wichtig, sich Vorgänge zu erklären, indem man einen Schuldigen, einen Bösewicht hat, der Schuld daran ist, der eine Absicht dahinter verfolgt.

Warum ist das so? Ich vermute, dass auch das archaische, evolutionäre Gründe hat. Das Hirn, die Amygdala, sind dazu da, um uns vor Gefahren und Angriffen zu schützen. Säbelzahntiger. Gefahrenabwehr hat aber immer auch mit der Erkennung von Absichten zu tun (ich hatte viel dazu geschrieben, dass Frauen schlecht sind, Absichten anderer zu erkennen und Bewegungsrichtungen zu erkennen und zu extrapolieren, Kollisionen zu prognostizieren). Unsere Weltsicht, sogar unsere Sprache beruht auf Subjekt-Prädikat-Objekt. Das Hirn frisst, akzeptiert es nur, wenn es einen handelnden Böse gibt. Deshalb braucht die Kirche einen Teufel. Das ist die Grammatik des Begreifens, seit wir Reptil waren. Geisteswissenschaften und Feminismus funktionieren auch so: Man muss den Schuldigen haben, weil Gefahren nur als Angriffe erfasst werden können und jede Gefahr im Hirn die Reaktion auslöst, den Angreifer zu erkennen, damit man den nächsten Angriff vermeiden kann. Wir begreifen nicht mechanisch, nicht physikalisch, nicht empirisch. Wir brauchen die Täterschaft, damit das Hirn Ruhe findet. Deshalb brauchen wir die Verschwörungstheorie. Das Hirn will Täter. Und dann: Hang ’em higher, Gefahr gebannt.

Das „Wieso…?“ ist keine Frage. Es ist ein Vorwurf. Noch nie hat einer, der das gefragt hat, eine Antwort auf die Frage hören wollen.

Sie sind wie Soziologen. Ich hatte oft beschrieben, dass bei den Soziologen die Dummheit vorherrschend ist, dass wer eine Korrelation findet, sich eine Kausalität frei wählen darf.

Und wer ein „Wieso…?“ findet, der darf sich einen Schuldigen frei aussuchen.

Man trägt diese „Wieso“ wie eine Beschuldigungslegitimation vor sich her. Jeder vernünftige Mensch würde folgern „Wenn ich nicht weiß, warum das WTC7 eingestürzt ist, dann bedeutet das im Wesentlichen: Ich weiß es nicht.“ Will ich es wissen? Ist es mir den Aufwand wert? Kann ich damit leben, es auch weiterhin nicht zu wissen? Oder muss mich die Stelle mit einem Schuldigen füllen?“ Und dann folgert man daraus, dass man nicht weiß, wieso WTC7 eingestürzt ist, dass es böse Mächte gewesen sein müssen. Obwohl man ja gleichzeitig sagt, dass man ja nicht wisse, wie es passiert ist.

Wie bei UFOs.

UFO heißt nur „unidentified flying object“. Es fliegt, und wir wissen nicht, wer und was das ist. Mehr sagt es nicht. Trotzdem ist (und vor allem war es früher) identisch mit Außerirdischen. Seit Jahren frage ich immer mal wieder Ufologen, woher sie denn wissen wollen, dass es Außerirdische sind, wenn es doch „unidentified“ sei, während Außerirdische doch schon eine Art Identifikation sei. Nie eine Antwort bekommen.

Es gibt Dinge, die man am WTC-Einsturz nicht versteht. Also muss es eine Verschwörung gewesen sein.

Weil man nicht einsieht, dass man ohne Ausbildung, ohne Ahnung und vom deutschen Sofa aus gar keine Möglichkeit hat, das per Mausklick herauszufinden, und man sich vielleicht einfach damit abfinden könnte und sollte, dass man es nie mehr wird wissen können, muss eine Ersatzlegende her.

Oh, versteht mich nicht falsch: Ich will keinesfalls bestreiten, dass da die US-Regierung dahintersteckte. Wie könnte ich das bestreiten? Ich weiß es ja nicht.

Aber es gibt da dieselben Probleme wie bei der Mondlandung:

  • Die Fälschung der Mondlandung wäre viel aufwendiger als die Mondlandung selbst. Warum sollte jemand sich auf eine Fälschung einlassen, wenn es doch effektiv einfacher ist, wirklich auf dem Mond zu landen?
  • Man bräuchte zehntausende Eingeweihte, Mitwisser und Helfer. Es ist ausgeschlossen, das da bis heute keiner geplaudert hätte, es niemand als Notizen im Nachlass hinterlassen hätte.

Es gäbe längst Dutzende von Büchern darüber, wie man die Mondlandung gefälscht habe.

Dasselbe beim WTC: Warum sollte man das mit jahrelangen Vorbereitungen sprengen? Selbst wenn es eine Verschwörung und absichtliche Sabotage war: Viel zu aufwendig, viel zu entdeckungsgefährdet. Es haben sich einige Sprengmeister dazu geäußert und durchweg gesagt, dass eine solche Sprengung ein Riesenteam und zwei, drei Jahre Vorbereitung gebraucht hätte, die unmöglich unentdeckt gelieben wären.

Aus irgendwelchen Gründen sind die Leute überzeugt, dass ein Flugzeug mit 140 Tonnen Gewicht, 800 km/h und vollgetankt mit Kerosin nicht reichen würde, um einen Turm niederzumachen, aber geschickt platzierte „Nano-Thermitladungen“ schon? Weil die Bösen dahinter stecken?

Wie in Gender Studies: Die behaupten auch ständig, sie würden alles „hinterfragen“ – aber ich habe noch nie einen Frage bei denen entdecken können. Und wehe Euch, Ihr versucht, denen eine Antwort zu geben. Weil „Fragen“ dort rein rhetorisch gedacht ist. Es ist nur die Verkleidung der willkürlichen Behauptung, der Vorwurf, mit dem die Aktion gerechtfertigt werden soll. Wie sie auf den Gender-Quatsch kommen, sagen sie nicht.

Ich halte es – wieder einmal – für ein Problem des Gehirns. Man versucht, einen Vorgang des 21. Jahrhunderts mit Teilen des Gehirns zu verarbeiten, die in der Frühzeit der Säugetiere oder zur Zeit der Reptilien entstanden sind.

Und ich halte es für ein Versagen der wissenschaftlichen Schulbildung.