Ansichten eines Informatikers

Wenn 9/11 heute passieren würde …

Hadmut
14.9.2026 21:17

Eine Überlegung.

Abgesehen davon, dass jetzt ein Muslim Bürgermeister von New York ist und das vielleicht ein Hemmnis darstellen könnte, gäbe es die politische Weltlage durchaus her, dass der Anschlag von 9/11, wenn er damals nicht stattgefunden hätte, heute stattfinden könnte.

Obwohl man jetzt natürlich einwenden könnte, dass wenn 9/11 2001 nicht stattgefunden hätte, wir heute eine gänzlich andere Lage im Nahostkonflikt hätten und eine solche Aussage deshalb gar nicht haltbar wäre. Es ist anzunehmen, dass es den Krieg gegen den Irak nicht gegeben und man Saddam Hussein nicht gehängt hätte, Muammar al-Gaddafi wohl auch nicht so gestoben wäre, und vieles seither ganz anders verlaufen wäre. Man könnte sogar argumentieren, dass die Annahme, es wäre 2001 nicht passiert, sogar voraussetzte, das vorher vieles anders gelaufen wäre, diese „was wäre wenn“-Frage also völlig unhaltbar und spekulativ wäre, weil wir dann eben keine Welt nur ohne 9/11, sondern eine gänzlich andere wären. Man könnte auch vermuten, dass es stattdessen noch einen ganz anderen, viel größeren Anschlag gegeben hätte. Oder vielleicht hätten wir uns alle lieb.

Seriös kann man diese Frage also nicht stellen. Aber vielleicht unterhaltsam, hypothetisch, zeitkritisch.

Ich meine damit nämlich nicht so sehr einen Anschlag von Islamisten, sondern einfach den Vorgang als solchen.

Wie so viele Leute weiß ich noch, was ich damals an diesem Tag gemacht habe. Ich saß in Karlsruhe in der Firma im Doppelbüro mit einem Kollegen, der recht nerdig drauf und deshalb ständig in irgendwelchen Foren und Newsgruppen eingeloggt war, heute würde man es social media nennen. Der erfuhr das deshalb innerhalb von Sekunden nach dem ersten Einschlag, weil Leute aus New York das natürlich sofort posteten, und sagte das ganz aufgeregt sofort. Wir dachten erst, das wird eine Cessna oder so etwas gewesen sein, die da jetzt in einem Fenster hängt, Herzinfarkt des Piloten oder so etwas, aber schon Sekunden später: Nein, das war so ein richtig großes, professionelles Verkehrsflugzeug. Und das habe den Tower nicht gestreift, sondern genau getroffen. Was ich seltsam fand, weil ich im Herbst 1999 in New York und auf der Aussichtsplattform auf dem Dach eines der beiden Tower war (der ohne Antenne). Wir wussten das lange, bevor das in den Nachrichten kam.

Dann erzählte der da eine Weile, was ihm Leute da in einem Forum berichteten, und wir nahmen das noch nicht so ernst, als er plötzlich sagte, dass in den anderen Turm auch ein Flugzeug eingeschlagen war. Da wussten wir, dass das kein Unfall mehr ist, und wurden sehr aufmerksam, weil dann auch die Meldung mit dem Pentagon kam und dann die Meldungen, dass die Türme einstürzten. Und das war dann Alarm, weil wir als Internet-Provider Router in den USA hatten – unter dem WTC. Kurioserweise funktionierten die noch ungefähr 24 Stunden lang, wir wissen nicht, wie und warum, aber es war genug Zeit für uns, irgendwelche Ersatzrouten zu organisieren. Weil uns das unmittelbar betraf, baute irgendwer einen Monitor als Streaming-Fernseher auf dem Gang auf, und dann war natürlich der Tag gelaufen, weil man dann nur noch das schaute. Dann kam das Kommando „Macht Feierabend“, weil klar war, dass sowieso niemand mehr etwas anderes machte als Fernsehen schauen, und ich habe dann zuhause die Nacht durchgeschaut und am nächsten Tag HomeOffice gemacht, weil ARD und ZDF ja das komplette Programm gekippt hatten und so ungefähr 48 Stunden lang gar nichts anderes mehr sendeten.

Der Rest ist Geschichte.

Aber nun stellt Euch mal vor, das wäre identisch, aber heute, in heutigen Umgebung aus Medientechnik, Internet, KI, Social Media passiert.

Damals hatten wir ja noch die Zeit der analogen und frühen digitalen Videorekorder, an Videos in Social Media war noch nicht zu denken. Ich hatte mir für die US-Reise 1999 eine Kodak DC240 beschafft, mit der ich gute, aber sehr schlichte Fotos machen konnte. 1 Megapixel, aber weil der Speicherplatz sehr teuer war und für die Reise nicht reichte, oft nur auf ein Viertel Megapixel reduziert. Videos undenkbar. Die anderen im Bus betrachteten wie mich einen Zauberer: Der Kerl macht Fotos und kann sie sofort zeigen. Auf dem Kamerabildschirm in der Größe einer Briefmarke.

Was also wäre, wenn dasselbe statt damals beim heutigen Stand der Handy- und Medientechnik passiert wäre?

Millionen von Handy-Videos, alle sofort auf X, Fecebook, Tiktok, Instagram gepostet. Die Server würden wohl zusammenbrechen.

Horden von Youtubern und Influencern, die zur Unglücksstelle hinrennen und in die Türme reingehen würden, um das geilste Video zu machen. Interviews mit Betroffenen. Fotos von Leichen.

Schwärme von Drohnen. Leute würden nicht mehr nur einfach in Todesangst vor Verbrennen freiwillig vom Turm in den Tod springen, sondern Drohnen würden ihnen dabei ins Gesicht schauen, sie vielleicht noch interviewen.

Polizeihubschrauber kämen nicht mehr an die Türme, weil alles voller Drohnen wäre.

Dafür würden die Opfer aus dem Turm, die oben Eingeschlossenen noch live streamen, solange der Akku hält. So, ich kann nicht mehr, ich springe jetzt. Sprung live auf dem Handy.

Auch die Leute in den Flugzeugen würden Videos drehen. Ihre letzten Sekunden. Etwa die, die das Flugzeug selbst zum Absturz gebracht haben. Das wären doch Aufnahmen für die Geschichtsbücher, zu sehen, was da im Flugzeug vor sich ging. Entweder noch gestreamt, oder weil die eine oder andere Speicherkarte den Absturz überstanden hätte. Damals gab es ja noch Telefonate mit Leuten in den Fliegern. Heute gäbe es Videos.

Doch würden wir es noch glauben?

Überlegt mal, schaut mal, wieviele Leute es für Fake, für CGI halten.

Wie erst würde man heute reagieren? Solche Videos von Flugzeugen in die Türme. Würde heute doch jeder für Quatsch halten: Certified AI Fake, und ein ganz schlechter noch dazu. Die Videos von damals sehen doch aus wie schlechte KI-Fakes.

Und natürlich würden wir auch noch mit KI-Fakes überschwemmt, weil wirklich jedes Arschloch sich auf Social Media wichtig machen wollte und das erste Einschlag-Video zeigen wollte. Vermutlich wären zwischen 90 und 99% der Videos tatsächlich KI-Fakes.

Dazu jede Menge Falschinformationen. Videos von 800 Orten, an denen auch Flugzeuge eingeschlagen wären.

Werbevideos von Flugzeugen mit Werbeaufdrucken.

Ulk-Videos jeder Art.

Sofortige politische Ausschlachtung. Politische Forderungen, Rassismus, Diskriminierung, Demonstrationen gegen rechts.

1001 Talkshows mit blöden Fragen und irrelevanten Gästen, die immer schon mal, oder schon wieder vor die Kamera wollten.

Klimadebatte, Umweltschutz, Trump ist schuld.

Forderungen für den Neuaufbau, ökologisch, sozial, Enteignung.

Wären wir heute überhaupt noch in der Lage, mit der Information umzugehen?

Haben wir uns inzwischen so „durchprofessionalisiert“ und darin bis zur Selbstverständlichkeit geübt, noch die kleinste Nichtigkeit medial auszuwalzen und dazu alles von jedem sagen zu lassen, jeden Floh zum Elefanten hochzuskandalisieren, und alles so mit Fake auszuspachteln, dass wir mit einer solchen Information gar nicht mehr umgehen könnten?

Hätten wir einen Zusammenbruch unserer ganzen Informationsinfrastruktur durch Verstopfung? Weil Millionen Videos posten würden, Zehnmillionen KI-Fakes verteilen und Milliarden ihren Senf dazu geben müssten?

Würde die Menge an produzierten Daten die Speicherkapazität überschreiten?

Würde unsere heutige Infrastruktur 9/11 überhaupt noch aushalten?

Oder sind wir umgekehrt schon so abgebrüht, dass es kaum noch jemanden ernstlich interessieren würde? Reaktion „Juhu, das haben die Kapitalisten verdient, und es waren ja auch überwiegend weiße Männer…“ und so „Befreiung nach der Knechtschaft des Kolonialismus“ und „Schwarze dürfen das jetzt auch“?