Fälschungssicherheit auf chinesisch
Ist mal eine Idee.
In China gilt ja das Plagiat, so habe ich mir sagen lassen, als Nationaltugend. Man versteht es nicht als geistigen Diebstahl, sondern wer das gleiche billiger baut, der gilt als der bessere Ingenieur. Oder zumindest war das lange Zeit so.
Ich habe darüber mal eine Abhandlung im Kontext von Kettensägen gelesen. Ich glaube, es ging um Stihl-Sägen, bin mir aber nicht mehr sicher. Ein deutscher oder europäischer Anbieter bemüht sich, spätestens alle paar Jahre ein neues Modell auf den Markt zu bringen, an dem irgendetwas verbessert ist, das irgendetwas mehr oder besser kann. In China sei es umgekehrt: Da bestehe der Ansporn, der Reiz darin, die gleiche Waren wie letztes Jahr, aber billiger herzustellen. Deshalb seien Lieferverträge mit chinesischen Herstellern problematisch und man solle sie nicht über längere Zeit schließen. Denn es könne gut sein und passiere oft, dass man anfangs tadellose, einwandfreie Ware bekommt, die über die Laufzeit des Vertrags aber immer schlechter, immer billiger in der Qualität werde, weil es dort als normal gelte, dass Vertragspartner ihre Position optimieren, indem sie die verhandelte Ware immer billiger herstellen. So genau stehe das ja auch gar nicht im Vertrag. Man bekommt also immer schlechtere Ware geliefert.
Darin wurzelt auch deren Plagiatsdrang: Die Überzeugung, dass man das Produkt auch herstellen könne, aber billiger. Und das so, dass man es kaum oder gar nicht unterscheiden könne. Was bei uns als kriminelles Plagiat angesehen wird, gilt dort als Befähigungsnachweis: Sich etwas ansehen und es nicht nur nachbauen können, sondern sogar billiger.
Natürlich hat man damit ein Probleme, weil die Qualität arg leidet. Anscheinend etabliert sich dort aber gerade eine neue Art von Echtheitsnachweis:
不懂就问,在线材里面封上人民币是啥意思? pic.twitter.com/JGIGytTNYC
— 怪盗一只耳 (@yizhier_btc) September 9, 2026
Aus den Erklärungen dazu habe ich gefunden, dass das eine Maßnahme gegen Fälschungen ist. Bei plagiatsgefährdeter Ware packen die Originalhersteller mehrere Geldscheine in die Ware mit rein. Vermutlich wird man das einfach auf den Preis draufschlagen, weil der Käufer ja das Geld gleich wieder zurückbekommt. Und der Originalhersteller veröffentlicht die Seriennummern der eingepackten Geldscheine auf seiner Webseite. Ein Fälscher kann das aber nicht nachbauen, weil sie alles fälschen – außer Geldscheine. Darauf stehen wohl drakonisch hohe Strafen, das traut sich niemand.
Und die Wahrscheinlichkeit, im normalen Zahlungsverkehr ausgerechnet auf genau die drei oder vier Geldscheine zu stoßen, die vorher – wie im Video – zusammen in einem Verpackungsstück mit drin waren, ist nicht nur sehr gering und geht gegen Null, es wäre auch ein reiner Zufallstreffer, wäre nicht im Maßstab industrieller Produktion wiederholbar.
Und damit ist die Kombination aus drei, vier Seriennummern von Geldscheinen ein im großen Maßstab ziemlich fälschungssicheres Merkmal.
Lustige Idee.
Aber nicht das, wofür der Staat die Geldscheine herstellt. Abzuwarten, ob die Regierung da zuschaut.