Ansichten eines Informatikers

Das Krapfenproblem der CDU

Hadmut
9.9.2026 12:24

Mir schwirrt so eine Analogie im Kopf dazu herum, woran die CDU zugrunde geht.

Habt Ihr schon einmal in einen Berliner gebissen?

Oh, nein, bitte nicht wieder diese Diskussion. Wenn man in Berlin in einer Bäckerei Berliner bestellt, wird man angeraunzt. „Dit sin Pfannkuchen. Berliner sin wa selba!“

Was daran liegt, dass der Berliner (also der Einwohner) nur eine unterkomplexe Teilmenge des Deutschen spricht. Denn die richtige Bezeichnung lautet „Berliner Pfannkuchen“ (oder auch „Berliner Krapfen“). So, wie „Frankfurter Würstchen“. Als Orts- oder Herkunftsangabe oder nähere Eingrenzung. Als vom Ort abgeleitetes indeklinables Adjektiv, das bei Orts- und Herkunftsangaben wie der Name, von dem es abgeleitet wird, groß geschrieben wird. Wie „Berliner Weiße“. Es ist also völlig richtig, diese Pfannkuchen „Berliner“ zu nennen, auch wenn es Berliner überfordert, zwischen dem Substantiv Berliner und dem Adjektiv Berliner zu unterscheiden.

Früher wurden Berliner dafür verspottet, dass sie Dativ und Akkusativ nicht auseinanderhalten können. Heute wäre man froh, wenn man nur dieses Problem hätte und es überhaupt noch eine Deklination und einen Kasus gäbe („Geh isch Aldi“). Wobei zu beobachten ist, dass es das schon noch gibt, aber Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ zunehmen durch „halal“ und „haram“ ersetzt werden. Hier gibt es kaum noch einen Imbiss, der nicht „halal“ ist, was immerhin eine Abwechslung zum apostrophierten Imbiss ist („Gabi’s Imbiss“), denn da dominieren wieder die Ortsangaben, aber grammatikalisch unter Verlust der Endung -er („Istanbul Imbiss“ statt Istanbuler Döner“), während sich die Apostrophe mehr der Dienstleistung zuwenden („Gabi’s Nagelstudio“).

Seltsamerweise tendieren die Herrenfriseure, die hier wie Pilze aus dem Boden schießen (oh, verdammt, nein, nein, das nehm ich zurück, es ist völlig missverständlich, an der Grenze von Kreuzberg von „schießen“ zu sprechen, weil da nicht die Friseure aus dem Boden schießen, sondern die Schutzgeldmafia auf die Friseure oder zumindest deren Fensterscheiben schießt), einigen wir uns auf „sprießen“) inzwischen zu englischen Bezeichnungen. Das gilt als chic, ist aber eher eine Flucht vor der deutschen Grammatik. Und rechtfertigt Apostrophe.

Worauf ich eigentlich hinaus will:

Habt Ihr mal in einen Berliner (adjektivisch!) gebissen?

Für die, die das noch nicht getan haben, als Ersatzübung: Hat Ihr mal in einem mit Soße überfüllten Hamburger (wieder adjektivisch!) gebissen?

Die Gefahr ist groß, dass man reinbeißt, und die flüssigen Anteile hinten rausquellen. Deshalb ist das beim Berliner ratsam, zunächst das Loch zu suchen und dann beim Loch reinzubeißen, während man beim Hamburger recht chancenlos ist. Denn beißt man gegenüber des Loches, dann quetscht man die Füllung zum Loch raus.

Mir kommt die ganze Zeit, insbesondere bei den aktuellen Wahl- und Umfrageergebnissen, die CDU so vor, als habe sie den Wähler verspeisen wollen, und beim Reinbeißen ist das alles nach hinten rausgequollen, weil man nicht damit gerechnet hat, dass der Wähler auch nach hinten weg kann.