450kg Poller und ein Polizist
Ein großer Schmerz.
Ich war heute mal am Brandenburger Tor, schauen, was da los ist. Nicht allzuviel, es liegen halt ein paar Blumen herum.
Ich war auch in der Ebertstraße an dem Parkbereich, in dem der Anschlag auf den CSD passiert ist, hatte dann aber gar keine Lust, da reinzugehen und mir den Tatort anzusehen. Es schien mir irgendwie unangebracht, und ich glaube auch nicht, dass man da, außer vielleicht ein paar Reifenspuren, Blumen und vielen Schaulustigen etwas sehen kann. Es kam mir irgendwie geschmacklos und irrelevant vor, mir das anzuschauen.
Was mir aber auffiel, war, dass auf der Straße, vor dem Park, gleich zwei Polizei-LKW standen. Der kleine Fahrzeugtransporter, den man schon auf den Fotos gesehen hat, der das Tatfahrzeug abtransportierte. Und so eine Art Tieflader. Beide mit Aufschrift POLIZEI, beide mit Blaulicht an.
Man lud mit Hilfe des Krans an dem kleinen Fahrzeugtransporter Poller auf den Tieflader.
Schutzpoller, die davor schützen sollen, dass Fahrzeuge in die Menschenmenge fahren können.
Makaber.
Ein Polizist stand während des Aufladens daneben, und lehnte auf einem dieser drei Poller, die noch auf dem Boden standen.
Ich hatte mir die Poller angesehen und ihre Konstruktion. Eine hohe Säule, und unten eine sechseckige Bodenplatten aus massivem Stahl, mit Krallen. Offenbar nicht dazu gedacht, ein Fahrzeug stehend aufzuhalten, sondern dann, wenn das Fahrzeug gegen die Säule des Pollers fährt, umzukippen und dadurch, die Hebelwirkung, die Bodenplatte aufzurichten und das Fahrzeug aufzubocken, aufzuspießen. Eine Seite mit den Krallen im Boden, die andere Seite fasst das Fahrzeug von unten.
Weil die Dinger natürlich nicht hochglanzpoliert, sondern grob gefertigt sind, war mir nicht so richtig klar, ob die Säule auch aus Metall, oder aus Beton gemacht ist, und habe mal mit dem Finger dagegen geklopft, um das Material zu fühlen. Anscheinend Metall, grob, massiv, aber dick lackiert, deshalb gar nicht mal auf Anhieb beim Klopfen zu spüren. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass ich einen Anschiss bekomme, ich solle die Finger weg lassen, aber nein. Der Polizist machte im Gegenteil einen Schritt zur Seite, als wolle er mir sogar Platz machen, um mir das Ding genau anzusehen und mich davon zu überzeugen, dass sie da eigentlich so richtig gute, stabile Poller aufgestellt haben.
Man spürte förmlich, wie unangenehm, wie peinlich ihm das war. Er schaute weg. Das hat den Mann so richtig gequält.
Ich fragte in einem möglichst neutralen, sachlichen Ton: „Wissen Sie, wie schwer diese Poller sind?“
Seine Antwort, bemüht sachlich, aber hörbar sehr, sehr angefasst „450 kg“.
Ich sagte nur „Danke!“ und bin weiter gegangen.
Es war sehr zu spüren, wie sehr das, was passiert ist, der Polizei weh tut.
Das liegt diesen Leuten sehr schwer auf der Seele.
Ich hatte den Eindruck, aber vielleicht täusche ich mich, dass sie sich schämen.
Was tun wir da eigentlich diesen Leuten an, denen wir gleichzeitig die Last auferlegen, uns zu schützen, und sie vor diese unlösbare Aufgabe stellen?
Wie kann man nur so mit Leuten umgehen?