Das Schlechte mit dem Negativen verbinden: Das „Reallabor Wohnlokal“
Wie man in Kassel versucht, ein Problem mit dem anderen zu lösen.
In Kassel hat man zwei Probleme:
- Viel zu wenig Wohnraum für Studenten.
- Immer mehr leerstehende Läden in der Innenstadt, weil die Wirtschaft den Bach runtergeht.
Also kam man auf die glorreiche Idee, warum nicht einfach die Studenten in die leerstehenden Läden einzuquartieren. Ergebnis:
Erinnert mich an meine Studentenzeit.
Ich hatte doch mal erzählt, dass ich zwar nicht selbst in einer WG gewohnt habe, aber häufig bei zwei Informatiker-Kumpels zu Besuch war, die mit einem entsetzlichen Physiker zusammengewohnt haben, der grundsätzlich Essen klaute. Ich hatte mal eine Obsttorte vom Bäcker mitgebracht und die im Wohzimmer nur für einen kurzen Augenblick aus den Augen gelassen, schon hatte der Kerl alle Obstückchen aus der Glasur herausgerissen und den verwüsteten Rest der Torte einfach stehen lassen. Einer der Informatiker meinte, seine Tafeln Schokolade wäre sicher, wenn er sie in den Spalt zwischen Kleiderschrank und Rückwand fallen lässt. Half nichts. Der Physiker ging tagsüber in dessen Zimmer, um es zu durchsuchen, und riss den Schrank mit Gewalt nach vorne.
Und diese WG war in einem stillgelegten Geschäft. Dieses Wohnzimmer hatte noch nach vorne zur Straße hin Ladenfront mit großen Scheiben und Eingangstür, allerdings mit Rolladen verschlossen. Ich habe gerade mal auf Streetview nachgesehen. Inzwischen ist, wenn ich die Adresse richtig in Erinnerung habe, wieder ein Ladengeschäft drin.
Neu ist das also nicht, Leerstehende Ladengeschäfte mit Studenten zu befüllen. Das gab es in meinem Studium auch schon. Aber das war ein Einzelfall. Das war nicht so, dass man ein ganzes Ladensterben hatte.
Man sieht daran aber schön, wohin es städtebaulich geht: Geschäfte und so etwas weg, alles nur noch mit Menschen vollgestopfert, oder wie man so schön sagt „nachverdichteter“ Wohnraum.
Eigentlich sind Städte nur noch Gleich-Menschen-Hochregallager.
Der Sozialismus stapelt „Gleiche“ in einem riesigen Lager ein.