Ansichten eines Informatikers

Der digitale Escort-Service

Hadmut
20.7.2026 21:37

Wetten, dass jetzt etwas ganz anderes kommt, als Ihr erwartet?

Golem hat einen Artikel über einen Spionage-Fuckup in Amerika.

Das Pentagon, und überhaupt kritische IT-Infrastrukturen dürfen in den USA nur von US-Bürgern betüddelt und gepflegt werden. Als Schutz gegen Spionage und Saboteure.

Ich hatte ja mal berichtet, dass ich Anfang der 2000er Jahre auf einigen Fachkonferenzen in den USA war, und die dort in den Neben- und Hinterzimmern rekrutiert haben. Dabei hat man auch – sehr diskret und unauffällig, das hätte ich eigentlich auch gar nicht wissen und erfahren dürfen – nach Leuten gesucht, die für die großen IT-Firmen unauffällig als Developer usw. arbeiten, dabei aber Spione und Saboteure, „Maulwürfe“, ausfindig machen, weil es bekannt geworden war, dass die US-Geheimdienste Spionage und Saboteure in die großen Firmen eingeschleust haben, die heimlich Backdoors in die Software einbauen, sie also unsicher machen. Das hat den großen Firmen aber gar nicht gepasst, und deshalb suchten sie unter den Sicherheitsexperten auf der Konferenz so ganz diskret und am Rande, teils getarnt hinter den normalen Rekrutierungsgesprächen, Leute, die da so vor sich hinentwickeln und bemerken, wenn jemand anderes Schwächen in den Code einbaut, kryptographische Lücken und so weiter.

Sie sagten, fachlich würde ich passen, aber persönlich ginge das gar nicht, weil nur US-Amerikaner für den Job in Frage kämen. Erstens, weil nur US-Amerikaner unauffällig wären und selbst keinen Verdacht erregen, Angreifer nicht abschrecken, und zweitens, weil man Leute brauchte, die muttersprachlich amerikanisch sprechen, um jeden Unterton, jedes Detail sofort zu vertehen und auch regionale Ungereimtheiten zu entdecken. Aber eben auch aus Geheimhaltungsgründen, weil man einfach nicht will, dass ein Nichtamerikaner davon überhaupt erfährt.

Seitdem ist mir das aber aufgefallen, dass es in den USA einige Jobs in der IT und IT-Sicherheit gibt, die nur für US-Amerikaner zugänglich sind. Und auch das ist nicht neu, denn die Kryptokriege der 1990er drehten sich ja schon darum, dass nur US-Amerikaner Zugang zu starker Verschlüsselung bekommen dürften.

Und da gab es nun laut Golem einen richtigen Fuckup: Microsoft-Mittelsmänner vertrauten blind auf Codesicherheit

Neue Informationen zeigen im Detail, wie Microsoft getrickst hat, um für den IT-Support im Pentagon chinesische Ingenieure einsetzen zu können.

Microsoft soll für die IT-Betreuung des US-Verteidigungsministeriums (Pentagon) jahrelang ein System namens Digital Escorting verwendet haben. Eine investigative Recherche von Propublica hat aufgedeckt, dass der IT-Support des Konzerns teilweise von Software-Ingenieuren in China durchgeführt worden ist.

Das Ergebnis der Recherche war brisant, da laut den Regeln des Pentagons nur US-Bürger mit Sicherheitsüberprüfung an derartigen Systemen arbeiten dürfen. Für das Modell des Digital Escorting soll Microsoft tatsächlich US-Bürger beschäftigt und hiebei ehemalige Militärangehörige bevorzugt haben.

Diese fungierten aber nur als Begleitung (Eskorte) für in China ansässige Entwickler, die das vorliegende IT-Problem lösten und den Code an ihren US-Eskort schickten. Der speiste den Code dann in das Netzwerk des Pentagon ein.

Was kann da schon schief gehen.

Und die haben den Code dann sicher nachgeprüft, oder der auch in Ordnung ist? Aber, ja:

Der Reporterin Renee Dudley, die die Recherche durchführte, sagten die Eskort-Mitglieder, dass ihnen häufig das Fachwissen gefehlt habe, um zu verstehen, was der Code tatsächlich machte. Sie vertrauten darauf, dass der Code sicher sei. Experten bezeichneten dies im Gespräch mit Dudley als ideale Gelegenheit, um Spionage durchzuführen oder Schadcode einzuschleusen.

Toll.

Und ich vermute, dass einer der Gründe, warum sie gerade Sicherheits-KI entwickeln wie bekloppt, damit zusammenhängt, dass sie ihren gesamten Code-Bestand überprüfen müssen, ob da Backdoors drin sind.

Ich bin mal gespannt, wie die in solchen Fällen reagieren, denn in Sachen militärische Geheimnisse kann man sich in den USA sehr leicht so richtig lange Freiheitsstrafen bis viermal Ewigkeit einhandeln. „Chelsea“ Manning zu ursprünglich 35 Jahren Gefängnis verurteilt, von Obama begnadigt. Mit so einer Nummer kann man sich da so richtig Ärger einhandeln. Oder besser gesagt, man wird so eingemauert, dass man für den Rest seines Lebens nie wieder irgendwelchen Ärger haben wird.

Wusstet Ihr, dass unsere Bundesregierungen und die Bundesbehörden auch total auf Microsoft stehen?