Wie man aus einem fahrenden Zug fällt
Ah. Ein zugkundiger Leser bringt Licht ins Dunkel.
Guten Mittag, werter Herr Danisch!
Vielen Dank für Ihren Artikel zum Thema “Tür”!
Die Ausflüge zum Thema “Berliner Nahverkehr” und Türblockierung “TB0” hätten Sie sich sparen können, keinerlei Erkenntnisgewinnn.
Hier gibt es aus der örtlichen Presse einen rechts vernünftigen Artikel:
Wenn Sie sich (wie ich) die Frage stellen, wie man unter einer Tür aus einem Zug fallen kann, hier ein paar Bilder aus einem baugleichen Zug, ganz unten auf Bild 14 erkennt man eine absenkbare Rampe:
https://www.nahverkehr-franken.de/sbahn/sonderseiten/200609_1440-vorstellung.html
Als er keinen gültigen Fahrschein vorzeigen konnte, wollte der Zugbegleiter seine Personalien aufnehmen. Da sich der betrunkene 36-Jährige weigerte, zog der Bahn-Mitarbeiter zwei Kollegen des DB-Sicherheitsdienstes hinzu, die sich ebenfalls im Zug befanden.
Auch gegenüber den Sicherheitsmitarbeitern verweigerte der 36-Jährige die Angabe seiner Personalien. Als er anschließend aufgefordert wurde, den Zug zu verlassen, weigerte er sich erneut und wurde zunehmend aggressiv. Im weiteren Verlauf griff der Fahrgast den 26-jährigen Mitarbeiter des DB-Sicherheitsdienstes an und schlug mehrfach auf ihn ein.
Dabei stießen beide Männer von innen gegen eine der Zugtüren. Diese war offenbar zuvor beschädigt worden, ohne dass dies den Anwesenden zunächst aufgefallen war. Dadurch war ein Spalt zwischen Tür und Boden entstanden.
Sag ich doch: Die könnte vorher schon kaputt gewesen sein.
Tritte an beschädigter Tür führen zum Sturz
Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung fielen beide Männer an der Tür zu Boden. Während der Sicherheitsmitarbeiter versucht haben soll, den auf dem Rücken liegenden 36-Jährigen hochzuziehen, soll dieser mehrfach nach ihm getreten haben.
Durch einen der Tritte verlor der 26-Jährige offenbar das Gleichgewicht und stürzte mit erheblicher Wucht gegen den unteren Bereich der beschädigten Zugtür.
Diese hielt der Belastung nicht stand, sodass der Sicherheitsmitarbeiter etwa 900 Meter vor dem Bahnhof Ettlingen-Bruchhausen durch den entstandenen Spalt aus dem rund 120 km/h schnellen Zug stürzte und lebensgefährlich verletzt wurde.
Und diese Türen haben – ich glaube, in Berlin fährt das gleiche oder zumindest ein sehr ähnliches Modell als Regionalzug herum – unten eine Trittstufe, die sich am Bahnsteig absenkt, damit man leichter ein- und aussteigen kann. Ältere Leser werden sich erinnern, dass man früher bei den alten Zügen vom Bahnsteig aus immer so drei relativ hohe und steile Stufen rauf musste, um in den Zug zu kommen, was aber mit Gepäck sehr schwer sein konnte.
Siehe auf der vom Leser verlinkten Seite von innen und außen.
Und wenn die Tür, die unten ohnehin nur an einem ziemlich kleinen Scharnierarm hängt, schon kaputt ist und einen Spalt aufweist, und dann noch diese Stufe herunterklappt, dann kann das reichen, dass ein Mann durchfällt.
Bevor man also sagt „Kann nicht sein, weil ich mir das nicht vorstellen kann und will“, sollte man immer erst einmal schauen, ob und wie das doch so passiert sein kann.
Kennt Ihr noch das Buch „Die Spinne in der Yucca-Palme“ (und die beiden Nachfolgebücher)?
Großes Ding während meiner Studienzeit. Alle haben gelacht, wie doof die Leute doch sind, dass sie solche Stories glauben. Großer Begriff der „Urban Legend“, mit der man alles als Fälschung abtat, so wie danach mit „Gephotoshopped“ und heute mit „KI-Fake“.
Jahre später hat sich eine Gruppe einer amerikanischen Universität daran gemacht, die Herkunft dieser Legenden zu untersuchen, woher die eigentlich stammen. Und dabei fanden sie heraus, dass diese Stories überwiegend wahr sind, zumindest auf einem wahren Kern beruhen, und erst dadurch zur lächlichen Urban Legend wurden, weil die einen sie übertrieben und die anderen, die sie sich nicht vorstellen konnten, sich darüber lustig gemacht haben. Hatte ich ja schon erzählt, wie es mir unter Berufsfotografen mit der Bananenspinne ergangen ist.
Zu meiner Schul- oder Studienzeit habe ich irgendwo mal einen Artikel gelesen, in dem man Märchen untersucht hatte. Erstaunlich viele Märcheninhalte beruhen auf wahren Begebenheiten. Nicht nur die Riesen (=Köhler), die Zwerge (=Bergleute), die Hexen (=verstoßene Frauen) gab es wirklich, auch konkrete Figuren wie Schneewittchen bei den sieben Zwergen oder der Rattenfänger von Hameln dürften historisch wahr sein und existiert haben.
Zu leichtfertiger, oberflächlicher Zweifel ist nicht immer ein guter Berater.