Ansichten eines Informatikers

Die Nöte der Bundeswehr mit den WLAN-Kabeln

Hadmut
19.7.2026 16:49

IT ist nicht einfach.

*grins*

Langer Text, lesen.

Ja, dafür habe ich volles Verständnis. Solche Probleme sind mir wohlbekannt.

Woher ich die kenne? Vom Informatik-Neubau an der Uni Karlsruhe, erbaut Ende der 80er Jahre. Geplant von Informatik-Professoren. Da gab es auch enorme Probleme mit der Datenverkabelung, weil das Internet zwar schon im Kommen war und im Rechenzentrum schon verfügbar, sich das aber zu den Informatikprofessoren noch nicht herumgesprochen hatte und deshalb die Räume alle mit seriellen Kabeln RS232 verkabelt hatte, weil sich Informatikprofessoren nicht vorstellen konnten, dass es mal etwas anderes gäbe als in jedem Institut eine VAX aufzustellen und in jedes Zimmer von VT220 Terminal.

Das heute übliche Ethernet und das 10Base-T, auf dem es basiert, gab es damals noch nicht. Damals war das gelbe Koaxialkabel 10Base5, das mit man anbohrte und darauf Vampirkrallen („Attachment Unit“) setzte, und dann über eine Stichleitung mit dem Rechner über das „AUI“ (Attachment Unit Interface) verband.

Gerade topmodern und ganz neu da war 10Base2, mit den kleinen Koaxialkabeln und BNC-Steckern, mit dem man alle Rechner im Raum an einer Busleitung verband, und bei dem sich deshalb alle Rechner zusammen die Bandbreite von 10MBit teilen mussten. Es gab dann aber schon die ersten „Bridges“, die zwischen verschiedenen 10Base2-Segmenten bridgen konnten.

Also bastelten wir damals die ersten Ethernet-Anschlüsse mit dem Lötkolben, weil es von einem Hersteller sogenannte TPAUs gab, die Twisted Pair Attachment Units, mit denen man die in den USA gebräuchlichen Telefongebäudeverkabelungen verwenden konnte, bei denen ein Kabel (ähnlich Telefonkabel der Deutschen Bundespost) vier Drähte beinhaltete, aber verdrillt – „Twisted Pair“. Auf der einen Seite schloss man vier Drähte (=2 Telefonkabelpaare) an, auf der anderen Seite das AUI, das Attachment Unit Interface. Und weil ein RS232-Kabel aus 8 Litzen besteht, konnten immer zwei Rechner an eine serielle Leitung angeschlossen werden. Abenteuerlich, aber funktionierte und musste so sein, weil die Informatikprofessoren den Bau vermurkst und keine moderne Verkabelung verlegt hatten.

Also versuchte man, der Peinlichkeit Herr zu werden und nachträglich 10Base5 zu verlegen. Weil das Universitätsbauamt aber sagte, dass man da keine Löcher bohren dürfe, Brandschutz und PiPaPo, kam man auf die glorreiche Idee, die Datenkabel in den Aufzugschächten zu verlegen und eine Firma zu beauftragen, die damit überhaupt keine Erfahrung hatte (weil es damals praktisch keine Firmen gab, die damit Erfahrung hatten), und die das Kabel verlegten, das dann nicht funktionierte, weil sie die Biegeradien missachtet und beim Einbau wie Elch am Kabel gezogen und das senkrecht im Aufzugschacht herumhängen lassen hatten, und nicht wussten, dass 10Base5-Kabel böse zugempfindlich sind, die dann, wenn man sie streckt, ihr Wellenverhalten verändern und nicht mehr funktionieren.

Nach Jahren kam man dann auf die Idee, modern sei zu wollen, und verlegte in den Decken Glasfaserkabel, die aber zumindest zu meiner Zeit auch nie in Betrieb genommen wurden, weil daran auch irgendwas vermurkst war.

Insofern kann ich mir das lebhaft vorstellen, dass wenn schon Informatikprofessoren so derart daran scheitern und das vermurksen, das einem Bundeswehrkrankenhaus auch nicht besser geht.

Man sagte mir, dass ich in der Wohnanlage hier der Einzige sei, der es geschafft habe, die KAT5-Wohnungsverkabelung in Betrieb zu nehmen. Die hat man nämlich so vermurkst gebaut, dass man sie eigentlich gar nicht in Betrieb nehmen kann. Und man hat sie auch nie in Betrieb genommen und fertig montiert, weil man immer sagte, dass man die gar nicht in Betrieb nehmen kann. Nur beim Danisch, die läuft.

Wobei ich anmerken muss, dass wir eigentlich auch erst heute die Technik haben, um Räume nachträglich so richtig gut zu verkabeln, nämlich Glasfasern (FTTR, Fiber to the room) und Wifi6 und Wifi7. Kat5-Verkabelung war auch schon gut, aber nur sehr schwer nachträglich zu legen. Heute gibt es aber Möglichkeiten, Glasfaserkabel fast unsichtbar entlang der Fußleisten oder der Kanten von Zimmerdecken zu verkleben, und die Bandbreiten sind hoch genug, um nicht für jedes Gerät ein eigenes Kabel zu benötigen.

Meine Ethernetkabel, von denen ich noch einige herumliegen habe, die ich 2005 gekauft habe, weil Ethernetkabel damals sauteuer waren und ich an Quellen kam, bei denen ich sie zu Cent-Preisen (20 bis 80 Cent) zu Rechenzentrums-Tarien einkaufen konnte, habe ich sie mir damals auf Vorrat in verschiedenen Längen gekauft, und heute noch reichlich Vorräte davon. Die waren aber relativ dick und steif. Kaufe ich heute moderne Kabel, sind flach und elastisch, lassen sich viel leichter etwa hinter Schränken oder an Schreibtischen verlegen.

Deshalb sollte es heute eigentlich kein Problem sein, ein Gebäude wie ein Krankenhaus zu verkabeln und mit Wifi auszustatten. Selbst wenn es nur provisorisch ist, aber besser provisorisch als gar nicht. Wir haben damals, ich hatte es in meinen letzten Tagen dort gerade noch so mitbekommen und einige Ideen und Ratschläge einfließen lassen, hemdsärmelig in ein paar Tagen geschafft, das Studentenwohnheim, das aus fünf getrennten Häusern besteht, mit Internet zu verkabeln.

Das ist handelsübliche und beherrschte Technik. Außer in Deutschland.