Vom Siechtum der Autoindustrie
Eine Anmerkung.
Bin gerade als Söldner bei einem Autobauer unterwegs. Ich sage nur eins: Firmokratie. Und die klappt nicht mal. On-boarding habe ich noch nie so schlecht erlebt. Stimmung absolut am Tiefpunkt. Linke und rechte Hand wissen nicht was Sache ist. Basics nicht vorhanden…
— Boyan (@boyan_bue) July 12, 2026
Ich hatte nur drei, vier Mal ganz am Rande mit der Automobilindustrie zu tun.
Zweimal war ich freiberuflich und indirekt über Zwischenauftragnehmer mit kleinen Aufgäbchen für zwei Automobilfirmen betraut. Um zum Übelsten, was mir widerfahren ist, gehörte mein Versuch, mich bei BMW zu bewerben, als ich mal im Raum München was gesucht habe. Da hatte ich mich beworben, hörte dann monatelang gar nichts, bis mich dann ohne jede Vorwarnung oder Terminvereinbarung einer anrief, sich nicht namentlich oder mit der Abteilung, nicht einmal „Guten Tag“ oder so eine Anfangshöflichkeit wie „Wir rufen Sie an wegen…“ nur mit „BMW“ meldete und in einem unverschämten Ton anbellte „Warum sind Sie nicht promoviert?“. Dass das ganz wesentlich auf einen ihrer Hauptaktionäre, Stefan Quandt, zurückgeht, habe ich mir damals verkniffen zu erwähnen.
Von einigen anderen Leuten im Münchner Raum erfuhr ich dann, dass bei BMW zu arbeiten die Hölle sei, und so ein Anruf kein Einzelfall, sondern der dort übliche Umgangston sei. Da wolle man gar nicht hin, nicht im Zustand größter Verzweiflung. Und nachdem, was ich über Stefan Quandt als Mitglied des Universitätsrates in den Akten zur Kanzlerwahl an der Uni Karlsruhe gefunden habe, wundert mich da auch gar nichts.
Auch bei den Tätigkeiten für die Autohersteller fand ich einiges seltsam. Zwar nicht schlecht und nicht unsinnig, aber auch nicht produktiv.
So wurde mir bei einer Tätigkeit für Mercedes erklärt, dass man so etwas wie IT-Sicherheit eigentlich gar nicht betrachte, sondern alles immer nur unter wirtschaftlichen Aspekten sehe, nämlich das Kostenrisiko eines Angriffs, und die Kosten der Gegenmaßnahme, und man für alles, was man tun wolle, egal, ob es 5 oder 5 Millionen Euro kosten solle, nachweisen müsse, dass man die Kosten damit um mindestens 50% senke. Dass also die Sicherheitsmaßnahme um mindestens 50% billiger ist als der zu erwartende Schaden durch Angriffe. Kann man so machen. Kann aber auch schief gehen, weil man bei safety so vorgehen kann, aber nicht bei security, denn da gibt es böse Angreifer, deren Verhalten man nicht statistisch/probabilistisch erfassen kann, weil es keine aleatorische Größe ist. Das sind eben Leute, die ökonomisch auf Entscheidungstheorie gedrillt sind, aber IT Sicherheit nicht kennen.
Und man erklärte mir, dass sich alles über die Stückzahlen hochmultipliziert. Wenn es einer schafft, die Software für das Autoradio so zu schreiben, dass man für 1 Euro weniger Speicher braucht, macht das bei 1 Million Fahrzeugen eine eingesparte Million Euro. Inzwischen ist man davon aber abgekommen, weil man mit der Auffassung dasteht wie Nokia damals gegen das iPhone, weil damit nichts mehr nachrüsten kann, und man gegen die Chinesen damit nicht ankommt. Inzwischen hat man begriffen, dass man das alles mit mehr Speicher und mehr Luft nach oben verkaufen muss, weil man Autos eben nicht mehr „as is“ verkauft, sondern sie noch jahrelang mit Softwareupdates verbessern muss, um konkurrenzfähig zu bleiben. Das haben übrigens auch die Kamerahersteller lernen müssen. Früher waren die Kameras auf die Software zur Zeitpunkt der Herstellung festgenagelt, gab es in sehr seltenen Fällen vielleicht mal einen Bugfix als Update. Man erwartete, dass der Kunde sich eine neue Kamera kaufe, wenn ihm seine nicht mehr gefällt. Wie damals Nokia mit seinen Hunderten Modellen, die unveränderbar waren. Man sollte sich ständig neue kaufen. Dann kam das iPhone, und Nokia war in kürzester Zeit weg vom Markt. Das iPhone hatte nur ein einziges Modell, und nicht mal Tasten, ersetzte alles durch Software.
Soweit ich aber erfahren habe, sah es bei vielen Autoherstellern so aus, dass die zwar fähige Ingenieursabteilungen hatten, aber korrupte Schicki-Micki-Champagner-Führungsetagen. Und das habe eben strukturell dazu geführt, dass es keine gesunde Unternehmenskultur gibt.
Das lief so, solange es eben lief. Nun läuft es aber nicht mehr.
Insofern sind uns die Chinesen nicht nur technologisch voraus, sondern auch, weil die dort zwar ganz sicher auch Korruption haben, aber sicher nicht diesen Wasserkopf aus Unternehmensfilz und überflüssigen Pseudomanagern.
Es ist am Niedergang zwar vieles rot und grün und klimatös, aber nicht alles. Es hat auch viel mit Arroganz, Überheblichkeit, Korruption und Inkompetenz einer Schicki-Micki-Ebene zu tun.