Ansichten eines Informatikers

Zappelvideos

Hadmut
30.4.2026 14:46

Schrecklich, aber wahr.

Ich hatte mich neulich mal darüber aufgeregt, dass es in Mode kommt, in Videos ständig ruckartig vor und zurück, ran und weg (zoom ran, zoom raus) zu springen. Mich nervt das ganz enorm.

Aktuelles übles Beispiel:

Von sowas werd ich sehkrank. Ein schreckliches Gehüppel. So etwas geht mir enorm auf die Nerven.

Weil ich das eben gerade wieder einige Male gesehen habe, zum Beispiel auf der Titelseite der Morgenpost ein Blabla-Video über den Wunsch Kanadas nach einem EU-Beitritt, das man nicht einmal verlinken kann, weil es beim Anklicken per Javascript eingeblendet wird und da keinen eigenen URL hat.

Ich dachte immer, die machen das, weil das Gezappel die Jugend anspricht und deren Aufmerksamkeitsspanne von Sekunden ständig zurücksetzen muss. Mir ist aber inzwischen aufgefallen, dass manche dieser Leute keine drei Sätze flüssig hinterheinander sprechen können und deshalb das Video aus einzelnen Sätzen zusammenstoppeln müssen. Dann würde man aber nicht Schnitte sehen, wenn die Abbildung gleich bliebe. Zappt man das Bild aber vor und zurück, sieht man das nicht, dass das Video an der Stelle zusammengeschnitten wurde.

Das soll jetzt kein direkter Vorwurf sein. Mir fällt das auch schwer, weil man dazu viel Übung braucht, und ich muss, wenn ich mal Videos mache, die häufig auch unzählige Male wiederholen, bis es passt, wobei ich dazu neige, jedesmal wieder von Vorne anzufangen, um solche Schnitte zu vermeiden. Bis es dann endlich sitzt und der Papst im Herbst mit meiner Tochter eine Herrenboutique in Wuppertal eröffnet.

Das ist mir übrigens aufgefallen, als ich mal bei einigen dieser Fernsehtalkshows als Zuschauer im Studio dabei war. ZDF, Studio unter den Linden, wenn ich mich recht erinnere, Maybrit Illner. Ich halte diese Talkshowtanten ja geistig für universell inkompetent, die haben ja von gar nichts Ahnung und schwätzen von allem. Was ich aber an dem Tag gemerkt habe: Die machen die Ansage, den Aufmacher live und auf Anhieb. … 3 … 2 … 1 … Ansage in die Kamera, ohne Verprecher, ohne Verhaspler, ohne Grammatikfehler, reproduzieren ein vorbereiteten Text aus mehreren komplizierten Sätzen fehlerfrei und verständlich in die Kamera. Das ist das, was die beim Fernsehen können. Aber es ist nicht intellektuell, es ist einfach Übung. Quasseln.

Und das hat man nicht, wenn man es nicht entweder angeboren oder jahrelang antrainiert hat. Ich habe sogar den Eindruck, dass es den Leuten umso leichter fällt, je weniger sie in der Birne haben – und je weniger sie beim Sprechen über das nachdenken, was sie sagen, weil Nachdenken das Sprechen hemmt.

Und ich habe inzwischen den starken Eindruck, dass viele dieser Spring-Videos das nicht nur deshalb machen, damit das dynamisch nach Action aussieht und Jugendliche anspricht, sondern auch um zu tarnen, dass die eigentlich keine drei Sätze am Stück kameratauglich sprechen können und das aus lauter einzelnen (und sicherlich jeweils mehrfach wiederholten oder versuchten) Sätzen zusammenschneiden müssen.