Ansichten eines Informatikers

Kein Schweinsbraten mehr: Das Ende des Oktoberfests durch Bürokratisierung

Hadmut
30.4.2026 22:46

Das ist auch übel.

Also … ich will es mal so sagen. Ich war einige Male auf dem Oktoberfest. Teils freiwillig, teils kollegialer Zwang.

Ich mag das Oktoberfest nicht.

Das Essen ist zwar gut, aber viel zu teuer. Der Lärm ist zu laut. Ich kann dieses Gedränge nicht ab, und ich gebe mich äußerst ungern mit besoffenen und aggressiven Leuten ab. Ich habe nichts dafür übrig, wenn die Leute den Bahnsteig in der U-Bahn die Kante entlang vollkotzen. Und ich fühle mich in Gaststätten nicht wohl, auch wenn das in München durchaus üblich ist, auf denen es auf dem Herrenklo eigene Kotzbecken gibt mit zwei Griffen an der Wand zum Festhalten beim Rückstoß. Ich finde das Oktoberfest schlicht und einfach unappetitlich. Ich fühle mich da nicht wohl.

Allerdings:

Das Oktoberfest stört mich auch nicht. Es genügt mir völlig, da nicht hinzugehen. Oder mir bestenfalls im Freien eine Leberkässemmel zu holen, und nicht in diese schrecklichen Zelte zu gehen. Man muss da nicht verbieten oder kritisieren oder so etwas. Ich gönne das von Herzem jedem, dem es gefällt, weil es ja den Vorteil hat, dass es lokal begrenzt ist. Man kann hingehen, und man kann es bleiben lassen (sofern es nicht ein jährlicher Firmentermin ist, dorthin zu gehen).

Außerdem muss ich anmerken, dass die Bayern in Sachen „Brezen“ nicht so gut sind, wie sie sich einbilden, denn ich bin ja damals von Karlsruhe in den Münchner Raum umgezogen, und musste feststellen, dass die in Baden-Württemberg einfach bessere Laugenbrezeln gemacht haben, als die Brezen in München. Die sind dort zu gummiartig und zäh. Aus Bier mache ich mir auch nichts.

Aber eine gute Leberkässemmel mit süßem Senf, oder wenn ihnen doch mal eine Brezel gelingt, mit einer guten, frischen Butter drauf, das kann mich dann schon glücklich machen. Und so ein Schweinsbraten, der ist auch nicht schlecht. Dazu muss man aber auch nicht aufs Oktoberfest. Woanders ist er billiger und die Umgebung ist angenehmer. Da gibt es genug Biergärten.

Bitte was!?

Die Wies’n-Zelte sollen nach EU-Regeln europaweit ausgeschrieben werden.

Doch es geht nicht nur um das Bier, es geht um die gesamte Seele dieses Festes. Wenn nur noch die nackten, technokratischen Kriterien des EU-Wettbewerbsrechts zählen, wer hindert dann hochkapitalisierte internationale Systemgastronomen daran, sich in die Zelte einzukaufen? Dann rotieren bald Döner-Spieße in der Festhalle und es wird Pizza serviert, weil das Geschäftsmodell auf dem Papier angeblich “effizienter” ist als der klassische Schweinsbraten, das halbe Hendl und die Brezn. Bisher war so ein kultureller Ausverkauf völlig ausgeschlossen – unter dem Diktat des EU-Rechts rückt er nun in greifbare Nähe.

​Die Wiesn-Wirte Christian Schottenhamel und Peter Inselkammer warnen völlig zu Recht davor, das Oktoberfest auf dem Altar der EU-Bürokratie zu opfern und ein seelenloses, beliebiges “Wischi-Waschi-Fest” daraus zu machen. Die Absurdität der Situation schreit zum Himmel: 80 Prozent der Wiesn-Gäste kommen aus München und dem Umland. Und die internationalen Besucher reisen nicht um den halben Globus, um einen normierten, nach EU-Vorgaben glattgebügelten Einheitsbrei zu konsumieren. Sie kommen exakt wegen dieser unkopierbaren, bayerischen Kultur! Sie wollen unsere Lebensart, unsere Werte und unsere Traditionen erleben.

Darauf wird es dann wohl hinauslaufen, dass ein billigerer Anbieter halales Essen anbietet, Döner, Pizza, Falaffel. KI-gebraten vom Roboter.

Im Prinzip wird das Oktoberfest zu einer völlig austauschbaren x-beliebigen Kirmes.

Aber mir ist das weitgehend egal, ich gehe ja nicht hin. Das sollen die Münchner klären. Und weil die ja rot-grün wählen, wollen die das dann wohl auch so.