Rassistennewsletter: Pilates ist jetzt rechtsextrem
Oder, wie Obelix es immer ausdrückte: Die spinnen, die Amerikaner.
Der Schweizer Tagesanzeiger: Warum Pilates plötzlich als rechts gilt
Das Training ist auf einmal ideologisch verdächtig, weil es vor allem dünne, reiche, weisse Frauen begeistere. Und weil Macho-Männer den «Pilates-Body» preisen würden. Eine Spurensuche.
Ob sie mal kurz erklären soll, was der Aufstieg des US-Autoritarismus mit dem Pilates-Hype zu tun habe, fragte die junge Amerikanerin in die Kamera. Bitte sehr: «Der Konservatismus bevorzugt kleinere Frauenkörper, deshalb sind Kurven out und Pilates-Arme in, also die definierten, aber nicht muskulösen Arme der ‹Pilates-Girlies›», erklärte sie auf Instagram. Zwei Tage später verzeichnete der Clip 2 Millionen Views. Die Debatte war lanciert.
Die «New York Times» sprang auf und fragte besorgt: «Ist Pilates politisch?», aber was sie damit meinte, war: Ist Pilates rechts? Denn die Antwort darauf lautete Ja, zumal der Artikel den Eindruck erweckte, Pilates sei nicht nur konservativ und gegen Body Positivity, sondern auch elitär und rassistisch – weil es vor allem reiche, weisse Frauen machten.
Die Diskussion ging weiter, als im März ein in den USA bekannter Reality-Star im populären Podcast «Call your Daddy» erzählte, ihr Mann habe ihr geraten, täglich Pilates zu machen, damit er sie wieder körperlich anziehend finde.
Pilates war plötzlich nicht mehr ein effektives Training, das seit Jahrzehnten von Profiballetttänzerinnen gemacht wird. Es war nun ideologisch verdächtig. Denn auf einmal war der eigentlich harmlose Begriff «Pilates-Body» ein machoides Synonym für einen ganz bestimmten Frauentyp: straff, mit flachem Bauch, null Fett und graziler Haltung. Dabei schwang stets mit, dass Pilates-Frauen gleichzeitig unterwürfig und angepasst seien – weil sie mit ihrem Wunsch, dünn zu sein, dem gängigen, männlich definierten Schönheitsideal entsprechen wollten.
Tatsächlich wirbt Pilates damit, den Körper «long and lean» zu machen, also schlank und definiert, aber eben nicht muskulös. Und tatsächlich erlebt der Sport einen Boom. In Amerika ist es laut der führenden Fitnessplattform Class Pass seit drei Jahren in Folge die meistgebuchte Sportart, und auch in der Schweiz ist sie so populär wie nie zuvor.
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Nur schon deshalb war der Titel «Wieso Pilates die Leute anpisst» im kürzlich erschienenen «New York Magazine» falsch gewählt. Passender wäre gewesen: «Wieso es die Leute anpisst, dass dauernd alles in rechts und links eingeteilt wird».
Das heißt, etwas ist schon deshalb rassistisch, weil Schwarze keine Lust haben, mitzumachen. Das ist nicht neu, das sagte man auch schon vom Wandern, nachdem sich irgendwelche Soziologen in den Wald gestellt und Wanderer, die vorbei kamen, gezählt haben, um festzustellen, dass Schwarze beim Wandern im Wald absolut unterrepräsentiert sind. Seitdem gelten Wälder als rechtsextrem und diskriminierend. Möglicherweise ein Grund, warum die früher so waldliebenden Grünen sie nun zugunsten von Windrädern roden. Das ist gelebter Antifaschismus gegen die Baumzusammenrottungen, die bekanntlich schon unter Hitler „Wald“ hießen.
Heißt im Klartext: Alles ist jetzt rechtsextrem, was nicht vorranging von dicken schwarzen Frauen betrieben wird. Politisch korrekt ist als Sportart also nur noch Twerking – zu deutsch Extreme Arschwackling.