Ansichten eines Informatikers

„Wie kann man dem ZDF trauen?“

Hadmut
21.4.2026 13:46

Erstaunlich, wieviele Leute mir dazu schreiben.

Zu meinem Blogartikel über den ZDF-Beitrag über Russland (hier und hier) schreiben mir erstaunlich viele Leute.

Abgesehen von dem einen, der mir schrieb, dass die Aussage sogar von der russischen Nachrichtenagentur Interfax verbreitet wurde und damit von der russischen Regierung wohl selbst behauptet wird, laufen wieder reichlich Zuschriften und Social Media-Kommentare ein, die sich in zwei Kategorien einteilen lassen:

  • Was fällt Dir ein, etwas zu schreiben, was Russland negativ erscheinen lässt?
  • Wie kann man nur dem ZDF glauben? (Gerne damit begründet, dass derjenige schon seit Jahren kein ZDF mehr schaut, und damit den Beweis hat, dass man dem ZDF nicht trauen könne.

Dass ich mit dem Artikel Akademiker/Universitäten und nicht Russen verspottet habe, merkt von denen keiner.

Was mir daran aber viel mehr auffällt:

Kein einziger sagt, schon gar nicht mit Beleg, dass die Aussage tatsächlich falsch ist. Meist wird das gar nicht begründet. Selten damit, dass dem irgendwelche russischen Gesetze entgegenstünden, als ob die Russen so eisern gesetzestreu wären. (Mord ist auch verboten, und trotzdem werden dort alle Weil Kritiker umgelegt, fallen vom Himmel, sterben an Nervengift oder Plutonium.)

Was ich dabei immer wieder herauslese, ist nicht die Gewissheit, dass es falsch ist, sondern die Hoffnung. Der Wunsch, es möge falsch sein.

Das ist zwar hier ein sehr grenzwertiger, abstruser Fall, aber das beobachte ich in letzter Zeit, auch bei anderen Themen immer häufiger, dass die Leute sich von der Realität abkoppeln und nicht mehr fragen „stimmt das, oder stimmt das nicht“, sondern nach dem Schema „Ich will aber nicht, dass das stimmt!“ agieren, nicht mehr ihr Weltbild an der Realität ausrichten, sondern erwarten, dass sich die Realität nach ihren Vorstellungen zu richten habe.

Immer mehr Leute entfleuchen in so eine Wunschwelt, in solche Wohlfühluniversen, in denen alles so ist, so sein muss, wie sie es gerne haben wollen. Und machen die dann zum Maßstab von Wahrheit. Und dann ist auch keine Kommunikation mehr möglich, die Leute sind nicht zu erreichen.

Es wäre ja noch etwas, wenn man dann sagen würde, das ist unwahr, widerleglich, die Gegenbeweise sind hier und hier, der Fake kam von dem und dem. Dann könnte man sagen, Oh, das ZDF hat gelogen und Fake News verbreitet. Damit könnte man was anfangen.

Aber dieses „Wir sind unter uns einig, dass wir das nicht für wahr halten wollen, also muss es Lüge sein und wir beschimpfen jeden, der es zitiert“ ist einfach in jeder Hinsicht unbrauchbar.

Und es hilft auch nicht gegen das ZDF. Gerade dann, wenn man das ZDF für einen Lügensender hält, gerade dann sollte man doch interessiert sein, das inhaltlich zu prüfen und Gegenbeweise/-belege zu liefern, statt sich zum Idioten zu machen und rumzublubbern. Damit nämlich arbeitet man dem ZDF in die Hände, weil man sich damit selbst unglaubwürdig macht. Oder, um in der häufig gewählten Analogie zu bleiben, damit vergiftet man sich den eigenen Brunnen.

Wenn man sagt, dass das ZDF lügt – gut und schön. Aber dann muss man auch scharf schießen und nicht mit Platzpatronen oder Stinkbomben.