Das Österreich-Modell verteuert Preise
Die Leute werfen mir oft vor, ich sei Pesimist.
Wenn man aber recht behält, ist man dann Pesimist oder Realist?
Ich hatte im März geschrieben, dass das österreichische Modell, dass Tankstellen nur noch einmal am Tag die Preise anheben, aber jederzeit senken dürfen, nicht funktionieren kann, weil die Tankstellen und Mineralölfirmen dadurch gezwungen sind, eine Sicherheitsmarge aufzuschlagen und die Preise lieber zu hoch als zu niedrig machen, weil sie sie immer noch senken können, wenn die Konkurrenz billiger ist.
Man müsste es umgekehrt machen: Nur noch einmal am Tag senken, aber jederzeit erhöhen. Dann nämlich würden sie die Preise lieber zu niedrig ansetzen, weil sie sonst nicht mehr konkurrenzfähig sind.
Heise: Neue Regelung verteuert Kraftstoffpreise. Der ADAC zeigt, warum
Seit 1. April 2026 darf der Preis an den Zapfsäulen nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöht, ansonsten aber beliebig häufig gesenkt werden. Das eigentlich zur Preisdämpfung eingeführte sogenannte Österreich-Modell bewirkt nach Beobachtungen des ADAC allerdings das Gegenteil: Es hat an den deutschen Tankstellen die Spritpreise im Vergleich zu der Zeit vor der neuen Regelung grundsätzlich deutlich verteuert. Zur Validierung dieser Beobachtung hat der Klub Ölpreis und Euro-Dollar-Wechselkurs im März mit denen im April und dem jetzt geltenden Österreich-Modell verglichen. Es zeigt sich, dass die Mineralölkonzerne mit der einmaligen Erhöhung um 12 Uhr einen hohen Risikoaufschlag erheben, den sie im Tagesverlauf nur langsam zurücknehmen. Zudem haben sich die Zeiträume, in denen man unterhalb des Tagesdurchschnitts tanken kann, im Vergleich zum freien Preismodell verkürzt. Die Planbarkeit hat sich laut ADAC so aber nicht verbessert.
Genau das, was ich prophezeit und geschrieben habe.
Politiker können nicht weit genug denken, sich nicht in andere hineinversetzen. Die haben so eine Naiv-Moral, dass wenn man immer senken, aber nur einmal am Tag erhöhen kann, die Preise doch sinken müssten. So etwas wie Spiel- oder Entscheidungstheorie, taktisches Denken, haben die nicht.
Andererseits: Stellt Euch mal vor, die hätten ein Gesetz gemacht, das das andersherum erzwingt: Jederzeit erhöhen, aber nur einmal am Tag senken. Das hätte die Preise gesenkt, aber wie hätten Medien und Öffentlichkeit reagiert? Die meisten Leute verstehen das ja nicht und hätten das so empfunden, als wolle man die Preise hochdrücken. Kaum einer hätte das verstanden. Schönes Beispiel übrigens, warum Demokratie nicht funktioniert, wenn es nicht einen gewissen Mindestverstand gibt.
Was ist ein Pessimist, der recht hat?