Ansichten eines Informatikers

One-Time-Wegwerf-Handys und Spionage

Hadmut
20.4.2026 14:48

Muss das sein?

Zum Artikel über die 5€-Spionagepostkarten schreibt mir ein Leser:

Hallo Herr Danisch,

zum Thema Spionage per 5€-Postkarte: https://www.gi-de.com/de/digital-security/connectivity-iot/end-to-end-asset-tracking/smart-label

Ein Bluetooth fähiges Handy ist nicht mehr nötig…

Mmmh, auf den ersten Blick hatte ich erhebliche Zweifel daran, und hielt das auch nur für eine Art Apple AirTag, nur flach als Aufkleber für Pakete und mit so schwacher Batterie, dass man es nur einmal verwenden kann. Schöne Bilder, schöne Schlagworte, aber es steht nicht so genau dran, was es genau ist und macht. Es gibt ja elektronische Schaltungen, kennt man etwa von NFC-Tags, die keine steife Platine haben, sondern auf einer elastischen Folie gedruckt sind, auf die man einen Chip pappt und die nicht für dauerhaften Einsatz gedacht sind. Außerdem ist mir nicht klar, wie die da einen GPS-Empfänger unterbringen wollen, denn normalerweise brauchen GPS-Empfänger eine bestimmte Art von Antenne, die, soweit man das im Handel bekommt, aus kleinen keramischen Quadern bestehen, Grundfläche fast immer quadratisch, Höhe so ab 5mm. Wie wollen die das in so einem Aufkleber unterbringen?

Und noch viel kritischer: Wie soll das Ding damit GPS empfangen können? Pakete liegen für gewöhnlich nicht im Freien herum, sondern in LKW, Flugzeugen, Zügen, Hallen. Und da ist normalerweise der GPS-Empfäng irgendwo zwischen problematisch und nicht möglich. Leutet mir nicht ein, wie das wirklich funktionieren soll, wenn nicht in der Art eines Apple AirTags.

Scrollt man aber runter, bis zur Überschrift „Das Smart Label im Detail: Erleben Sie die Zukunft der Paketverfolgung “, und die Graphik mit der Beschriftung sieht

fallen verschiedene Details auf.

Zum ersten, dass der Teil des Aufklebers, der oben umgeknickt und auf die Oberseite des Pakets gepappt wird, nach dieser Darstellung deutlich dicker ist als auf den anderen Darstellungen. Der könnte eine GPS-Antenne enthalten. Und: Das Ding hat eine eigene IMEI. Das sieht also sehr nach NB-IoT oder LTE-M aus. Das sind Techniken, mit denen man über die Mobilfunknetze mit niedrigen Energieaufwand und niedrigen Datenraten, aber hoher Durchdringung von Wänden usw. Daten übertragen kann. Das Ding wird offenbar von GD nur vertrieben und gebaut von Sensos Labs, die das hier beschreiben. Und da sieht man auch, dass das Ding doch ein bisschen dicker ist, als Giesecke+Devrient das auf seiner Seite darstellt. Da ist doch einiges an Elektronik drin, zumal sie auch Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Erschütterung erfassen.

Erster Gedanke:

Produziert unnötigen Elektronikmüll, denn die Dinger wandern ja zweifellos nach einmaligem Gebrauch („disposable“) in den Müll. Was auch nicht unproblematisch ist, denn in Deutschland und vielen anderen Ländern dürfen Elektronik und Batterien nicht in den normalen Hausmüll.

Zweiter Gedanke:

Spionage.

In jedem dämlichen Paket ab einem gewissen Wert, das man bekommt, könnte so ein Ding pappen und damit dem Absender verraten, wo man wohnt, wenn das Paket beispielsweise an ein Postfach oder eine Packstation geht.

Ich hatte zwar selbst schon Bedarf, eigene Pakete zu tracken, und wäre in einem Fall gerade sehr froh, wenn ich da einen Tracker mit reingepackt hätte, aber spätestens dann, wenn natürliche Personen Empfänger sind und nicht zugestimmt haben, sollte so ein Ding verboten sein.

Es ist aber eine interessante Frage, ob künftig Pakete mit solchen Trackern bepflastert werden. Die Frage wäre auch, wie sich das mit Flugzeugen verträgt, weil man da ja normalerweise die Handys ausschalten muss.

Für Fluggepäck könnte es eine Idee sein.

Ich muss mal rausfinden, was die Dinger kosten und ob man die in kleinen Stückzahlen beziehen kann.

Update: 59 Euro plus Mehrwertsteuer soll ein solches Label kosten. Und: Kann nur 2 Monate gelagert und muss spätestens dann aktiviert werden, um dann 2 Monate zu leben. Boah, ist das teuer.

Die Chinesen werden das kopieren und billiger machen.