Ansichten eines Informatikers

Die seltsame Wasserung der Orion-Kapsel (Artemis II)

Hadmut
11.4.2026 21:08

Noch eine Nachbemerkung zur Landung der Raumfahrer.

Ich habe vergangene Nacht die Landung der Raumkapsel per Streaming mitverfolgt.

Einerseits war ich verblüfft darüber, wie präzise die den Verlauf des Sturzes durch die Atmosphäre bis zum „Splashdown“, also dem Aufsetzen auf dem Wasser sekundengenau vorhergesagt haben, auch die Phase, in der sie keinen Funk hatten, weil sich eine Plasmaschicht bildet – exakt 6 Minuten. Ich fand das sehr beeindruckend.

Umso erstaunter war ich, als ich gesehen habe, was danach passierte, weil das ziemlich dilettantisch auf mich wirkte. Was vielleicht damit zusammenhängt, dass sie sagten, dass die Mission der NASA mit dem Boden-/Wasserkontakt ende, und alles weitere, die Bergung, Aufgabe der Navy sei. Entsprechend sah man auch, dass die nach dem Aufsetzen auf dem Wasser ihr Kontrollzentrum abgeschaltet hatten und dann Besucher dies zur Gratulation stürmten.

Gut, ich sehe ein, dass man eine Raumkapsel nicht einfach so aufmachen kann, dass man da erst messen und prüfen muss, ob die keine giftigen Gase von sich gibt (welche überhaupt? Woher soll eine Kapsel, die nur durch unsere Atmosphäre und den leeren Raum fliegt, giftige Gase haben? Auslaufender Treibstoff?), aber ich fand as Gehampel mit den Schlauchbooten, das die da produziert haben, reichlich absurd. Das war zwar genau geplant, wirkte aber ziemlich planlos und ungeplant.

Außerdem halte ich es – ich räume ein, dass ich von Raumfahrt keine Ahnung habe und das nicht beurteilen kann – für sehr dubios, eine Raumkapsel, die gerade bei bis zu 3000°C durch einen Plasmastrom aus dem Weltraum in die Erdatmosphäre eingetreten ist und von rund 20.000 km/h runtergebremst wurde, erst einmal noch ein bis zwei Stunden auf dem offenen Meer schwimmen zu lassen und dann einfach aufzumachen, um dann so einen Schwimmkragen darumzubasteln, was erstaunlich lange gedauert hat, und die Astronauten dann in so eine aufblasbare Rettungsinsel zu setzen. Und was ist, wenn die Kapsel nach dem Sturz durch die Atmosphäre und dem Aufschlag auf dem Wasser nicht mehr ganz dicht ist? Wasser eindringt? Irgendwo stand, dass die Druckanzüge der Astronauten auch als Taucheranzüge taugen, die auch eine Flutung überleben würden.

Der Brüller war aber: Sie haben die ganze Zeit – mit Ausnahme der zwei Phasen hinter dem Mond und im Plasmastrom – prächtig mit denen gefunkt. Kaum sind die aber auf dem Wasser, bricht der Funkkontakt ab. Laut Kommentar hatte die Besatzung der Kapsel den Auftrag, nach dem Aufsetzen die Kapsel komplett abzuschalten und dann Verbindung mittels eines Satellitentelefons aufzunehmen. Und das hat wohl nicht geklappt, warum auch immer. Es wirkt aber sehr komisch auf mich, wenn sie Funkgeräte an Bord haben, mit denen sie auf dem gesamten Weg vom Mond bis zur Wasseroberfläche prächtig und in bester Qualität mit der NASA funken konnten, und dann keine Möglichkeit haben, mit Leuten in einem Schlauchboot zu kommunizieren, die 50 Meter entfernt herumbrettern. Und das mit einem Satellitentelefon versuchen müssen.

Das hat zu einiger Verzögerung geführt, weil man offenbar erst abwarten musste, ob die alles abgeschaltet haben. Keine Ahnung, warum das so wichtig war. Angst vor elektrischen Schlägen? Angst, dass während der Bergung noch Triebwerke feuern und Leute verletzen?

Jedenfalls ging mir durch den Kopf, dass ich das anders machen würde.

Ich würde mir ein Schiff mit einer Aufnahmeeinrichtung bauen, so einer Art Fließband, mit dem ich die ganze Kapsel, geschlossen, samt Crew, zuerst einmal, und das möglichst schnell, auf das Bergungsschiff zöge. ich würde immer versuchen, das Ding möglichst schnell aus dem Wasser zu bekommen. Und dann kann man immer noch messen, durch Klopfzeichen oder durch Signale durch die Fenster kommunizieren. Deshalb käme ich auch nicht auf die Idee, die Astronauten – außer im medizinischen Notfall – gleich an Helikoptern hochzuwinschen.

Nun lese ich aber:

Die Wasserung lief zwar technisch einwandfrei, aber starke Meeresströmung erschwerte die Bergung der Orion-Kapsel und das Andocken an das Versorgungsschiff.

Die Einsatzleitung war zu einer kurzfristigen Planänderung gezwungen: Rund 90 Minuten Wartezeit waren für die Astronauten notwendig, dann wurden sie direkt aus der Kapsel geboren, anstatt wie üblich mit der Kapsel an Bord des Schiffs gebracht zu werden.

Bitte!?

Das Wasser war doch schon verhältnismäßig ruhig. Und das hat die schon so aus dem Plan gebracht?

Was machen die denn bei Unwetter?

Mir kam das sehr deutlich so vor, als habe es von NASA zu NAVY ein deutliches Kompetenzgefälle gegeben. Wahrscheinlich hat die NAVY dafür auch nur relativ wenig Geld bekommen und das als normalen Marineeinsatz angesehen. Es gab aber noch ein Bild von der Kapsel, wie man sie später schwimmend in ein Schiff gezogen hat, das so eine Art eingebautes Schwimmdock hatte.

Und die Sache mit dem Schwimmkragen hat mir auch nicht eingeleuchtet. Wenn das schon so eine aufblasbare Reservelösung sein muss, hätte ich eine Art Plattform gebaut, die deutlich größer als die Kapsel ist, und im Innenbereich 1 oder 2 Meter unter Wasser hängt, um sie unter die Kapsel zu ziehen, und dann aus Taucherdruckflaschen aufgeblasen zu werden und die ganze Kapsel anzuheben, statt so einer Wackelkonstruktion.

Alles, was nach dem Aufsetzen auf das Wasser kam, hat auf mich recht unprofessionell gewirkt.