Ansichten eines Informatikers

Oh, was’n scheiß USB-Kabel …

Hadmut
8.4.2026 16:54

So schlimm hätte ich es mir nicht vorgestellt.

Ich hatte in letzter Zeit, auch in meiner Ausstattung für Reisen (sowohl Fernreisen, als auch den Tageskram für unterwegs) immer wieder mal Probleme mit USB-Kabeln. Vor allem bei den USB-C-Kabeln ist es ärgerlich, wenn man externe Speicher wie SSD, Kameras, Kartenleser dranhängt und sich dann wundert, warum es so langsam geht, und man dann (unter Linux: lsusb -t) USB2-Geschwindigkeit (480M) bekommt statt 5 oder 10G.

Kabel gibt es viele, Kabel gibt es billige. Das Problem daran ist, dass die meisten Leute überhaupt nicht darauf achten, ob die Kabel USB3 oder USB4-tauglich sind, sondern in der Regel die Kabel kaufen, um ihr Handy oder irgendwas anderes zu laden, und sich mehr dafür interessieren, ob das Kabel hübsch mit Stoff umwickelt ist oder am besten gleich XX Watt durchgehen. Das ist dann ärgerlich, wenn man irgendwohin verreist ist und erst unterwegs merkt, dass man ein Kabel eingepackt hat, das nur USB2-Verbindungen hat und deshalb langsam bleibt.

Nun habe ich, seit man das vereinheitlich hat, Berge von USB-Netzteilen und Kisten voller USB-Kabel. Ich habe nicht weniger, sondern mehr Netzteile und Kabel als früher, vor der Vereinheitlichung, aber die kann man alle irgendwie zusammenstecken. Ob es dann funktioniert, ist eine andere Frage. Beispielsweise gehen manche Geräte mit manchen Netzteilen nicht, weil USB1 und 2 eigentlich auf genau 5 Volt festgelegt war, man sich irgendwann aber darauf verständigt hat, 5,2 Volt drauf zu geben, um die Kabelverluste auszugleichen. Deshalb funktionieren manche Geräte mit manchen Kabeln an manchen Netzteilen nicht. Und deshalb muss man – entgegen der Phantasien der EU – für manche Geräte auch immer drauf achten, aktuelle Netzteile einer gewissen Mindestqualität zu haben.

Ich habe da also inzwischen mehrere Kisten (Kunststoffbehälter ungefähr im Schuhkarton-Format) mit Netzteilen und Kabeln, nach Steckertyp sortiert. Und noch auf dem Schreibtisch eine kleine Box mit Kabeln, die ich ständig brauche.

Und es werden immer mehr. Nicht nur, weil ich ab und zu USB-3-Kabel nachkaufe, außerdem für die Ladegeräte dann USB-2-Kabel mit Spannungs- und Stromanzeige, sondern bei allen möglichen Geräten auch noch USB-Kabel mit dabei sind. Meistens so kleine, dünne, merklich ganz billige Kabel.

Will sagen:

Unter dem Problem, zu wenige USB-Kabel zu haben, leide ich eigentlich nicht. Aber es sind die falschen. Unter all dem Kabelsalat habe ich zu wenig gute Kabel.

Obwohl ich mir ja neulich beim Chinesen des Vertrauens USB-4-Kabel bestellt habe, so zwischen 2 und 3 Euro pro Stück, die gar kein Kabel im eigentlichen Sinne mehr sind, sondern ca. 10 cm lange, sehr robust gummierte Flachbandstreifen. Bis zu 240Watt Energieübertragung, bis zu 40G Daten. Lohnt sich auf jeden Fall.

Was mache ich jetzt aber mit dem ganzen Salat?

Ich habe mich dazu durchgerungen, mir für ungefähr 40 Euro einen USB-Kabeltester zu kaufen, in den man ein Kabel reinsteckt (eine Seite USB-A oder -C, die andere Seite Mini-, Micro-, Micro-3- oder C) und dann auf dem Bildschirm was zum Widerstand des Kabels und den Verbindungen angezeigt bekommt, was dieses Kabel überhaupt überträgt.

Frappierend.

Viele dieser billigen Kabel, die bei Taschenlampen und anderem Krimskrams als Ladekabel beiliegen, die ich für einen ersten Eindruck des Geräts da reingesteckt habe, übertragen gar keine Daten, haben offenbar nur zweipolige Kabel für den Strom.

Hölle, wenn man so ein Kabel verwendet oder für unterwegs einpackt, und sich dann wundert, warum das angeschlossene Geräte nicht funktioniert. Hätte nicht gedacht, dass ich da so viele untaugliche Schrott-Kabel habe.

Jetzt werde ich mich irgendwann mal hinsetzen müssen und alle Kabel testen und sortieren – und alles rauswerfen, was keine Daten transportiert.

Mein erster Gedanke war freilich, dass man diese Kabel verwenden könnte, um ein Handy unterwegs im Bus, im Zug, am Flughafen aufzuladen, ohne dass einem jemand an die Daten geht. Muss ich mal mit Messgerät testen. Ich glaube nämlich, dass das nichts bringt, weil man damit bei 5V und 2,5 Watt bleibt.

Die flachen kurzen Gummikabel, die nur mit Mühe am Testgerät von einer Buchse zur anderen reichen, können übrigens alles außer Thunderbolt 5.