Ansichten eines Informatikers

Was ist schlimmer als Krieg?

Hadmut
6.4.2026 17:43

Die Presse.

Zypern in Nöten: „Nicht der Krieg hält uns die Gäste fern“: Zypern kämpft um seinen Ruf als Ferieninsel

Ich war ja die letzten Tage auf Zypern – vom Krieg war exakt gar nichts zu merken. Alles wie immer.

Trotzdem gerät Zypern, das sich von den Corona-Ausfällen noch nicht wieder ganz erholt hat, in die nächste Wirtschaftskrise: Ausgerechnet im Frühling ist da dieser Iran-Krieg, und die Leute bleiben weg.

In Lefkara herrscht eine ungewöhnliche Ruhe. Die Bewohner des kleinen Bergdorfes können die beschauliche Atmosphäre allerdings nicht genießen. Die Silberschmiede und traditionellen Stickereien leben von den Touristen, die an normalen Tagen in unzähligen Bussen herangekarrt werden und sich durch die malerischen Gassen drängeln.
Doch im Moment gibt es keine normalen Tage in Lefkara. Der Grund: Zypern liegt in nächster Nähe zu einem zerstörerischen Krieg. Geografisch ist die Insel nur 150 bis 250 Kilometer von Israel und dem Libanon entfernt. Und damit ist die Republik der EU-Staat, der der Krisenregion am nächsten liegt. Eine Nähe, die die Tourismusbranche besonders sensibel für politische Entwicklungen macht.
Also sitzen die Inhaber der Souvenirshops in Lefkara resigniert vor ihren Geschäften und können nicht verstehen, dass das kleine Dorf am Fuße des Troodos-Gebirges in die Mühlen der großen Weltpolitik geraten ist. „Hier ist doch alles wie immer“, betont ein Ladeninhaber.

Doch, wie kommt’s?

Einen Schuldigen für die Misere hätten die Bewohner der Insel bereits ausgemacht, erzählt Alfred Gruber. „Nicht der Krieg hält uns die Gäste fern, sondern die Medien“, habe ihm der Wirt einer kleinen Taverne zugeraunt. „Da geht es nicht um Wahrheit, sondern nur um möglichst viele Klicks!“

Vor allem britische Boulevardblätter haben sich nach dem Einschlag der Drohne auf der zypriotischen RAF-Basis im März mit reißerischen Berichten geradezu überschlagen. Inzwischen beschweren sich die Bewohner auf der Insel immer wieder über Fake News und sprechen von einer grundlosen Medienhysterie.

Zwar betonen auch Zyperns Präsident Nicos Christodoulides und seine gesamte Ministerriege bei jeder Gelegenheit, dass die Insel sicher sei, doch konnten auch sie die Stornierungswelle nicht bremsen.

Erstaunlich. Wo man doch immer die social media als die Quelle von Fake News ausmacht und die institutionalisierte Presse als den Hort von Wahrheit und höchsten Pressemaßstäben hinstellt.

Hier ist es ein Prachtbeispiel dafür, dass es umgekehrt ist: Die social media berichten ziemlich objektiv und wahrheitsgemäß, und die institutionalisierte Presse ist die Fake-News- und Panik-Mistschleuder.

Auch wenn sich das gerade absurd anhört, aber für Zypern sind die Medien gerade weit schlimmer als der Krieg.