Ansichten eines Informatikers

Polonium 210

Hadmut
6.4.2026 0:23

Nein, dazu werde ich nichts schreiben. [Update]

Ein Leser fragt an, ob ich nichts zu dem Fund einer Polonium-210-Flasche bei Stuttgart schreiben will:

Polonese, Polonium und Eiersuchen

Wollen sie was über das Polonium 210 erstellen, welches bei der Ostereiersuche gefunden wurde?

Denn da gibt es viele, viele Ungereimheiten!

In dem Glas, sollen 100g davon gewesen sein…

Jedoch wurde keine Strahlung gemessen.

Aber, es soll echt sein – wegen der fehlenden Strahlung…

Was ist Polonium 210?

Erst mal, ist Polonium 210 sehr, sehr selten und sehr, sehr teuer!

Also unwahrscheinlich, daß dort 100g davon in dem Glas waren – das wären Millionenbeträge.

Polonium 210, wird streng kontrolliert, weil so selten und so gefährlich.

Polonium 210 nimmt man nicht, in die Hand – es ist sehr reaktionsfreudig, auf Fleisch und frisst sich einfach durch.

Zitat;

Polonium-210 ist ein äußerst seltenes und hochradioaktives Isotop, das vor allem in wissenschaftlichen, industriellen und militärischen Anwendungen verwendet wird. Aufgrund seiner Seltenheit und der strengen Kontrollen ist der Preis für 1 Gramm Polonium-210 sehr hoch.
Der Preis für 1 Gramm Polonium-210 liegt schätzungsweise im Bereich von mehreren Millionen US-Dollar, oft zwischen 3 und 5 Millionen USD. Diese Kosten beinhalten die aufwändige Produktion, Handhabung und den sicheren Transport, da Polonium-210 extrem giftig und radioaktiv ist.
Bitte beachte, dass der Handel mit Polonium-210 stark reguliert ist und nur autorisierten Einrichtungen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen erlaubt ist.

Wenn davon also einfach mal 100g, irgendwo rumliegen wären das pber 300-500Mio. Euro wert – Made my Day.

Das war kein Polonium 210 und erst Recht nicht 100g Polonium — wers glaubt, versteckt sich auch hinter der Epstein-Klique in der Hoffnung, er überlebt den 3WK!

Nein, dazu werde ich nichts schreiben, davon habe ich viel zu wenig Ahnung.

Es gehen Meldungen herum, wonach zwei Männer beim Ostereiersuchen nordwestlich von Stuttgart im Garten ein „Glas“ Polonium 210 gefunden und die Feuerwehr alarmiert hätten. Große Nummer, das volle Katastrophen-Programm.

Polonium 210 ist wohl ziemlich giftig und als Alphastrahler sehr gefährlich, wenn man es verschluckt oder anderweitig in den Körper bringt, etwa in der Blutbahn. Alexander Litwinenko wurde damit umgebracht.

In den Medien hieß es, die Feuerwehr halte die „Flasche“ (Kunststoff) für echt, und zwar aus zwei Gründen:

  • Die Flasche sei nicht irgendwie handschriftlich bekritzelt, sondern sehr präzise und sauber beschritet, sehe professionell und plausibel aus.
  • Die Flasche wiege geschätzt etwa 200 Gramm und sei damit im Verhältnis zum Volumen sehr schwer, und Polonium hat eine sehr hohe Dichte, ist sehr schwer.

Strahlung sei aber nicht gemessen worden.

Das heißt aber nichts. Polonium 210 ist ein Alphastrahler, schmeißt also mit Helium-Kernen um sich, und die sind zwar im Körper gefährlich, werden aber schon durch ein Blatt Papier oder die toten äußeren Hautschichten abgefangen. Dass man da nichts messen kann, solange die Flasche zu bleibt, sagt gar nichts. Man wird abwarten müssen, bis unter Laborbedingungen die Flasche geöffnet wird.

Allerdings:

Polonium 210 zerfällt, unter Abgabe eines Heliumkernes (2 Protonen, 2 Neutronen, also 4 Gewichtseinheiten) zu Blei 206, und Blei 206 ist – angeblich – stabil und dessen normale Form. Und das mit einer Halbwertszeit von 138 Tagen.

Es wäre deshalb auch denkbar, dass diese Flasche alt ist und irgendwo in irgendeinem Labor übrig geblieben ist, und wenn die da schon drei, vier Jahre oder länger rumsteht, das längst harmloses Blei ist. Es gibt Leute, die sagen, dass diese Exponentialreihen nur theoretisch sind und nur die Anfangszeit beschreiben, dass man nach 10 Halbwertszeiten nicht etwa, wie man mathematisch erwarten würde, nur noch ein Tausendstel des Stoffes übrig habe, sondern praktisch gar nichts mehr.

Wenn diese Flasche also einfach älter als ungefähr 1380 Tage, knapp über dreieinhalb Jahre, alt ist, dann ist da nur noch Blei drin. Und vielleicht etwas Helium, das sollte aber durch Plastik hindurchdiffundieren können. Dann könnte es sein, dass irgendein Witzbold die da einfach hingeworfen hat.

Könnte natürlich auch ein Gruß der Russen sein.

Man wird also erst einmal abwarten müssen, was die Untersuchung ergibt. Irgendwas richtig Schweres muss drin sein, aber die Frage ist halt, ob das noch Polonium-210 oder schon Blei-206 war.

Deshalb werde ich mich an dem Geschrei nicht beteiligen und zu dem Thema auch nichts schreiben.

Sorry, tut mir leid.

Update: Ein Leser mit Ahnung schreibt mir:

Polonium-210

Moin, Herr Danisch,

ich bin beruflich im Strahlenschutz einer kerntechnischen Anlage tätig.

Es ist völlig ausgeschlossen, dass irgendjemand eine “Flasche” mit einer mit Haushaltsmitteln wägbaren Menge Po-210 findet. Die Menge, mit der Litwinenko umgebracht wurde, dürfte irgendwo im Mikrogrammbereich gelegen haben, und selbst die Herstellung einer solchen nahezu unwägbaren Menge kostet vermutlich siebenstellig. Solche “Mengen” wiegt man nicht, sondern berechnet die Menge durch Bestimmung der Radioaktivität. Daher ist auch ausgeschlossen, dass das hohe Gewicht der Flasche durch Blei-206 zustandekommt, weil es die dafür nötige Menge an Po-210 als Mutternuklid schlicht nicht gegeben haben kann.

Eine Flasche mit einem entsprechenden Etikett zu versehen ist allerdings eine Sache von ein paar Minuten. Da hat sich wohl jemand einen üblen Scherz erlaubt. Wenn allerdings irgendetwas Sichtbares in der Flasche war, war es mit Sicherheit kein Po-210, es sei denn, es wäre in einer Trägersubstanz verteilt gewesen. Das dürfte bei dem Poloniumcocktail, den man Litwinenko in den Tee getan hat, so gewesen sein.

Man wird die Flasche jetzt wohl irgendwo hinbringen, wo man Alphastrahlung messen kann – Kernkraftwerk, Forschungszentrum oder radiologisches Labor einer Hochschule. Und man wird, da lege ich mich fest, nichts finden, jedenfalls kein Po-210.

Vor etlichen Jahrzehnten war übrigens Radium-226 der ganz große Hit, weil man die Strahlung daraus für gesundheitsfördernd hielt. Auch damals gab es deutlich mehr Etiketten, auf denen ein Anteil an Ra-226 bescheinigt wurde, als tatsächlich an Radium verfügbar war.

Das ist genau der Grund, warum man zu solchen Themen nichts schreiben sollte, wenn man, wie ich hier, zu wenig Ahnung davon hat. Ich hatte nämlich keine Ahnung, wieviel Polonium bei irgendwelchen Kernprozessen überhaupt abfällt.

Dann ist es allerdings beachtlich, dass die Feuerwehr das Ding für echt hielt, wenn es so etwas nicht geben kann.