Warum der Schraubenzieher Schraubenzieher heißt …
Eine mit dem Gummihammer für die, die meinen, dass das Ding unbedingt Schraubendreher heißen müsse. [Update]
Weil mir gerade wieder so ein Klugscheißer unterkam, der meinte, der Schraubenzieher müsse Schraubendreher heißen, weil Schrauben damit dreht, und sie nicht ziehen könne wie einen Nagel:
Quatsch!
Das liegt daran, dass Ihr nicht mehr richtig Deutsch gelernt habt.
Der Schraubenzieher heißt nicht Schraubenzieher, weil man damit Schrauben herausziehen würde (wie einen Nagel mit dem Klauenhammer), sondern weil man ihn verwendet, um Schrauben anzuziehen.
Was ist wohl eine fest angezogene Schraube? Ganz sicher keine in zu enger Kleidung.
Und für die, die mit DIN 5264 kommen:
- DIN-Normen sind keine Gesetze. Der DIN ist ein Verein, und was der schreibt, ist so verbindlich wie die Fütterordnung des Karnickelzüchtervereins Kleinhinxterbude Nord.
Man kann sich daran halten, weil es Vorteile bringt, und man kann vertraglich oder in Ausschreibungen dazu verpflichtet werden.
Aber man kann es auch bleiben lassen.
Ich bin auch nicht verpflichtet, den Routenempfehlungen des ADAC zu folgen, selbst wenn sie schön sind.
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Ich war mal an einem DIN-Verfahren beteiligt.
In einer DIN-Norm steht nicht, was richtig ist, sondern das, worauf sich die geeinigt haben, die dafür gezahlt haben, daran teilnehmen zu können.
Wenn die da „Schraubendreher“ reinschreiben, dann wurde das an keiner Stelle auf Richtigkeit geprüft, sondern besagt nichts anderes, als dass sich da ein paar Hanseln, die von Schrauben viel, aber von Sprache wenig Ahnung haben, einfach darauf geeinigt haben, um beide Drehrichtungen sichtbar zu machen und nicht eine Drehrichtung zu diskriminieren.
DIN-Normen beschreiben eine willkürliche Einigung derer, die am Verfahren der Normenbildung teilgenommen haben, und keine Richtigkeit. Das ist kein Schrauben-Duden.
Also hört mir auf mit dieser Scheiß-„Schraubendreher“-Besserwisserei.
Ihr könnt einfach nicht richtig Deutsch, das ist alles. Schrauben zieht man nicht aus dem Gewinde. Man zieht sie an. Deshalb heißt das Ding so.
(Verdammt noch eins, manchmal bekomme ich echt zuviel von dieser penetranten allgegenwärtigen Besserwisserei, die der Gendersprache in nichts nachsteht.)
Update: Legen wir noch etwas nach:
Vielen Dank für den klaren und erfrischenden Blogbeitrag, @Hadmut! 👍
Als Handwerker, der täglich mit dem guten alten Schraubenzieher arbeitet, kann ich nur sagen: Endlich mal jemand, der den gesunden Menschenverstand walten lässt. Man zieht die Schraube fest ins Material –…
— Daniel Böttcher (@dan_boettcher_) April 2, 2026
Das ist genau der Punkt: „Man zieht die Schraube fest ins Material“.
Ich habe mich vor einiger Zeit mal zu einer anderen Besserwisserei umgetan, der Frage, was der Unterschied zwischen Schrauben und Bolzen ist. Wirklich festgelegt ist das nicht, aber viele meinen, wenn es eine Mutter verwendet, ist es ein Bolzen, weil Schrauben keine Muttern haben, sondern Schrauben immer im Material selbst sitzen.
Schrauben werden also in das Material gedreht (und typischerweise beim Zusammenbau immer rein- und nicht rausgedreht). Man zieht sie in das Material ein und zieht sie im Material fest.
Deshalb heißt das Ding Schraubenzieher.
Und nicht, weil man damit die Schraube aus der Wand ziehen würde.