Ansichten eines Informatikers

Die Gefahr von Home-Office

Hadmut
1.4.2026 16:10

Warum es nicht funktioniert – und gerade deshalb eigentlich so gut ist.

Interessanter Beitrag auf Golem: Beschäftigte inszenieren Produktivität im Büro

Die Debatte um die Effizienz von Homeoffice und Büropräsenz erreicht eine neue Stufe: Viele deutsche Angestellte investieren offenbar mehr Energie in die Inszenierung ihrer Anwesenheit als in ihre eigentliche Arbeit. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Jobportals Indeed und des Marktforschungsinstituts Appinio unter 1.000 hybrid arbeitenden Büroangestellten. Demnach gaben zwei Drittel der Befragten an, im vergangenen Jahr gezielt Maßnahmen ergriffen zu haben, um engagierter zu wirken, als sie tatsächlich waren.

Besonders verbreitet sind digitale und physische Täuschungsmanöver. Rund 27,7 Prozent der Befragten halten ihren Onlinestatus im Homeoffice künstlich auf anwesend. Im Büro bleiben 25,4 Prozent länger am Platz, nur weil die Führungskraft noch da ist. Weitere Taktiken sind das Versenden von E-Mails zu ungewöhnlichen Zeiten (23,2 Prozent) oder Wortmeldungen in Meetings ohne inhaltlichen Mehrwert (22,3 Prozent). Sogar das Zurücklassen von Jacken oder Taschen am Arbeitsplatz (17,3 Prozent) wird genutzt, um eine fortdauernde Präsenz vorzutäuschen.

Das Phänomen kommt mir bekannt vor.

Ich habe Leute erlebt, die die ganze Woche in allen Konferenzen sitzen, und am Ende der Woche keine 5 Minuten konkret gearbeitet haben. Und Leute, die ständig herumrennen und die Betriebsnudel abgeben.

Oder ständig alle belehren.

Ich hatte mal einen Kollegen in leitender Position, den man aufgrund seiner Position immer wieder zu verschiedenen Themen ansprechen musste. Egal, worauf man den ansprach – das Ergebnis war ausnahmslos immer (auch bei anderen), dass man selbst irgendwas versäumt habe und Hausaufgaben hätte, nur er selbst niemals und unter keinen Umständen etwas tun müsse. So scheißfreundlich, immer lächelnd, aber hat nie erkennbar irgendetwas gemacht, immer alles auf andere abgeschoben.

Es ist aber deutlich zu merken, dass diese ganzen sozialen Täuschungsmethoden aus dem Home Office nicht mehr oder kaum noch wirken. Da läuft es anders. Da wird inzwischen technisch rigoros überwacht, wer wann wie wo online ist und „arbeitet“ – Microsoft Teams ist so ein Ding. Ich hatte das damals auf meinem MacBook, und das Ding kriegt man kaum noch raus aus dem System. Fährt der Rechner hoch, geht das Ding sofort online, damit man immer erreichbar, immer in der Online-Überwachung ist, ob man auch wirklich arbeitet. Es gibt Leute, die dann Mouse-Jiggler einsetzen, um dem System vorzugaukeln, dass man am Rechner sitze und arbeite.

Es ist eine interessante Frage, wie lange sich Firmen solche Leute noch leisten können.