Gehirn und Doppelmoral, Religion und Juristerei
Was hier selten vorkommt: Ein Pfarrer schreibt mir.
Gehirn und Doppelmoral
Werter Herr Danisch
Bitte schalten Sie nicht auf „Rot“, wenn Ihnen ein Pfarrer schreibt. Ich bin in Ostberlin aufgewachsen und habe dann in Opposition zum Staatssozialismus Theologie studiert. Es war das einzige freie Studium ohne Marxismus-Dauerberieselung.
Zum Thema: Ich bin ganz Ihrer Meinung, dass die Juristerei eine Art Religion ist. Religion und Recht sind engstens verbunden. Im Judentum und Islam gibt es gar keine Trennung, und auch der Hinduismus geht in diese Richtung. Die ersten Bücher der Bibel sind im Kern eine Gesetzessammlung.
Der Grund: Für das Zusammenleben (Rudel) braucht es Regeln. Aber es gibt nur von Menschen ausgedachte Gesetze, also bekommen die einen „göttlichen“ Überguss (heute in D für das Klima). Jeder Jurist ist letztlich ein Priester und verhält sich oft auch so, in dem er sich über andere Menschen stellt.
Exkurs: Allerdings wiegt das persönliche moralische Handeln im (richtig verstandenen) Christentum schwerer als das „Staatsgesetz“. Es gab Christen (ich auch), die immer wieder angeeckt sind, weil sie dem roten, grünen oder braunen Moralkodex nicht folgen wollten.
Die entscheidende Frage: Wie viel Prozent der Menschen sind überhaupt dazu befähigt eine innere eigenständige Moral zu entwickeln und in ihrem Handeln umzusetzen? Und welche Bildung hilft dazu?
Kein Wunder: Sowohl intellektuelle Bildung (eigenes Denken) und Bildung allgemein sind eher im Sinkflug begriffen. Wohl gewollt.
Klar, ideologisch unerwünscht. Individualismus kommt im Sozialismus nicht vor, deshalb akzeptieren die auch keine Demokratie.
Sozialismus beruht auf Kollektivismus, und der unterstellt, dass innerhalb eines Kollektivs, einer „Klasse“ nicht nur alle die gleichen Rechte haben, sondern auch die gleichen Interessen und Gedanken. Den „Klassenstandpunkt“. Uniforme, gleichartige Menschen wie vom Fließband.
Nicht viele Menschen sind in der Lage, eine eigene Moral zu entwickeln. Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass sie es nicht wollen.
Warum wollen sie es nicht?
Weil das Hirn bei den meisten dafür keine Belohnungsstoffe ausschüttet. Diese Botenstoffe sind an die Rudelmechanik gebunden und das Hirn gibt sie in der Regel für Konformität aus. Deshalb wollen die meisten Menschen gar keine eigene Moral, sondern eine, der sie sich anschließen können. Deshalb sitzen die dann auch in der Kirche und lassen sich vom Pfarrer erzählen, was sie denken, meinen und machen sollen.
Oder eben bei den Kommunisten.
Der Pfarrer hatte eingangs „in Opposition zum Staatssozialismus Theologie studiert. Es war das einzige freie Studium ohne Marxismus-Dauerberieselung“. Im Prinzip ist er damit vom Regen in die Traufe gekommen, denn nach meiner Auffassung sitzen Religion und Marxismus im selben Bereich des Hirns, stehen deshalb auch in Konkurrenz. Deshalb mögen Kommunisten keine Religion.
Prinzip Don Camillo und Pepone.
Wäre man der Philosophie weit günstiger gesonnen, als ich es bin, könnte man unter Umständen in eine entfernte Nähe des losen Anflugs eines Gedankenanscheins kommen, dass sich die Philosophie darum dreht(e, als sie noch halbwegs seriös war), wie man sich eine solche eigene Moral erstellt und die Stelle im Hirn selbst füllt.
Steht man der Philosophie aber so gegenüber, wie ich es gegenüber der modernen Philosophie tue, dann hat die akademische Philosophie mit Moralbildung so viel zu tun wie allabendliches Komasaufen. Mit den zwei subtilen Unterschieden, dass allabendliche Komasäufer wenigstens um die Mittagszeit einen kurzen wachen Augenblick haben und Flaschenpfand zurückbekommen.