Ansichten eines Informatikers

Die naive Spritpreislogik der Bundesregierung

Hadmut
26.3.2026 16:40

Danisch fragt – Leser verstehen es nicht.

Ein Leser fragt an:

In Erklärungsnot

Ich bin ja in Mathematik und so nicht so gut wie du. Wohl deshalb verstehe ich das Spritpreisbekämpfungsgesetz der BuRe nicht. Die dürfen jetzt einmal am Tag erhöhen, und zwar 1200. Mit meiner Logik heisst das, die erhöhen 12 Uhr Mittags und das gilt dann am Nachmittag bis zum nächsten 12 Uhr Erhöhunstermin Mittags. Also egal, ob du früh tankst, so als kleinen Zeitvertreib auf dem Weg zur Arbeit, oder halt als Entspannungsübung auf dem Weg nach Hause von der Arbeit. Du bist bei der täglich möglichen Erhöhung immer bei. Besteht das Roullette darin, dass die den nächsten 1200 Termin noch höher erhöhen könnten als zum letzten 1200 Erhöhungstermin gestern? – Spanien senkt im Übrigen die Steuer um 10%.

Da liegen ein kleines und ein großes Verständnisproblem vor.

Das kleine beim Leser, das große bei der Regierung.

Das kleine Verständnisproblem beim Leser ist, dass er übersehen hat, dass der Preis nicht notwendigerwiese bis zum nächsten Mittag gilt, denn senken dürfen sie die Preise immer.

Das große Verständnisproblem der Regierung ist, dass das so nicht funktioniert und man es genau umgekehrt machen müsste: Preissenkung nur einmal am Tag, Erhöhung jederzeit.

Es geht nämlich um den Unterschied zwischen naiver Milchmädchenrechnung und Spiel-Entscheidungstheorie.

Die überaus naive Logik der Regierung ist, dass Spritpreise schön niedrig blieben, wenn man einfach nur einmal am Tag die Preiserhöhung, aber immer die Senkung erlaubt, weil man meint, dass es dann mehr Senkungen als Erhöhungen gibt und die sich dann über den Tag nach unten schaukeln müssen, um konkurrenzfähig zu sein.

Das ist dumm.

Es funktioniert nämlich nicht, ist sogar kontraproduktiv.

Dann nämlich werden die Firmen ihre Spritpreise absichtlich zu hoch ansetzen wollen und müssen, weil sie sicher sein müssen, dass sie keinen Verlust machen, sollte der Spritpreis in den nächsten 24 Stunden steigen. Sie müssen also eine Sicherheitsmarge auf den Spritpreis aufschlagen, dass sie auf keinen Fall Verlust machen. Sie werden sich dann sagen „Wenn der Weltmarktpreis nicht steigt und die Konkurrenz billiger ist, können wir immer noch senken, also lass uns hoch anfangen, weil wir das sonst nicht mehr hereinbekommen.“

Es führt also genau zum gegenteiligen Effekt, nämlich zu höheren und nicht zu niedrigeren Spritpreisen. Weil die Mineralölfirmen darauf achten müssen, in der Gewinnzone zu bleiben und nicht unter Einkaufspreis zu verkaufen. Sie müssen also prädiktiv und spekulativ die Preise hoch genug halten, und können dann gegebenenfalls durch Senkungen die Konkurrenzfähigkeit wieder herstellen.

Deshalb müsste man es genau umgekehrt machen: Preiserhöhungen jederzeit, Senkungen nur einmal am Tag.

Das hört sich widersinnig an, ist aber logisch.

Dann nämlich müssten die Firmen knapp und scharf kalkulieren, um konkurrenzfähig zu sein. Setzen sie nämlich ihren Preis zu hoch an, sind sie für 24 Stunden nicht konkurrenzfähig und die Kunden gehen zur anderen Tankstelle. Sie müssten dann die Preise möglichst niedrig ansetzen, und könnten das dann auch, weil sie sich immer noch sagen könnten „Wenn es nicht reicht und das Öl teurer wird, können wir immer noch erhöhen“.

Es würde aber keiner der Erste mit der Preiserhöhungen sein wollen, denn wenn die anderen nicht mitziehen, ist er die Kunden los, weil er dann nicht mehr zurück kann.

Die Vorgehensweise der Bundesregierung ist also eine naive Milchmädchenrechnung, beruht auf einer Gefühls- und Anscheinslogik, dass etwas billiger würde, wenn man Erhöhungen verbietet, wie beim Mietpreisdeckel. Weil man nämlich von vorherein zu hohe Preise mit Sicherheitsmarge nehmen muss, wenn man weiß, dass es ein gesetzliches Verbot von Erhöhungen gibt.

Das hängt auch damit zusammen, dass die Regierung sozialistisch, planwirtschaftlich und nicht marktwirtschaftlich denkt.

Wollte man die finanzielle Belastung der Bürger senken, müsste man genau entgegengesetzt der Bundesregierung handeln.

Aber das ist eigentlich immer so. Die Zahl der Milchmädchenrechnungen steigt kontinuierlich und monoton an.