Ansichten eines Informatikers

Wie die Amerikaner an ihrer Hierarchie scheitern

Hadmut
11.3.2026 21:33

Warum Feminismus und den Krieg zu verlieren eigentlich dasselbe ist.

Ich habe in den letzten Tagen einige Artikel über den Iran-Krieg geschrieben und darüber, dass die amerikanische Überheblichkeit und die Taktik großer, teurer Superwaffen wohl gerade an der iranischen Taktik scheitern, mit vielen, kleinen, billigen Waffen anzugreifen.

Gerade habe ich einen Artikel der Berliner Zeitung gelesen, der inhaltlich dasselbe sagt: US‑Militär überrascht: Wie Iran im Krieg gegen USA und Israel seine Taktik verändert.

Umso bemerkenswerter ist, was aus Washington selbst zu hören ist. In einer ausführlichen Analyse der New York Times vom 10. März zeichnen die Pentagon-Korrespondenten Helene Cooper und Eric Schmitt ein Bild, das so gar nicht zur Siegesrhetorik der Trump-Administration passen will.

Hochrangige US-Verteidigungsbeamte räumen demnach ein: Der Iran lernt. Und der Iran lernt schnell.

Die iranischen Streitkräfte haben ihre Taktik seit Kriegsbeginn angepasst. Statt – wie in früheren Konfrontationen – vorab zu warnen und symbolische Vergeltungsschläge zu führen, greifen sie nun gezielt amerikanische Verwundbarkeiten an. Im Fokus stehen Luftabwehrsysteme, Radarsysteme und Kommunikationsinfrastruktur – also genau jene Fähigkeiten, die das US-Militär braucht, um sich und seine Verbündeten in der Region zu schützen.

Am Luftwaffenstützpunkt Al Udeid in Katar wurde ein hochentwickeltes Frühwarnradar beschädigt. Im Camp Arifjan in Kuwait trafen iranische Geschosse drei Radarkuppeln. Bei der Ali-Al-Salem-Airbase, ebenfalls in Kuwait, wurden mindestens sechs Gebäude in unmittelbarer Nähe von Satellitenkommunikationsanlagen zerstört oder beschädigt. Die Schäden am Hauptquartier der Fünften Flotte in Bahrain beziffert eine Pentagon-Einschätzung für den Kongress auf rund 200 Millionen Dollar.

Iranische Milizen im Irak starteten einen Drohnenschwarm-Angriff auf ein gehobenes Hotel in Erbil – in dem, wie Teheran offenbar wusste, amerikanische Soldaten untergebracht waren.

Die Interceptor-Frage

Besonders alarmierend ist ein strategisches Problem, das sich schon im zwölftägigen Krieg des Vorjahres abzeichnete und nun mit voller Wucht zurückkehrt: die Erschöpfung der amerikanischen Abfangraketen-Bestände.

Laut einem Bericht des Center for Strategic and International Studies (CSIS) vom Dezember verschoss das US-Militär im kurzen Krieg 2025 bereits 100 bis 250 THAAD-Abfangraketen – zwischen 20 und 50 Prozent des gesamten Bestands. Dazu kamen 80 SM-3-Raketen, fast ein Fünftel des Vorrats. Der Iran scheint genau diese Schwachstelle erkannt zu haben.

„Es ist überraschend, wie schnell sie die Lehren aus dem Zwölf-Tage-Krieg gezogen und umgesetzt haben“, sagt Vali R. Nasr, Iran-Experte an der Johns Hopkins University, der New York Times. „Sie haben gelernt, dass unsere Schwäche bei den defensiven Fähigkeiten liegt – bei Abfangraketen, THAAD und Patriot.“

Es scheint, als seien die USA beeindruckt und beunruhigt.

Doch irgendwie kommt mir die Situation bekannt vor, irgendwie erkenne ich darin unsere eigene Situation wieder.

Auf der einen Seite steht der Iran. Er hat nicht nur innovative Ideen der Kriegführung und handelt rational, ingenieurmäßig, taktisch, responsiv, analytisch.

Auf der anderen Seite stehen die USA. Groß, arrogant, in vielerlei Hinsicht ignorant. Denn die Masche mit den Drohnen hätte man im Ukraine-Krieg lernen können und müssen. Aber mit der Überzeugung, einfach so über dem Iran zu stehen und damit den Ausgang des Krieges faktisch vorab gepachtet zu haben.

Mir kommt das so vor, als handelte der Iran so, wie wir früher einmal waren, ingenieurmäßig, einfallsreich, beweglich.

Und es kommt mir so vor, als handelten die USA so, wie wir heute sind: Hierarchisch, arrogant, eingebildet, stur.

Mir erscheint das alles als das Sinnbild, wie sich bei uns die rationale Ingenieurgesellschaft, in der vor allem Wissen zählte, das Ergebnis, der Erfolg, in eine Geisteswissenschaftlergesellschaft verwandelten, in der Ergebnis und Realität keine Rolle mehr spielen, aber Hierarchien und Kastensysteme darüber entscheiden, was falsch und was richtig ist.

Anders gesagt:

Die Umwandlung in eine feministische, geisteswissenschaftliche, woke Gesellschaft hat uns in eine Art klerikale Gesellschaft verwandelt. Unsere Führungsebene besteht eigentlich nur noch aus Genderpriestern, Gerechtigkeitspredigern, Geschlechtsexorzisten und Meinungsinquisitoren. „Hass und Hetze“ sind an die Stelle dessen getreten, was im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit dem Teufel zugerechnet wurde. Im Prinzip verhalten wir uns nicht anders als die Kirche, die Ketzer und den Teufel verfolgen.

Was so kurios wie paradox ist, denn eigentlich sind wir ja die Ingenieurs-, und der Iran die Klerusgesellschaft. Aber anscheinend haben sich in beiden Gesellschaften Blasen gebildet, die dafür gesorgt haben, dass die USA klerikaler geworden sind als die Iraner ingenieurig wurden.

Möglicherweise leitet dieser Krieg im Westen eine Cäsur ein, um diese klerikal-marxistische Denken zu beenden, das Primat der Marxistenkirche zu beenden, in der alles nur ein Sprechakt, ein soziales Konstrukt ist. Denn das soziale Konstrukt wird vom Iran gerade ziemlich zusammengeschossen.

Vielleicht ist das ganz heilsam, denn eben diese Überheblichkeit, diese Arroganz zu glauben, dass man der Stärkere sei und das mal eben so in einer Woche regeln könne (ein Fehler, der schon Putin unterlief) ist eine Folge dessen, dass es uns lange zu gut ging und wir es uns leisten konnten, Geisteswissenschaften hochkommen zu lassen.

Das meine ich:

In einer rationalen Gesellschaft wäre es (mindestens) genau andersherum.

Dazu kommt, dass uns die Genderforschung exakt gar nichts gebracht hat. Wenn da wenigstens Ergebnisse heraus kämen, die man zu irgendetwas gebrauchen könnte, das irgendeinen Nutzen hätte. Aber das sind rein klerikale Professuren, die allein dazu da sind, den orthodoxen Genderglauben zu verbreiten und die Hierarchie, die Rangordnung zu manipulieren.

Und ich habe den starken Eindruck, dass diese Veränderung dazu geführt hat, dass die Gesellschaft erstarrt ist, gelähmt wurde, fixiert in ein rudelmechanisches Hierarchiedenken.

Wir denken nicht mehr analytisch, nicht mehr ingenieurmäßig, nicht mehr rational.

Wir denken hierarchisch und orthodox.

Und das geht gerade schief. Bei uns übrigens auch.

Es scheint, als würde die Realität gerade wieder wichtig und dominant.