Ansichten eines Informatikers

Von Speicherkrisen, NAS-Systemen und RAM-Riegeln

Hadmut
9.3.2026 12:38

Aktuelles zur Kriegswirtschaft.

Eigentlich bin ich ja gut ausgestattet, was Datenspeicher und so weiter angeht. Ich hatte neulich geschrieben, dass wegen des KI-Hypes plötzlich RAM und Flash, und kurz danach auch Festplatten sehr teuer wurden. Teilweise sind die Preise auf das Zehnfache gestiegen, und teilweise bekommt man die Sachen gar nicht mehr.

Nun denke ich mir, dass ich durch die schlimmste Zeit auch so durchkomme, weil ich in den letzten ein, zwei Jahren, als die Sachen billig waren, zumindest einen gewissen Vorrat an SSD- und DDR4-RAM-Riegeln gekauft habe, deshalb also nicht sofort auf den Trockenen sitze. Ich hatte ja auch berichtet, dass ich neulich noch zwei Festplatten gekauft habe, aber nur ein Zögern über Mitternacht mich schon 30 Euro Extra gekostet hat, weil die Preise schon stiegen.

Was aber, wenn das länger dauert? Noch ein, zwei Jahre oder länger?

Mir ging ein Gedanke durch den Kopf.

Ich habe noch alte, eigentlich ausgemusterte Festplatten. 4TB WD RED Serverplatten unterschiedlichen Alters, die ich vor Jahren ausgemustert und durch neuere, größere ersetzt, aber vorsorglich nicht weggeworfen habe.

Zum Testen. Eigentlich nämlich gelten Festplatten, wenn man sie eine Zeit verwendet haben, so nach 3 bis 5 Jahren nicht mehr als zuverlässig. Und auch Festplatten altern, selbst wenn sie unbenutzt im Schrank liegen, weil die Lager und deren Schmierung altert. Eigentlich sollte man so alte Platten gar nicht mehr produktiv einsetzen.

Sieben Stück habe ich, und kenne deren aktuellen Funktionszustand nicht. Aber schaut man sich die heutigen Preise an, sind diese Platten, die ich schon ausgemustert habe, wieder zum Schatz mutiert.

Aber wo steckt man sie rein?

Es gibt beim Chinesen des Vertrauens kleine, schnuckelige 4-Bay-NAS-Server als Barebone, für DDR4. DDR4 hätte ich noch, aber es gibt ein anderes Problem damit: Man braucht mindestens zwei Platten Redundanz! Das System muss zwei Plattenausfälle verkraften können. Deshalb ist normales RAID auch nicht gut.

Warum?

Nun, eine Platte kann immer kaputt gehen. Dann muss man sie schnell ersetzen, bevor die nächste kaputt geht.

Die restlichen n-1 Platten brauchen aber auch noch Redundanz, weil die spezifizierte Fehlerwahrscheinlichkeit zwar in Bereichen von 10-14 oder so etwas liegt, je nach Plattentyp, man sich damit aber ausrechnen kann, dass auf Terabyte-Platten immer Fehler vorkommen. Auch ohne Defekt. Einfach statistisch. Wenn aber auch n-1 gesunde Platten schon statistisch Fehler produzieren, dann braucht man Fehlererkennung und weitere Redundanz. Also müssen mindestens zwei Platten redundant bzw. überschüssig sein, und zwar so, dass sie sich gegenseitig ergänzen. Es gibt RAID-Systeme, die beim ersten Lesefehler eine Platte gleich ganz als defekt abschalten, und da endet man dann schnell damit, dass das RAID aufgibt, weil jede Platte irgendwo einen Lesefehler hat. Man braucht also auch ein System, das Platten nicht gleich ganz abschaltet, wenn es mal vereinzelte Lesefehler gab.

Das Dateisystem ZFS kann das.

Da legt man den pool als RAIDZ2 oder RAIDZ3 an. Und schon hat man, was man will.

Problem: Wenn man mindestens zwei Festplatten Redundanz braucht und das preisgünstige NAS nur 4 Plattenplätze hat, dann hat man mindestens 50% Redundanz und kann somit höchstens 2×4=8TB (abzüglich Verwaltung) nutzen.

Also dachte ich mir: Nimmste das 6-Bay-NAS. Passt doch ideal, 6 Platten rein, 2 davon redundant, macht netto fast 16 TB Plattenplatz, und die siebte als kalte Reserve. Optimal. Mit alten Festplatten. Als Reserve-NAS.

Aber, ach

Das 6-Bay-NAS braucht DDR5-Speicher. DDR4 habe ich auf Vorrat, DDR5 aber nicht. Im Handel nicht mehr zu kriegen.

Geht also nicht.

Neulich – noch vor dem Krieg – habe ich dann aber doch einen gesehen, der 2×16 GB-Riegel 4800 MHz anbot. (eigentlich die falsche Einheit, richtig wäre mt/s, Megatransfers per second, aber ist so eingebürgert). Mondpreis zwar, geht aber gerade noch.

Beides bestellt. Dafür habe ich das 6-Bay-NAS billiger bekommen, weil das gerade keiner kauft, hat ja keiner DDR5-Riegel. Gerade noch rechtzeitig vor dem Krieg bestellt.

Aber falsch bestellt.

Auf der Händler-Webseite stand nämlich, dass das Gerät 4800 mt/s-Riegel braucht. Beim Hersteller habe ich dann aber entdeckt, dass das Gerät 5600 mt/s braucht.

Noch etwas teurer, aber vorsorglich bestellt, denn bei zu langsamem Speicher weiß man nie, ob das System damit nur etwas langsamer oder gar nicht läuft. Kann man ja zurückschicken.

Heute habe ich dann auch die letzten Teile bekommen. Deckel auf, 5600-mt/s-Speicher rein, Deckel zu – läuft + freu.

Ich kann jetzt also anfangen, die alten Platten reinzustecken und erst einmal zu testen, ob die noch funktionieren. Und mir überlegen, wie ich das mache. Langer Selbsttest mit Smartmon natürlich. Aber sonst? Was noch tun?

Nun bläht mich eine Frage:

Ich habe ja noch den zuviel bestellten speicher, 2x16GB DDR5 4800 mt/s.

Den wollte ich eigentlich zurückgeben, geht ja bei Online-Bestellungen. Weil er sehr teuer war, ich ihn aber gerade nicht brauche und nichts habe, wo ich den noch reinstecken könnte.

Kriegswirtschaft

Nun ist aber Krieg.

Und da hieß es, nicht nur wegen zerstörter Rechenzentren, sondern weil Rohstoffe und Waren nicht mehr geliefert werden könnten, dass sich die PC- und Speicherkrise noch viel steiler verschlimmern werde.

Nun sitze ich da und grüble:

Soll ich den zuviel bestellten Speicher zurückschicken? Oder soll ich ihn, obwohl teuer, behalten, weil die Not noch größer werden wird, und ich keine DDR5-Vorräte habe?