Ansichten eines Informatikers

Aktuelle Informationen aus Dubai

Hadmut
6.3.2026 21:00

Leserzuschrift.

Vorbemerkung: Ich war einige Male in den Emiraten. Einmal in Sharja, einmal in Abu Dhabi, und mehrmals in Dubai. Mir gefällt es ziemlich gut, ich bin gerne da, auch wenn ich das eigentlich nicht so sehr als Urlaubsgebiet ansehe, sondern als Zwischenstation für Australien und Neuseeland, so eine Art Zeitzonendekompressionskammer. Ich finde das recht angenehm dort. Ich kenne Dubai und die typischen Touristenorte dort.

Dazu schreibt mir ein Leser:

Sehr geehrter Herr Danisch,

ich war bis gestern in Dubai. Bin mit einem der ersten Flüge aus Dubai wieder heraus gekommen und gestern in […] gelandet. Sie waren ja auch schon in Dubai, kennen die Stadt.

Nachfolgend ein paar Eindrücke und Gedanken zu den aktuellen Ereignissen dort. Vielleicht können Sie ja etwas für Ihren Blog verwenden. Wenn Sie möchten, dürfen Sie den nachfolgenden Text oder Auszüge daraus gerne – wie immer bei Ihnen im Blog – anonym veröffentlichen.

Die Tage seit Beginn der Kampfhandlungen am vergangenen Samstag (Ortszeit 10:00 Uhr), waren erlebnisreich und nervenaufreibend. Anfangs hat man das nur insofern mitbekommen, als dass ab ca. 11:30 Uhr von Deutschland Nachrichten und WhatsApp-Messages eintrudelten. Wir waren zum Mittag gerade im nördlichen Stadtteil oberhalb des ‘Dubai Creeks’. Die Basare waren wie üblich voll mit Touristen, auch auf den Straßen herrschte das in diesem Gebiet landestypische Chaos. Plötzlich konnte man aus Norden kommend ein dumpfes, sehr basslastiges Dröhnen hören. Vermutlich durch Dutzende Kampfflugzeuge im Anflug auf Iran verursacht. Die USS Abraham Lincoln soll ja irgendwo östlich im oder vor dem Golf von Oman liegen. In den Stunden danach waren immer wieder Kampfjets zu hören. Auch aus Richtung Südwest, Abu Dhabi kommend.

Die Situation wurde richtig dramatisch mit den ersten deutlich hörbaren Einschlägen im Stadtgebiet am Abend. Den vorläufigen Höhepunkt bildete dann in der Nacht auf Sonntag der ‘Raketenalarm’, der um 0:34 Uhr per ‘Cell Broadcast/Alarm’ aufs Handy kam. Ich war froh, hier in Deutschland wenigstens schon einmal solch einen Probealarm kurz gehört zu haben, denn sonst ist der schrille Warnton mitten in der Nacht durchaus gesundheitsgefährdend, zumal wenn das Handy auf dem Nachttisch am Bett direkt neben dem Kopf liegt. Die Nachricht ‘potential missile threats’ kam zweisprachig arabisch und englisch. Also schnell minimal etwas angezogen und raus gerannt Richtung Treppenhaus. Das schon richtig voll war mit anderen Gästen und Hotelangestellten, die alle nach unten strömten. Das funktionierte eigentlich sehr reibungslos und geordnet. Großes Lob an das Hotel und die lokalen Aufsichtsbehörden: Das Treppenhaus war von überall her problemlos zugänglich, wie in Dubai üblich sehr sauber und zugleich super hell erleuchtet. Boden und Geländer in grün lackiert, die Treppenkanten alle mit einer schwarzen trittsicheren Gummilippe versehen. Es soll ja vermeintlich hochentwickelte westliche Industrieländer geben, in denen ein verriegelter Notausgang dann zu einer Brandkatastrophe führt. Im Hotel in Dubai jedenfalls war der Fluchtweg perfekt vorbereitet. Nach anderthalb ereignislosen Stunden im Keller sind wir wieder hoch ins Zimmer. An Schlaf war aufgrund der Anspannung nicht mehr zu denken, entsprechend gerädert waren wir ab dann den Rest der Woche.

Die nächsten Tage gab es angeblich ein paar weitere Einschläge in Dubai, von denen wir aber nichts mehr mitbekamen. Dubai ist groß! Dafür konnte man mehrfach beobachten (und deutlich hören!), wie in einigem Abstand vor der Küste ballistische Raketen aus dem Iran, vermutlich mit Kurs auf den US-Luftwaffenstützpunkt Al Dhafrah südöstlich von Abu Dhabi, von der Raketenabwehr in geschätzt 15+ km Höhe abgefangen wurden. Die Flugkörper selbst hat man nicht gehört. Aber die Detonation der Sprengköpfe in den Abfangraketen (vermutlich ‘Patriots’) umso deutlicher. Das war jeweils ein gewaltiger Knall. Ein sehr kurzer Impuls, ganz anders als in Hollywood-Filmen, in denen das Explosionsgeräusch immer etwas länger andauert. Zu sehen war für einige Sekunden ein kreisrunder, fast wolkenartiger Ring, der aber schnell am Himmel weg diffundierte.

Am Sonntag, also dem Tag nach diesem beängstigenden nächtlichen Raketenalarm, war die Stadt weitgehend menschenleer. Die Behörden hatten wohl aufgefordert, möglichst im Gebäude oder Hotel zu bleiben. Wir haben das eigentlich nicht so richtig mitbekommen und dann auch ignoriert, sind trotzdem raus, unter Berücksichtigung gewisser Vorsichtsmaßnahmen. Z. B. immer nah an der dem Iran abweisenden Gebäudeseite laufen. Zudem ergab eine überschlägige Berechnung der Wahrscheinlichkeiten, bei einem Verkehrsunfall oder einem Raketeneinschlag getötet zu werden, kaum einen Unterschied. Die nachfolgenden Tage hatten wir dann so gesehen einige fast schon surreale Tourismus-Erlebnisse, auf die ich hier jetzt nicht weiter eingehe. Die meisten Touristen sind zumindest bis einschließlich Dienstag wohl konsequent in ihren Hotels und Unterkünften geblieben, entsprechend leer waren alle touristischen Einrichtungen und die Gastronomie.

Selbstverständlich kam bereits Sonntag überall die Frage auf: Warum schießen die Iraner auf Dubai? Nicht nur wir, sondern insbesondere auch die lokale Bevölkerung und die Regierung schienen vollkommen überrascht. Entsprechend äußerte sich auch eine Ministerin aus Dubai auf CNN, was wir Sonntag zufällig verfolgten.

So wie Sie das auf Ihren Reisen auch immer machen, haben wir versucht mit zahlreichen Einheimischen zu reden. Dort herrschte durchweg Entsetzen über die Aktion des Irans, schließlich gehört ‘politische Neutralität’ zu den ‘Eight Principles of Dubai’, wie man sie an manch prominenten öffentlichen Orten sogar auf großen Tafeln nachlesen kann.

Ich musste dann in Dubai öfters an Ihre regelmäßigen und aus meiner Sicht ganz hervorragenden Ausführungen zum Thema ‘Sozialismus’ denken. Welche Gründe könnten die Attacken auf Dubai haben?

# Gibt es einen militärischen Nutzen? Raketen auf Luxushotels wie das ‘Burj Al Arab’? Nein, null Komma null militärischer Nutzen.
# Politische Gründe? Wird Sheikh Mohammed bin Rashid al Maktoum, der Herrscher Dubais, so motiviert, sich der Sache der Iraner anzuschließen? Eher nicht.

Letztlich sind diese Angriffe (Flughafen, Luxushotel, Luxusinsel ‘The Palm’ etc.) reine Terrorangriffe. Das untergehende Sozialismus-Experiment im Iran will dem wohlhabenden, kapitalistisch orientierten Nachbarn seine glitzernden Erfolgssymbole kaputtmachen. Wie wenn das geistig minderbemittelte Kindergartenkind dem anderen, kreativen Talent seine Lego-Bauten kaputt schlägt. Terror auf Kindergartenniveau. Nur leider tödlich. Aber so, wie wir es von den Sozialisten weltweit kennen.

Glücklicherweise war ab Mittwoch deutlich spürbar, dass die Stadt nun wieder hochgefahren wird. Großes Lob an die Fluggesellschaft ‘Emirates’, die uns gestern nach Hause geflogen hat. Die ersten Flüge fanden wohl unter militärischem Begleitschutz statt, was man auch deutlich am Boden hören konnte. Südöstlich von Dubai kreiste die ganze Zeit ein Tankflugzeug, war wahrscheinlich an dieser Sicherungs-Operation beteiligt. Der Flug gestern von Dubai DXB zurück nach Deutschland war insofern skurril, als dass aktuell alle Maschinen nach dem Start in Richtung arabischem Golf eine 180-Grad-Kurve machen und in entgegengesetzte Richtung einige Zeit südlich/südöstlich fliegen, weg von der Küste ins (sicherere) Landesinnere. In der Fluginfo auf dem Display nahm die ‘Distance to Destination’ über fast 30 Minuten kontinuierlich zu. So etwas habe ich auch noch nie erlebt.

Das ist ein sehr wichtiger Punkt.

Denn einige „Leser“ haben mich beschimpft, weil ich dem Iran unterstellte, er schieße wahllos in alle Richtungen. Es sei das Recht des Irans, amerikanische Militärstellungen anzugreifen.

Das mag ja sein, aber am Burj Al Arab gibt es keine (für mich) erkennbare amerikanische Militärstellung. Ich war da schon. Das ist ein Luxushotel, und dann hat es da Badestrände, und gleich in der Nähe das Spaßbad „Wild Wadi“. Ich habe doch im Blog schon oft erzählt, dass ich da mal in so einem Freibad war und innen gefragt habe, warum außen verschleierte Frauen reingehen und man sie drinnen nicht sieht, alle im Badeanzug oder Bikini rumspringen. Es gibt einen nicht einsehbaren Bereich nur für Frauen, aber als ich gerade daran vorbei kam, war der zufällig sperrangelweit offen zur Reinigung und keiner drin. Ich hatte den (männlichen!) Verkäufer im Burkini-Laden gefragt, wo die alle hin sind. Ich habe draußen mindestens 10, 20 verschleierte Frauen in der langen Schlange gesehen und hätte erwartet, dass die hier im Burkini oder im Frauenbereich oder sowas baden. Ob es da noch irgendeinen Teil gäbe, den ich nicht kenne. Nöh. Sie überließen das jedem selbst, und die meisten derer, die draußen verschleiert rumlaufen, haben im Spaßbad Bikini oder normalen Badeanzug an. Deshalb erkennt man die nicht mehr wieder. Schon einige Male hier im Blog erzählt.

Und das war in genau diesem Wild Wadi, Jumeirah Beach. Da gibt es keinen amerikanischen Stützpunkt. Da geht man baden. Oder essen. Da ist High Life. Da springen die Leute in Badehose, Bikini, Badeanzug herum. Gehen im Meer oder im Pool planschen.

Und trotzdem schreiben mir Leute, der Iran würde da nur amerikanische Stützpunkte angreifen – obwohl ich da selbst schon war und genau weiß, dass es da so etwas nicht gibt, dass das ein Vergnügungsviertel ist.

Aber eine Menge Leute, vor allem des linken politischen Spektrums, versuchen gerade, partout alles gutzureden, was der Iran tut.

Dabei scheint es genau so zu sein, wie es auch der Leser schreibt: Der Iran ist ein – gescheitertes – linkes Experiment, ein Mustersozialismus.

Das war kein Zufall, dass die Linken 68er damals gegen den Schah demonstrierten und den Weg frei für einen Mullahstaat machten. Im Prinzip betrachtete man damals – und tut es noch heute, deshalb die Migration – den Islam als das ideale Baumaterial für einen sozialistischen Staat. Deshalb auch die hohe Affinität der Grünen zum Islam.

Nur mit dem Detail, dass man damals blöd guckte, als die Mullahs nach der Machtübernahme erst einmal die Linken rausgeworfen oder umgelegt haben, was die heutigen Linken längst vergessen haben.

Ich hatte das ja neulich schon angesprochen: Schah, Zar, Kaiser, (Caesar), im Prinzip alles dasselbe Wort. Und so, wie man in Russland den Zar durch Kommunisten ersetzt hat und bei uns den Kaiser durch Kommunisten ersetzen wollte, hat man im Iran den Schah ersetzt.

Nur dass das dann eben genauso wenig funktionierte wie jeder andere Sozialismus: Unterdrückung, drakonischer Gefängnisstaat, Hinrichtungen, wirtschaftlicher Niedergang. Sozialismus eben. Im Prinzip ist der Iran ungefähr da, wo die DDR 1988/89 war.

Deshalb versuchen jetzt so viele, den Iran zu loben.

Im Prinzip erleben wir hier so etwas wie den Korea- oder Vietnam-Krieg: Die kapitalistischen USA gegen die Kommunisten. Der Iran als eine Art Nordkorea, made in Europe.

Eine wesentliche Motivation für Angriffe scheint einfach Wirtschaftsneid zu sein. Die Lage in Nachbarschaft zu den Emiraten und Saudi-Arabien muss so ähnlich sein wie für die DDR die Nähe zum Glitzerwesten. Man hat mir berichtet, dass man Berlin damals deshalb mit Geld aufgehübscht und von Sperrstunden befreit hat, weil man als „psychologische Kriegführung“ wollte, dass die in der DDR nachts die Musik und die Stimmung hören und die Lichter sehen. Ähnliches hat man mir bei der Führung auf Alcatraz gesagt. Ein Teil der Knastwirkung und wirklich hart sei gewesen, dass man dort unter härtesten Bedingungen eingelocht war (nur die Duschen waren immer warm, damit man sich nicht für die Flucht an kaltes Wasser gewöhnen kann), während man die Partymeile von San Francisco sehen und hören konnte.

Ähnlich muss denen das mit Dubai gehen.

Das könnte durchaus der blanke Neid oder Böswilligkeit sein, dass man das glitzernde und schicke Dubai und andere Städte und Länder außenherum noch irgendwie kaputt machen, versauen will.

Es ist eine interessante Frage, ob es dabei überhaupt noch um eine Gegenwehr geht, oder einfach nur darum, mit möglichst viel Schaden für die beneideten Nachbarn abzugehen. Ob die einfach Schaden anrichten, bis sie der Märtyrer-Tod ereilt, und sie gar nicht die Absicht haben, das Land zu verteidigen.

Es wird eine interessante, aber schwierig zu erforschende Frage sein, welche westlichen Einflüsse zur sozialistischen Diktatur des Iran geführt haben. Welche Aktien deutsche Linke daran haben. Die DDR. Stichwort Ohnesorg/Kurras.