Über Türken, Griechen und andere
Geht etwas Seltsames vor sich?
Ich verfolge – natürlich – die Nachrichten aus Zypern. Es ist ja erstaunlich, wer gerade alles Kriegsschiffe usw. entsendet, um Zypern zu beschützen. Da dürfte die EU dahinter stecken. Selbst die Engländer, die ja eigentlich militärische Liegenschaften auf Zypern, aber den Krieg völlig verschlafen und sich blamiert haben, haben kleinlaut angekündigt, so schnell wie möglich irgendetwas loszuschicken, was schwimmen kann. Es scheint gerade von vielen EU-Ländern und England je eine Delegation nach Zypern zu kommen.
Nun gibt es aber etwas, was sehr beachtlich, sehr ungewöhnlich ist.
Eigentlich nämlich sind sich ja Türken und Griechen spinnefeind und beobachten argwöhnisch jede noch so kleine Bewegung des anderen. Weil nun aber beide angegriffen wurden – das griechische Zypern mit einer Drohne, auch wenn die im englischen Teil eingeschlagen ist – und die Türkei selbst mit einer Rakete, die von der NATO abgeschossen wurde.
Nun gibt es eine Erklärung der Türken, über die die Cyprus Mail schreibt: Turkey says it ‘will not hesitate’ to act over Cyprus as regional conflict continues
Turkey “will not hesitate” to act against “hostile attitudes” shown towards the Turkish Cypriots as the conflict in the region widens, the country’s defence ministry’s spokesman rear admiral Zeki Akturk said on Thursday.
“Turkey, as it was yesterday, is today by the side of and a supporter of the TRNC. Turkey will not hesitate to use the powers granted to us by our guarantor status against hostile attitudes which threaten the security of the Turkish Cypriots,” he told a press conference.
Auf den ersten Blick hört sich das sehr aggressiv an und man könnte meinen, die Türkei fürchtet, dass eine solche Ansammlung von EU-Militär um Zypern als Bedrohung der Türkei angesehen wird, weil man ja auf den Gedanken kommen könnte, dass die vielleicht alles sagen, „ach, wenn wir schon mal da sind, könnten wir doch eigentlich unauffällig und so nebenbei die türkischen Besatzer rauswerfen.“ Man könnte auf den ersten Blick meinen, dass die Türkei sich da dem islamischen Krieg gegen den Westen pro forma anschließen könnte.
So ist es aber nicht.
To this end, Akturk had earlier in the same press conference announced that a delegation from the Greek air force will visit Turkey next Monday “within the framework of bilateral relations and regional developments” – the same Greek air force which stationed four F-16 fighter jets in Paphos on Monday
Akturk described the Greek delegation’s planned visit of as a “confidence-building measure”.
In addition to the fighter jets, to the island two frigates, including the Kimon, described by Greek Prime Minister Kyriakos Mitsotakis on Wednesday as the “pride of the Greek fleet”, in response to the firing of an Iranian-made drone at the island on Monday.
The country’s Defence Minister Nikos Dendias was asked about Turkey’s presence in the region and in Cyprus after the frigates and the fighter jets were deployed, and said that “Turkey understands the need that Greece has to defend its territory”.
“The presence of Greek planes and ships is to protect the entire population of Cyprus. We offer a comprehensive service,” he said.
On Wednesday, Turkey’s defence ministry had indicated that it may be bolstering its own military presence in Cyprus, posting a photograph of Turkish soldiers arriving at the north’s Ercan (Tymbou) airport to social media.
Ist das nicht erstaunlich?
Es scheint, als würde ein gemeinsamer Gegner Türken und Griechen einander näher bringen. Als hätten die auf einmal Verständnis für einander und würden sich besuchen. Sich gegenseitig unterstützen. Wieder miteinander reden. (Obwohl es ja vor einiger Zeit schon erkennbar war, dass der Ton milder wird und die Feindseligkeiten reduziert werden.)
Andere
Einen ähnlichen Effekt kann man auch bei den anderen beobachten, die vom Iran angegriffen werden (oder so angegriffen werden, dass es so aussieht, als wäre es der Iran).
Auf einmal sitzen die alle, wie man so schön sagt, „in einem Boot“.
Aserbaidschan. Wer interessiert sich schon für Aserbaidschan? Inzwischen alle, weil auch die angegriffen wurden. Auf einmal steht man sich gegenseitig bei.
Es ist gerade die Rede davon, dass die USA mit dem Angriff den Dritten Weltkrieg entzündet haben.
Kann sein.
Es könnte aber auch genau andersherum sein. Es könnte durchaus sein, dass man da dann, wenn man Islam-Iran, Hamas, Hisbollah ausschaltet, den großen Nahostfrieden initiiert, nämlich indem die sich alle angegriffen fühlen, zueinander finden, man man sie dann vom großen gemeinsamen Feind befreit. Dass arabische Länder wie die Emirate auf den Iran nicht gut zu sprechen sind und die Schiiten als Angreifer sehen, hatte ich schon in meinen Reiseberichten erwähnt. Wobei natürlich komisch war, dass sie die große Moschee in Abu Dhabi einerseits wegen innerislamischer Konflikte bewachen müssen, und die Polizei von Sharja gleich die Panzerfaust als Argumentverstärker und Diskussionsverkürzer im Arsenal hat, sie gleichzeitig aber betonen, dass der riesige Teppich, der in der großen Moschee von Abu Dhabi ausliegt und anscheinend aus einem Stück besteht, aus dem Iran komme, weil nur die so etwas herstellen könnten.
Es gibt Leute, die fürchten den Flächenbrand, den Ausbruch des Dritten Weltkriegs, jeder gegen jeden.
Ich könnte mir aber vorstellen, dass das zum genauen Gegenteil führen könnte, dass die sich zusammenraufen und anfangen, miteinander zu leben.
Ich hatte berichtet, dass ich in Berlin auf dem Alexanerplatz ein kleines Demonstratiönchen gesehen hatte, Mullah-Anhänger. Ein Leser hat mich drauf gebracht (hätte ich eigentlich auch selbst drauf kommen können), dass man sich die Iran-Flaggen genau ansehen muss, ob sie das rote Islam-Symbol oder den goldenen Löwen tragen. Jedenfalls sind mir in den letzten Tagen in den Social Media und den anderen Medien immer wieder Bilder aufgefallen, auf denen Iraner (die mit dem Löwen) und Iraelis (mit der Israelflagge) zusammen demonstrieren.
Stellt Euch mal vor, es gäbe einen Regime-Wechsel im Iran, und der Iran und Israel vertrügen sich auf einmal. Hisbollah weg, Hamas weg. Und die Leute würden anfangen, einfach nur in Ruhe zu wohnen.
Ich hatte mal beschrieben, dass die dort die perfekten Voraussetzungen für die Welturlaubsregion Nummer eins hätten. Tauchen und Pyramiden in Ägypten, Pilger-Fahrten nach Mekka in Arabien, den ganzen Christenkram in Jerusalem, Wüsten in Jordanien, Iran ist auch ein wahnsinnig schönes Land, und zur Türkei kann man auch gleich weiter. Die könnten sich mit Tourismus dumm und dämlich verdienen. Dann kommt noch Trump dazu, der schon meinte, man solle den Gaza-Streifen in eine Hotel-Landschaft verwandeln. Das ist doch gar keine so schlechte Idee. Und Arbeitsplätze macht das auch.
Dazu Einkaufsmärkte mit direkter Belieferung über die Seidenstraße.
Könnte es also sein, dass der Iran, der gerade wie wild geworden scheinbar wahllos in alle Richtungen schießt, ausgerechnet damit den großen Nahost-Frieden initiiert? Weil Leute zusammenfinden, die vom gleichen Gegner in gleicher Weise angegriffen werden?
Und das vielleicht gerade deshalb, weil Krieg so richtig teuer ist und es allen wirtschaftlich gerade nicht gut geht, es eigentlich keiner gebrauchen kann, da gerade mal Milliarden für Raketen auszugeben?