Ansichten eines Informatikers

Youtube-Alternativen ohne Werbung?

Hadmut
24.2.2026 12:42

Wo kommt das Geld her? [Update]

Ich bekomme gerade einige Zuschriften, in denen mir Leute Youtube-Alternativen ohne Werbung vorschlagen. Die Vorschläge fallen bei grober Sichtung in zwei Kategorien:

  • Programme und Tricks, um Videos auf Youtube zu schauen oder runterzuladen, bei denen dann keine Werbung zu sehen ist.
  • Programme und Dienste, die Youtube gar nicht verwenden und woanders, dezentral, hosten.

Beispiel:

Die bekanntesten Plattformen dürften Rumble, Odyssee und Dailymotion sein, die so ähnlich wie YouTube funktionieren, und natürlich RuTube, die aber natürlich kleiner sind. Dann gibt es noch eine Reihe deutlich kleinerer Plattformen, die oft nur ein Spartenprogramm haben, wie etwa BitChute oder LiveLeak.

Das erklärt aber alles nicht, wo das Geld herkommen soll. Denn sowohl bei Youtube selbst, als auch bei allen anderen fallen Kosten an, das muss ja auch gehostet werden. Und die Autoren der Filme haben ja auch Kosten, die wollen oder müssen ja auch Geld dafür bekommen, dass sie die Filme anbieten.

Leute, es tut mir leid, aber: Ihr könnt Vorschläge machen und Tricks und Schlichen nennen, soviel Ihr wollt. Das funktioniert alles nicht, solange Ihr nicht erklärt, woher das Geld für die Kosten kommt. Und je dezentraler Ihr das machen wollt, desto teurer wird es in der Summe, weil je dezentraler, desto überdimensionierter weil ungleichmäßiger ausgelastet müssen die Server sein, und desto höher sind die Wartungs- und Personalkosten.

Ich weiß nicht, warum, aber aus irgendwelchen Gründen haben viele Leute nicht verstanden, dass so etwas Geld kostet und das Geld irgendwie erwirtschaftet werden muss. Die denken immer, die Werbung kommt nur, weil Google so gerne abzockt und nervt, merken aber nicht, dass dafür hohe Kosten anfallen, die gedeckt werden müssen.

Irgendwie sind wir gesellschaftlich in so eine „Der Strom kommt aus der Steckdose“-Mentalität geraten. Wir wollen alles kostenlos haben, ob Studium, Mailboxen, Videos, öffentliche Verkehrsmittel, Tampons, Schulessen, als ob das irgendwie vom Himmel regnet, und sind nicht mehr in der Lage zu verstehen und einzusehen, dass so etwas alles Geld kostet und Verteilaufwand macht. So eine grüne Denkweise, als ob „erneuerbare Energien“ etwas seien, was man pflücken könnte wie den Apfel vom Baum. Oder die vielen Energieerzeuguungsvorschlage, die ein Perpetuum Mobile voraussetzen.

Und je „diverser“, je „alternativer“ die Vorschläge sind – desto teurer werden sie.

Die Leute glauben immer, wenn man irgendetwas selbst bastelt, wenn jeder das selbst bastelt, dann würde das irgendwie billiger, dann kostet es nichts, weil sich doch jeder mal 15 Minuten am Tag drum kümmern kann. So wie die Leute, die sagen, sie können Brot selbst billiger backen, aber nicht berücksichtigen, was das an Zeit, Strom, Backofen, Spülmaschine kostet und nicht bedenken, dass den Backofen für ein einzelnes Brot anzuheizen und sich für ein einzelnes Brot in die Küche zu stellen extrem ineffizient ist.

Deshalb:

Es gibt keine Wundersoftware, mit der das Streamen kostenlos wird. Videos zu streamen kostet Geld. Doppelt. Nämlich die Herstellung der Videos und das Streamen der Videos. Und solange Ihr keine Vorschläge unterbreitet, die auch das Thema abdecken, wo das Geld dafür herkommen soll, könnt Ihr Euch das alles in die Haare schmieren. All diese Schlawiner- und Trittbrettfahreransätze, auch wie „es reicht doch, wenn andere Werbung schauen“ oder „ich lasse dafür den Rechner laufen und Werbung abspielen, wenn ich nicht zuhause bin“ (womit dann der beschissen wird, der die Werbung schaltet und dafür zahlt) sind keine funktionierenden Lösungen. Das ist Schmarotzertum nach dem Schema, dass andere die Kosten tragen sollen.

Das ist so ähnlich wie Bitcoins: Da glauben auch alle, mit Bitcoins könnten alle reich werden. Bitcoins schaffen aber, anders als Firmen, keine Werte, zahlen keine Dividende, sondern sie lagern Geld nur um. Jeder Bitcoin-Gewinn ist Geld, das jemand anderes verloren hat. Es gibt keine andere Geldquelle auf Bitcoin als den Verlust, den andere machen. Dabei ist es nicht einmal ein Nullsummenspiel, weil das Mining und der Betrieb der Blockchain enorm viel Strom und Hardware brauchen, also viel Geld kosten. Wenn Bitcoin selbst schon keine Werte schafft und keinen Gewinn macht – wo soll dann das Geld für Strom, Hardware und Betrieb herkommen? Bitcoin ist ein System, das nichts produziert, aber enorme Eigenkosten hat. Das kann gar nicht funktionieren – und trotzdem stürzen sich die Leute drauf.

Also:

Es bringt überhaupt nichts, mir jede Menge tolle Namen von irgendwelchen Projekten, Platformen, Softwarestücken zu schicken, solange nicht klar wird, woher das Geld kommt, und woher die Persistenz kommen soll, dass ich die wichtigen Videos auch in 10 Jahren noch finde.

Es gab doch mal eine Alternative zu Youtube, die deutlich besseres Streaming anbot, höhere Qualität, höhere Auflösung. Mir fällt der Name schon nicht mehr ein, so lange habe ich von der schon nichts mehr gehört. War nie klar, woher die sich finanzieren. Anscheinend hat es die zerrissen.

Update: Ach, Vimeo hießen die.

Die gibt es noch. Werbefrei. Aber da zahlt dann jetzt eben der, der die Videos hochlädt.